Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 43 (23.10.1840)
- Date
- 1840-10-23
- Page
- Seite 364 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Literat««. 811PN j'p Leseauge rc. (Schluß.) Von Seiten der Wissenschaft hätten wir allerdings gewünscht, daß der Herr Verfasser mehr bei seinen Interessenten voraussetzte, da ja doch das Buch mehr der Gelehrten- Welt als den Dilettanten bestimmt ist. Schon die Oedicativn verräth eine nicht zu lobende Gleichgültigkeit für den deutschen Ausdruck, die durch Pietät nicht ausgeglichen wird. — Wir stimmen ganz mit des Verfassers Ansicht von der Würde der hebr. Sprache überein, und diese bedarf nicht des Citates aus Tischbl, dessen Df. in Wahrheit viel Schreibseligkeit, aber wenig Urtheil verräth. Die Beweise dafür konnten aber S. VI. besser gewählt werden, was will das sagen, daß die ersten Naturlauteschon Worte sind? —Dann sagt der Vf.: „Die hebräische Sprache nennt den Buchstab, was er ist, Zeichen u. s. f." Alle die grammatischen Benennungen aber sind ja nickt ursprünglich, sondern von den Grammatikern ersonnen, sie können also nichts beweisen. Für TM2J?' war zu setzen TiEj?, welches die einzige richtige Form ist. Ob Fp erst nach Erfindung der Buchdruckerei eingeführt sei? wäre erst nachzuweisen. — Ebendaselbst heißt es: „Der Thalmud giebt von den Buchstaben folgenden moralischen Sinn," soll heißen: er spielt mit den Buchstabennamen und Formen, und bildet daraus alphabetisch anfangende Wörterpaare, die einen moralischen Sinn enthalten sollen; dies hat aber mit der Würde der Sprache nichts gemein. Eben so wenig dienen die etymoligischen Eigennamen der heil. Schrift zu diesem Zwecke, da deren jede Sprache aufzuweisen hat. — Durchaus unbegreiflich ist uns eine Stelle S. VIII, worin gesagt wirb, daß „Ausfertigung der Urkunden erst mit der Erfindung der Buchdruckerschrift (?) datirt, und daß dis jetzt kein auf Pergament oder egyptisches Papier geschriebenes Diplom aufgefunden worden, welches über das fünfte Jahrhundert nach Ehr. Geb. hinausreichte, wogegen wir unter Moses, 1608 vor Ehr., schon Gesetze in Stein gravirt finden!" — Entweder es fehlt hier ein wichtiger Theil der Periode, welcher den Zusammenhang hier bewirken sollte, oder — Ree. weiß nicht, wie er diesen Satz endigen soll. — Eben so schwierig erscheint uns die nachfolgende Periode, wo der Verf., um die Erhaltung der biblischen Urkunden zu beweisen, Jesaias und Hesekiel anführt, und nicht lieber auf den Dekalog oder die mosaischen Gesänge verweist! — Der Vf. meint ferner, (IX) die Accente seien höchst wahrscheinlich nicht erst von Esra erfunden, weil sie auf die Wurzel und auf etymologische wie grammatische Formen aufmerksam macken, — allein folgt daraus, daß sie schon so alt find? Wir find der Meinung, daß sie nicht schon von Esra, sondern erst viel später eingeführt seien. Recht interessant ist, was der Herr Verf. (X) aus dem Sohar anzieht, um zu zeigen, daß schon frühzeitig die Accente als Interpunktion gebient haben, und diese Wahrheit wirb jedermann anerkennen; nur die Richtigkeit der Ausführung wird an vielen Stellen bestritten. — Wenn aber der Sinnspielerei, (XI) welche für scholastische Zwecke manchmal reckt gut ist, das Wort in der Art geredet wird, baß die Tradition dadurch verherrlicht wird, so scheint uns das eben so sehr unwahr, wie nicht hieber gehörig. — In der Lehre selbst wäre es gut gewesen, S. 3 ad. Nota 2 alle Bedeutungen der Accentnamen, soweit solche aufzufinden, anzugeben, außer den Bemerkten find auf jeden Fall noch mehrere bekannt; es ist für den Schüler z. B. weit lehrreicher zu wissen, daß Ethnach Ruhepunkt bedeutet, als daß die Grammatiker ihn Kaiser nennen. Wenn dieses Buch, wie es wahrscheinlich ist, eine zweite Auflage erleben sollte, so würben wir auf Abänderung oder nähere Begrün, düng mancherlei Einzelheiten, die uns nicht klar geworden, antragen. Z. B. warum S. 3 Mischli nicht Mischle, Thehilim, nicht Thehillim; warum S. 6. Elias Levita's Buch * ayZ2 2iLJ nicht genannt wird, wie doch das Wort nach Ps. 119. 