Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 42 (16.10.1840)
- Date
- 1840-10-16
- Page
- Seite 356 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Bemerkung en zu Herrn vr. Creizenach's neuestes Werk Dorsche haddoroth. Von Raphael Kirchheim. (Fortsetzung.) S. 127. „Auffallend ist es re., woraus sich vermuthen ließe, daß das Alphabet damals noch nicht seine jetzige Ordnung hatte." Eine durch nichts begründete Hypothese, qenn im ersten Lied folgte Jeremias der gewöhnlichen alphabetischen Ordnung, eben so der Psalmist in den Kapiteln 34, 112, 113, 118, 119, wohingegen Kapitel 145 bas Nun fehlt; man könnte nach des Verfassers Hypothese eben so gut sagen, der Psalmist habe diesen Buchstaben nicht gehabt!! Uebngens haben die Thalmudisten schon im Mid. Echah eine Ursache erwähnter Buchstadenversetzung angegeben. (Meine Hypothese gebe ich gerne Preis.) S. 138. „Obgleich noch keine Tempelhalle stand, was streng genommen nickt geschehen durfte (siehe Abodah sarah 62)" soll heißen: Sebachiin 62, wo aber gerade das Gegentheil sieht. (Statt Abodah sarah 62 soll es in der Thal Sebachim 62 heißen. Die citirte Stelle beweist, daß auch nach dem Thalmud das Zeugniß eines Propheten nöthig war, um den Opferbienst ohne Tempel zu erlauben.) S. 145. „Esra tadelte die Verehelichung mit den Amonitinnen und Moabilinnen, welche nach dem Thalmud erlaubt ist." Der Thalmud erlaubt die eheliche Verbindung mit der» selben nur wenn sic bas Judenlhum angenommen und förmlich zu demselben übergetreten sind, (Jebamoth 76 und die Kasuisten über diesen Gegenstand.) (Ueber diesen Punkt habe ich mich bereits mit hinreichender Ausführlichkeit im Chisuk hathorah ausgesprochen und will hier nicht darauf zurückkommen.) S. 146. „Bemerkenswerth ist es, daß keiner dem Tempeldienst beiwohnte, wo etwa bas Blasen der Posaune zu hören war." Woher weiß der Verfasser, baß in jener Versammlung nicht auch mit der Posaune geblasen wurdet Sowohl zu dieser Bemerkung, ais auch zu dem, was der Verf. S. 117 über die Verlegung des Versöhnungstags sagt, find seine eigene Worte (S. 62) anzuwenden, „man kann Omissionen nicht als Widerspruch betrachten," und von denselben auch keine gewagte Schlüsse ziehen. (Daß bei der Volksversammlung geblasen wurde, ist durch die sonstige Ausführlichkeit der Erzählung sehr unwahrscheinlich. Mit dem andern Theil der Bemerkung bin ich ganz einverstanden.) S. 154. „Jedes Jahr ein drittel Schekel." Der Verf. will hier auf?inen Widerspruch mit der deßfalsigen mosaischen Vorschrift hmbcuten; siebe aber Aben Esrah u. A., und Raban '2 '£• (3* will durchaus micht auf einen Widerspruch, wohl aber auf eine durch die Umstände für erlaubt gehaltene Abweichung hindeuten.) S. 158. Von Antigonus sagt der Verf.: Es wird berichtet, daß er erstgebornes Vieh, z. B. der Verf. folgte dem Buche D/Hj' in den Quellenangaben, und schrieb des Letzteren Fehler nach, indem er Antigonus mit Ben-Antigonus, von dem hier die Rede ist, verwechselte. Challa iv. Tem. 21. (Wer hat aber den Seder haddoroth irre geführt?) S. 169. „Und so wurde eine spätere Kontroverse faktisch entschieden." Diesem widerspricht Joma 196. (Die faktische Entscheidung ist im Berichte der Mlschnah enthalten, und die Gemara sagt nur, man könne im Texte der Mischnah eine Correctur der Art vornehmen, baß aus ihr nichts zu beweisen sei, aber gar nicht, baß diese Correctur gegründet ist.) S. 179. „Woraus sich schließen ließe, daß das Rezitiren des Halle! in der Zeit zwischen der Einführung zwei rabbanitischen Halbfeste aufgekommen ist^" man sehe aber T. Megilah 14, wo andere Ursachen angegeben werden. (Die aber sehr gezwungen sind.) S. 210. 