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Israelitische Annalen · 1840-09-11 · Heft 37 (11.9.1840) · p. Seite 315

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 37 (11.9.1840)
Date
1840-09-11
Page
Seite 315 (sequence 7)
Language
German
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315 deS Werkes viele gelehrte Notizen mitgetheilt worden sind, manche insbesondere in Beziehung auf diese Ausgabe, .alle diese Mittheilungen, unter denen vorzüglich S. D. Luzzato viel Interessantes geliefert hat, in einem Hefte Nachfolgen lassen. Das Werk, das wir jetzt vor uns haben, verdient die achtbarste Anerkennung zuerst darum, weil es das Produkt eines gründlichen und redlichen Studiums ist. und sich eben so fern halt von flüchtiger Hypvlhesensuchl wie von geistloser Nachbeterei. Der Commentator halt sich an sein Original, sucht die scienlivische Grundlage der darin oft gar zu kurz hingestellten Gedanken, gleichsam die ganze humanistische Bildung jener Zeit, (spätestens 1160) vvraussetzend. deren Naturphilosophie, in so weit ihnen die Data bekannt waren, der heutigen nicht viel nachstand und mehr in Methode sich von spätern Systemen scheidet. Dabei hatte er große Schwierigkeiten zu überwinden; die erste und größte ist der Ausdruck; Venn wie viele philosophische Bücher auch schon in hebräischer Sprache geschrieben sein mögen, so gehört wahrlich eine ungemeine Gewandtheit und Bestimmtheit der Sprachkenntniß dazu, um dem Denker, welcher an die Abstraktion der heutigen Wissenschaft gewöhnt ist, die nöthigen Erläuterungen faßlich in der armen Sprache darzuftellen, und noch mehr um selbige so originell als möglich zu halten, um auch das geläuterte Sprachgefühl unsrer Zeit zu befriedigen. Herr B. hat diese Schwierigkeit mit großer Geschicklichkeit überwunden, und wir können ihn in dieser Beziehung den trefflichsten Vorgängern an die Seite stellen. Ein anderer Punkt aber ist die strenge Scheidung der Zeiten, in welcher nämlich der Commentator sich zurück zu versetzen hatte auf den Standpunkt und in den Gesichtskreis des 12len Jahrhunderts, um nichts in sein Original hineinzulegen, was es noch nicht subsumiren konnte. Und hier hat der Commentator allerdings so genau als möglich die Begriffe des Originals festzuhalten gesucht, nichts desto weniger quellen öfters die ihm selbst innewohnenden Kenntnisse der Neuzeit hervor, und er sieht sich genothigt, bisweilen durch Hinzufügung des deutschen Ausdrucks seinen hebräischen zu erläutern, wobei nvthwendig unsre Begriffsweise elnlreten muß. Inzwischen wirb dadurch der Leser nur eigentlich etwas weiter geführt, während er doch sogleich einsieht, was im Originale gesagt ist, und was der Commentator aus sich hinzufügt. Dasselbe gilt vornämlich von den astronomischen Betrachtungen des Werkes, wo bas Original sich in der beschrankten Ansicht seiner Zeit halten muß, während der Commentator mit dem Blicke der heutigen Wissenschaft unser Sonnensystem betrachtet. Dergleichen ist aber fast unvermeidlich. < Was wir nun vorzugsweise an der vorliegenden Arbeit rühmen müssen, ist die redliche Forschung, welche sich darin kund giebt, indem es dem Verfasser überall darum zu lhun ist, nicht seine eigene, in der Tbat sehr anerkennenswerthe Gelehrsamkeit zu zeigen, als vielmehr den Sinn der Urschrift zu ergründen, und daher auch alles mittheilt, was ihm inzwischen von andern bemerkt worben. Schon bas zweite Heft brachte eine höchst interessante Zuschrift des Herrn Luzzato aus Padua, welche nicht allein positive Mittheilungen enthält, die als eine dankenswürdige Zugabe zu betrachten sind, sondern auch mehrere Ansichten unsers Commentators berichtigt, wie dieser selbst einräumr, während er über einiges seine Darstellung gegen L. rechtfertigt. Das vierte Heft beginnt abermals mit Erinneruugen gegen manche Stelle des Commentars in dem 5ten Abschnitt, welcher in dem 4ten Hefte enthalten ist, und den der