66 heißen müßte. S. 17. Betreffend de- Dagesch (welches unsrer Ansicht nach gar nicht in die Accentlehre gehört) würden jedenfalls die Anmerkungen einer Erweiterung bedürfen. — Berichtigungen der Beispiele sind nöthig S. 11. 1. 1. und 2. 2. S. 19. Not. S. 2 mal. S. 23. N. 1. Mitte. S. 26. N. 2. S. 27. N. 2. Mitte, und wieder S.42. S. 89 würden wir nicht sondern punktiren; S. 108 unten. Diese Stellen machen wir bemerklich, um anzuzeigen, daß sich bei der schwierigen Correctur doch nicht gar zu viele Fehler eingefunden haben, und die meisten sind Schreibfehler, die der Vf. zu vertreten hat. n e p l i k. Offenbach, den S. October. — In Leipzig erscheint eine Zeitschrift, von welcher mir einer meiner entfernt wohnenden Freunde, da sie in Frankfurt und der Umgegend kaum dem Namen nach bekannt ist, ein Blatt zuschickte, in dem meiner Wenigkeit unter der Rubrik „Personalchronik und Miscellen" auf folgende Weise erwähnt ist: „Der Prediger in Offendach, vr. Formstecker, kündigt in einem etwas pomphaften Prospectus eine wissenschaftliche Darstellung deS Judenthums an. In der Angabe deS Inhalts wird so viel versprochen, daß selbst bei der größten Kürze kaum zehn Bände und eines Menschen Kraft und Wissen ausreichen möchten, und der Name des Werkes „die Religion des Geistes" ist so unsicher gewählt, daß man mit Recht an genauer Erfüllung zweifelt." Worin bas Pomphafte dieses Prospectus bestehe, kann ich mir zwar nicht denken, doch muß er den Blicken des Rec., Herrn vr. F., ziemlich bedeutungsvoll erschienen sein, da er sich der einem ProspectuS höchst selten! widerfahrenden Ehre erfteute: beurtheilt zu werden. Sonderbar aber scheint mir die Behauptung: daß „bei der größten Kürze kaum zehn Bände und eines Menschen Kraft und Wissen ausreichen möchten," das Versprechen zu erfüllen, da man ja durchaus noch nicht wissen kann, welch eine Ausdehnung für die Behandlung des genannten Stoffes von dem aufgestellten Systeme gefordert wirb, und da man ja bei dieser Unbekanntschaft mit diesem Systeme eben so wenig zu urtheilen vermag: ob der Name des Werkes „die Religion des Geistes" unsicher gewählt oder streng angemessen sei. — Hätte der Herr Rec. mit diesem Urtheile gewartet. bis er das Buch auch nur flüchtig durchgelesen hätte, so würde sein Urtheil als die Wirkung seiner Liebe zur Wissenschaft zu betrachten sein, so aber muß ich in diesem Urtheil ein reelles Vor urtheil erkennen, und dieses ist nicht das Produkt der einer wahren Wissenschaftlichkeit so nöthigen Unpartheilichkeit, sondern die Ausgeburt eines unedeln Sinnes und einer Gehässigkeit, die ihren Urheber in Schatten stellt. vr. S. Formstecher. Bemerkungen und Beantwortungen. In Bezug auf Herrn Krämers Anmerkungen wegen des ausgesetzten Preises, bemerkt uns Herr Abr. K o h n, Rabbiner in Hohenems, von welchem die Sache ausgegangen ist, und welcher einer der Preisrichter sein sollte, daß er bisher noch kein Manuscript empfangen hat. Dies zu veröffentlichen erscheint um so nöthiger, als die edle Frau Sophie H.r in M..m, welche durch Aussetzung eines Preises der guten Sache Vorschub leisten wollte, endlich wohl gern einen aufmunternden Erfolg sehen möchte. — Woran diese Rückhaltung liege, sei ihm unbekannt. *) Cingegangen von I. M. aus Berlin an D. O. wird befördert, gehört aber nicht in die Annalen. *) Wir sind der ganzen Sache ftemd, und rücken Obiges nur ein, weil es unsre wackern Correspondenten für wichtig halten. D. H. Druck und Verlag von Johann David' Sauerländer in Frankfurt am Main.