1) „Gab er der Synagoge von Jamnia das Recht." Nach R. H. 22 muß es heißen, und wo sich eine Religionsbchörde befindet. 2) Muß zu den Worten „mit Ausnahme des Sabbaths" auch außerhalb des Tempels, hinzugefügt werben. (1 Wirb in der Mischnah bestrit» len, 2 ist die Bemerkung richtig.) (Schluß f.) Literatur. NTipn py Leseauge. Gründliche Lehre und Anwendung der hebräischen Accentuarion mit 900 nachweisenden Stellen. Für Theologen, Philologen, Rabbiner, israelitische Lehrer, Vorsänger, jeden Studenten und Liebhaber der hebräischen Sprache und Literatur. Von Hermann Stern. Frankfurt a. M. bei I. D. Sauerländer. 1840 XU und 147 S. gr. 8. Die Lehre von der Accentuation verdient eine besondere Behandlung um so mehr, als in deutscher Sprache hierin noch sehr wenig gethan ist. Die Grammatiker eilen darüber hinweg, als ob das Ganze ein bloßes Spiel der Massoretben sei, ohne zu bedenken, daß die Accente, wenn auch nicht uralt und daher positiv zur 'Auffindung des Sinnes anleitenb, doch jedenfalls bis zu einer Zeit hinaufreichen, in welcher traditionell der Sinn der Schrift ziemlich bekannt, durch sie festgestellt werben sollte, ober wenigstens nach dem Standpunkt der damaligen Exegese ausgedrückt wird. Die jüdischen Grammatiker haben den Arabern etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet, aber noch vieles zu thun übrig gelassen. — Wir bedauern, daß der Verf. des vorliegenden Buches keine Literatur der Accentlebre vorgesetzt hat, was ihm gewiß allgemeinen Dank erworben hätte. Was wir hier erhalten, darf als ein Versuch, die Wichtigkeit des Gegenstandes anschaulich zu macken, auf eine gute Aufnahme gefaßt sein, wenn auch noch vieles zu wünschen Übrig bleibt, Nach einigen einleitenden Bemerkungen, an denen wir manches auszusetzen haben, geht der Verfasser an sein Thema. Er giebt erstlich eine Uebersicht der Accente mit ihrem herkömmlichen Schematismus und den Ublicken Kunstausdrücken (wobei uns Taktik und Taktiker neu scheint und nicht zusagt) eine Nachweisung der Unterschiede ähnlich geformter Accente, der Verschiebungen, Verdinbungen und der Art, wie si§ correspondiren. Hierauf wird die Bedeutung der Accente, erst im Allgemeinen, dann in einfachen und zusammengesetzten Sätzen (richtiger: Satzgefügen) bebandelt; dann werden synthetische Regeln gegeben, und verschiedene Eigenheiten einzelner Accente und ganzer Verbindungen durchgenommen. Auch vom Accente als DeklamationSzeictun ist die Rede. Nach verschiedenen Zugaben schließt das Werk mit einer Uebersicht des Inhaltes nach deutschem Abc geordnet, zum leichtern Auffinben des Einzelnen. Ein besonderes Jnhaltsverzeickniß stellt den Gesammlinhalt dar. Das Buck ist sehr brauchbar und wird vielen willkommen erscheinen. Die verschiedenen, durch Ortsentffrnung des Vf. vom Druckort eingeschlichenen Druckfehler sind durch die Cltate leicht zu berichtigen. — Was sonst noch mangelt, nämlich die Accentuationen der Psalmen, Proverbien und Hiobs, werden wohl in einem besondern Hefte erscheinen. Wir wollen über den grammatischen Werth dieses Buches nicht urtheilen, da die Grammatik als solche nicht ln den Bereich unsrer Annalen gehört, sondern nur über den wissenschaftlichen Standpunkt, den der Verf. einzunehmen scheint, oder von welchem aus er an die Arbeit ging; denn das ist ein wesentliches Moment unsrer Tagesgeschichte, daß wir die Geistesprobucte nach den Fortschritten der Zeit bemessen, und die Forderung, daß solche den letzter» entsprechen, ist gewiß nicht ungerecht. (Schluß folgt.) Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.