Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 42 (16.10.1840)
- Date
- 1840-10-16
- Page
- Seite 349 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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16. Oktober. «R» 42. 1840. Israelitische Annalen. eilt Centralblatt Geschichte, Literatur und Gultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Nr. I. Wk. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen 1V2 Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. 5 man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Zustände in Algerien. — Cvntroversen von M-Caul, EalmnN und Jaddai. — Montcstore und Cremieur. — Nachrichten und Eorrespondcnzcn: Padua; über St. Sinionin; Ancona: St. Nicolau ii^Ungarn; Kurbessen; Mannheim. — Bemerkungen zu Herrn Dr. Creizcnach'S neuestes Werk vorsede imllllnii'td -c (Fortsetzung.) — Literatur. Ueber die Zustände der Juden in Algerien und die Mittel dieselben zu.verbessern. Schreiben an den Oberst-Lieutenant im Königs. Corps a'etat major, Herrn Marr Cerfbeer, von den Herren Johanni) Pharaon, Dolmetscher erster Classe bei'm Statthalter von Algerien, und Goldscheidcr, vr. mecl. s.Nach .4.rolliV68 Israelit««, 8eptZ Wir haben Ihrem gütigen Rathe zufolge einige Nachforschungen über-die Juden in Algerien angestcllt und bitten Sie nunmehr, uns zu erlauben, daß wir unsre Arbeit Ihnen widmen. Wir haben das Uebet nachgewiesen, aber auch die Mittel, es zu bekämpfen; wenn das Nebel groß ist, müssen die Gegenmittel stark und energisch sein (maximis malis maxiraa remedia.) Im Laufe unsrer Beobachtungen mußten wir, ungeachtet wir nur Menschenwohl bezwecken, dennoch oft durch die Erinnerung an Ihr Wohlwollen für uns und an Ihre Sorgfalt für die Israeliten in Frankreich, unfern Muth stärken. In dem Gemälde, welches wir vom Zustande der Algier'schen Juden entworfen haben, mußten wir streng urtheilen, aber wir waren gerecht. Es konnte nicht anders sein, und läge es uns zu einer andern Zeit ob, die Geschichte der Christen in der Levante zu schreiben, so würden wir, im Interesse der Wahrheit und des socialen Fortschrittes, nicht minder düstere und widerwärtige Bilder in die Darstellung zu bringen haben. Im ganzen Reiche des Islams sind die Juden getheilt und unstät, sie machen überall eine Nation aus und nirgend ein Volk. Sie bilden eine Nation, indem sie ihre eigenen Gesetze genießen, und sui K6!ieri8 sind, denn in Betreff der Sitten stehen sie noch wo sie vor der Zerstreuung waren, und sind in Jerusalem wie in Constantinopel, in Cairo wie in Tanger, in Tunis wie in Algier. Ueberall gleiches Joch tragend, sind sie unter sich in der Art gleich, daß sie die schwere Bedrückung lindern durch jene Gewandtheit, welche ihnen gewissermaßen durch die Interpretationen ihrer biblischen Satzungen angerathen wird, welche mit größerer oder geringerer Einsicht, Wahrhaftigkeit und Sachkenntniß vom Fanatismus ihrer Rabbinen aufgestellt sind. *) *) Dieß ist ein Vorwurf, welchen die Berichterstatter den Bewohnern der Islamischen Länder machen, ohne zu bedenken, daß sie eigentlich alle strengen Anhänger der rabdinischen Satzungen hiedurch angreifen; und doch lehrt die Erfahrung, daß die bürgerlichen Verhältnisse anderer Länder durch jene Anhänglichkeit keineswegs so benachtheiligt werden, wie es hier angedeutet ist. Die Gewandtheit, sich den unmenschlichen Bedrückungen zu entziehen, ist lediglich eine Wirkung des letzteren, welche den Menschen zwingen, Mittel zur Abhülfe zu ersinnen.— Das Umgehen mancher Gesetze ist freilich ein Vorwurf, der dem Rabdinismus gemacht wird. Die heutigen Dolkslehrer sollten alle offenbar verderbliche Interpretation geradezu verwerfen. D. H.