Vers. vor dem Abdruck dem gelehrten Joseph Weisse, Schuldirektor in Proßnitz, mitgetheilt hatte, um seine Bemerkungen im Voraus entgegen zu nehmen. Der Vf. beantwortet die meisten Einwendungen, inzwischen wird jeder Leser mit uns gern den trefflichen Gelehrten begrüßen, der hier mit so klarer Ein- und Umsicht dem Commentator Bemerkungen macht. Die meisten sucht dieser theils erläuternd, theils ablehnend zu erledigen. Wir haben nun viele Steven des Commentars des Herrn Brecher mit denen feiner Vorgänger verglichen, und finden, daß jener durchweg sowohl im Ausdrucke als in Klarheit der Darstellung den Vorzug verdient. Der Umfang unsrer Blätter gestattet unS nicht, wie wir zunächst beabsich. tigten, eine Probe aus dem Werke zu liefern; wir müßten hier, um alles in deutscher Sprache wieder zu geben, eine Menge Erläuterungen und Umschreibungen hinzufüqen, welche dessenungeachtet dem Leser keinen Begriff vom Ganzen und vom Wertbe des Inhalts zu machen dienen würde. Mögen Freunde dieser Literatur selbst lesen nnd prüfen. Die Ueberzeugung werden sie bald gewinnen, baß die Literatur an diesem Werke einen schönen Zuwachs erhalten hat, und somit sei dasselbe allen Kennern auf's Angelegentlichste empfohlen. Kleine Schriften. 1) Predigt zum Gedächtnisse Sr. Mai. des hochsel. Königs Friedrich Wilhelm III. Bei dem Trauergottesdienste in der Synagoge zu Elbing, 19. Juli 1840, gehalten von 0r. S o mm e rfeld, israelitischem Prediger. (Der Ertrag für milden Zweck.) Elbing bei Neumann und Hartmannn. 19 S. 8. Eine nach unserm Gefühl überaus trefflich gehaltene, gut disponirte und leicht und geschmackvoll ausgedrückte Rebe. — Von demselben Verfasser soll nächstens eine größere Erbauungsschrcft unter dem Titel: das Lebender Patriarchen erscheinen, von welcher wir uns, nach obiger Probe, etwas sehr Gediegenes versprechen. 2) Worte zum Gedächtnisse des hochsel. Königs rc. in der Synagoge zu Königsberg am 19. Juli 1840 gesprochen von I. L. Saalschutz, vr. und öffentlicher Lehrer der Religion rc. — mit beigedruckren Gebeten und Psalmen. 15 S. 8. In gedrängter Kürze gut und zweckmäßig angeorvnet. 3) Thau, als Frühlings- und Lebenszabe, Gottesd. Vortrag am Passahfeste 5600, gehalten v. I. L. Saals ch ü tz, vr. rc. 18 S. 8. Ebendaselbst. Der Titel ist von dem Gebete, welches Thau erfleht, hergenommen, und dieses giebt Anlaß zu allegorischer Darstellung einer sittlichen Wiedergeburt. Die Predigt ist auf den Wunsch der durch sie sehr erbauten Gemeinde dem Druck übergeben. _ Zu erwartende Werke. Herr B. Schönfeld aus Szenitz in Ungarn, ein Jugendtehrer von umfassender Gelehrsamkeit und anerkannter Berufslreue, welcher mit den achtbarste» Empfehlungen versehen, stch in diesem Augenblick hier befindet, beabsichtigt die Herausgabe eines neuen hebräischen Werkes, wovon bas Manuscnpt uns vorltegt, und welches unter dem Titel rvcx yy spy eine Menge alter in unfern rcligwien Quellen sich vorfindenden Fabeln, Erzählungen. Legenden und Sprüchen in reiner, schöner poetischer Darstellung wredergiedt. Der Herr Verfasser ist den Sachkennern durch seine bereits veröffentlichten Leistungen sehr vortheilhaft bekannt, und bedarf in dieser Hinsicht unseres Vorwortes nicht. Noch jüngst lasen wir von ihm ein trefflickes Schreiben an den wackern Herausgeber des Kusari. Herrn G. Brecher m Proßnitz. welches dieser für werth erachtet hat. seinem Werke mit vorzudrucken. Somit wäre er bei der Gelehrten-Well genügend eingeführl. Dennoch erfüllen wir gern sein Gesuch, indem wir nach Durchsicht des Manuscripts bezeugen, daß dasselbe sich seinen bisherigen Leistungen würdig anreihet und überhaupt die kunstvolle Darstellungswelse darin stch den bessern Werken anschließt. Es wirb demnach sein Wunsch, dasselbe herauszugeben und dazu durch den Beitritt aller Freunde hebräischer Werke unterstützt zu werden, sicherlich.nicht unerfüllt dleiben.

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