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Israelitische Annalen · 1840-09-18 · Heft 38 (18.9.1840) · p. Seite 317

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 38 (18.9.1840)
Date
1840-09-18
Page
Seite 317 (sequence 1)
Language
German
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18. September. 38. 184«. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Von Viesen Annalen erscheint jeden Freilag ein ganzer, bisweilen iya Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Zustände in Italien, insbesondere die Jugenderziehung. —Blick auf die Israeliten im Haag. — Schreiben aus Padua — Literarische und historische Analekten, von S. D. Luzzaro. — Der Opferdienst nach Zerstörung des Tempels. — Nachrichten und Torrespondenzen: Berichte aus Mähren (Schluß). Literatur. — Notizen. — Anzeigen. Zustände in Italien, insbesondere die Jugenderziehung. (Don einem einheimischen Rabbinen.) Wer die Erziehung der Jugend in Deutschland und den übrigen, nördlichen sowohl als westlichen Ländern, und zum Theil selbst in Ungarn, kennt, wird sich kaum einen Begriff machen, von dem traurigen Zustande der Erziehung und des Jugendunterrichtsder Israeliten in den meisten Stadien Italiens, wo sich Gemeinden befinden, und es mag immerhin zweckmäßig erscheinen, darüber einmal öffentlich zu sprechen, um die Aufmerksamkeit der Behörden auf diesen wichtigen Gegenstand hinzulenken. Folgender Bericht ist uns aus sehr zuverlässiger Quelle zugekommen, wir geben ihn sinngetreu, wie er im Originale enthalten ist. Zunächst über die Art des Unterrichts in religiösen Dingen. Der allererste Unterricht ist größtentheils alten Weibern anvertraut oder richtiger überlassen, indem die sogenannten Kinderbewahr-Anftalten selten irgend einer höher» Aufsicht überwiesen sind. In derselben werden zwar die Kinder von drei bis sechs, oft bis acht Jahren vor den Gefahren ihres Alters mit vieler Sorgfalt beschützt, allein dafür wird der Geist der Kinder mir Ammenmährchen aller Art unterhalten, und ihm Aberglauben und Wundersucht und Stumpfsinmgkeit auf alle Weise eingeflößt. — Die Kinder genießen dabei einigen Unterricht; dieser besteht in Anleitung zum Hebräisch-Lesen (sehr schlecht übrigens), im Hersagen der Gebete, und im Absingen der Haftaras (Abschnitte aus den Propheten, die in der Synagoge vorgelesen werden). Auf dieses Letztere wird in Italien ein großer Werth gelegt, und man bemißt nach der Kunstfertigkeit, womit ein Knabe nach Verhälrniß seines Alters die Haftara öffentlich vorträgt, die Fähigkeit desselben. Außerdem lernen die Kinder allerlei Gedichte zum Purimfefte, und andere Lieder und Verse. — Ein Haupthülfsmittcl für diese Lehrerinnen ist ein gedrucktes Alphabet, in der Mitte dessen in angemessenen Holzschnitten auf einer Seite dargeftellt ist, wie ein unartiges Kind gegeißelt wird, auf der andern wie ein gutes Kind dadurch belohnt wird, daß ein Engel vom Himmel herab ihm allerlei Naschwerk zuwirft. Diese Alphabete werden nun auf bestimmte Zeit benutzt und eingeübt, worauf, gleichviel ob alle bereits die gehörige Fertigkeit erlangt haben oder nicht, zu den Gebetbüchern geschritten wird; die Kinder lernen diese lesen, indem sie stets der v^Dgenden Lehrerin nachplappern. Sind die Knaben so weit gekommen, daß sie die

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