Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 36 (4.9.1840)
- Date
- 1840-09-04
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur hkbräiscbe und deutsche Elementarschule unter einem geprüften Lehrer, wo aber nicht mehr als die Elementargegenstände als Hebräisch lesen. Gebete übersetzen, die Rudimente der hebräischen Grammatik und der Bibel gelehrt werden, da die Gemeinde nicht im Stande ist, mehr als einen Lehrer zu halten und es selbst viele Müht kostete, diesen einen zu gewinnen, weil die Erhaltung der Schule von der Willkuhr der Gemeinde abhängt. — Auch in Pe tschau ist das Wirken des thalmudischgelehrten und mit der Zeit fortgeschrittenen Rabbiners Elias Kohn, der zuweilen auch deutsche Reden hält, von wohllhätigem Einflüsse auf Schule und Synagoge. — In den Gemninben Kirsch, Buck, Lubin konnte bei ernstlichem Willen mehr geschehen. (Schl. f.) Rheinpreußen. — Wir vernehmen, daß die Gemeinde zu Essen manche Verbesserungen einlreten zu lassen beabsichtigte, daß aber auf den Grund eingegangener Protestationen, von der Behörde zu Düsseldorf aus ein hemmendes Verbot erfolgt ist, welches namentlich dem von der Gemeinde designirten Religionslehrer dis auf Weiteres jede Function untersagt. Die Gemeinde soll deßhalb sich höhern Orts hingewendet haben, und man ist gespannt, wie sie beschieden werben dürfte, zumal man allgemein erwartet, baß die Abneigung gegen sogenannte Neuerungen sich in gegenwärtiger Zeit nicht so allgemein zur Verwerfung jeder innern zeitgemäßen Verbesserung aussprechen werbe. Frankreich. Am 21. Juli hatten die beiden edcln Reisenden, Sir Moses Montefiore und Adolph Cremieup mit ihren gelehrten Gefährten sich eingeschifft, und am 4ten August sind alle wohlbehalten in Alerandrien eingetroffen, wo sie, längst sehnsuchtsvoll erwartet, mit ungemeiner Freude von ihren Glaubensdrübern empfangen worden. Auch die Consuln Oesterreichs und Englands bezeigten ihnen gebührende Aufmerksamkeit. *) *) Wir bemerken hier noch, was manchem unsrer Leser vielleicht nicht uninteressant erscheint, daß am 22. Sivan (Dienstag, 23. Juni) in der Synagoge zu London ein öffentliches hebräisches Gebet für die glückliche Vollendung der hohen Mission, die Herr M. Montefiore mit seiner Begleitung übernommen, gesprochen worden. Dasselbe besteht aus einem kurzen hebräischen Gebete und einigen hinzugefügten Reimversen, die der Vorbeter vorsang, und worauf die Gemeinde stets Amen antwortete. Wir haben den hebräischen Text (verfaßt von dem 10jährigen Herrn M. Joseph) und gegenüber die englische Uedersetzung (von Hrn. S. I. Raphall) vor uns, und kann solche bei uns eingesehen werden. Deutsch ist der Sinn dieser: Vorb. Der unsre Väter Abraham, Isaak und Jakob gesegnet hat, segne und beschütze und beglücke den edcln Herrn Sir Moses Montefiore dafür, daß er sich grvßmuthig entschlossen, weithin zu reisen, um für unsre unglücklichen Glaubensbrüber, welche in Noth und Gefangenschaft zu Damask und an andern Orten schmachten, sich zu verwenden. Vorb. O Herr gieb ihm Glück auf den Weg! Gemeinde. Amen! — Vor Unfall, Gefahr und Schaden bewahre ihn, Gem. Amen! — Deinen Engeln befiehl, gnadenvoll ihn zu führen, Gem. Amen! — An seinen Bestimmungsort bringe ihn in Frieden. * Gem. Amen! — Begleite sein Wort und der Geist des Wohlgefallens sei um ihn. — Gem. Amen! — Sein heiliges Geschäft zu vollenden stehe ihm bei, Gem. Amen! — In Frieden und Freuden komme er heim! Und in den Segen seien eingeschlossen seine treffliche Gattin, und alle, die sich ihm dcigesellet. Amen! rrrrnn v^Tn Dorsche Haddoroth, oder Entwickelungsgeschichte des mosaischen Ritualgesetzcs, von den ältesten Zeiten bis nach der Erscheinung des Thalmuds Von Dr. M. Creizenach, Frankfurt a. M. 1840. Andreäische Buchhandlung X und 35S w. 8. (Schluß.) In der dritten Periode verweilt der Verf. nach einer eiligen Durchlaufung der geschichtlichen Fakta, besonders bei Betrachtung der Seelen zur Zeit des 2ten Tempels (182ff.), wo sich mannickfache praktische Bemerkungen aufdrängen. Besonders eingreifend in die Verhältnisse unserer Zeit erscheinen die, welche die Tradition betreffen, Seite 186 und 161. Das Wesen der.Mischen Schulen wirb in hinreichender Ausführlichkeit, ganz nach den Duellen durchgegangen. Auch die Entstehung des Cbristenthums und die Art, wie solches von den Zeitgenossen angesehen werden mußte, wird näher in's Auge gefaßt, jedoch alles vom heimischen Boden aus entwikkelt, ohne Eingehen in die bereits damals stark influirenden auswärtigen Philosophen, was, der Vorrede zufolge, absichtlich diesem Werke fremd bleiben sollte; doch ist dieser Einfluß an Ort und Stelle angedeutet. — Ueder den Ursprung des Ausdrucks Gehenna (S. 212), den der Herr Verfasser spät setzt, läßt sich zweifeln, da er in N. T. als alltäglich und allgemein verkommt. — Die nach dem Untergänge des Tempels in vielen Beziehungen modificirten Rilualgesetze ordnet der Herr Vf. in 1 Classen (S. 214). — In die Geschichte der Schulhäupter mischt sich die Casuistik, denn Leben und Religion war bei ihnen innig verflochten; alles ist hier nach dem Thalmud geschildert; wir müssen gestehen, daß es einen seltsamen Eindruck hcrvorbringt, wenn man die großen Geister bei mitunter sehr kleinlichen Fragen, oft unter Nichtachtung der edlern Humanität, ernstlich beschäftigt findet (S.215. 220.) Man muß, um manches zu begreifen, den Fragen selbst einen höhern Standpunkt vindiciren, und um dies zu können, sich in die Zeit versetzen. Dies letztere setzt aber eine vollkommene Kenntniß der damaligen Denkweise voraus. In der nun folgenden, eigentlich thalmudischen Literatur und Religionsgeschichte finden wir alles, was in neuerer Zeit zur Beleuchtung jener Epoche aus dem Dunkel gezogen worden, benutzt, und in einen Guß gebracht. Die vielen Lehrer sind nach dem Thalmud charakierisirt, und was von ihnen gemeldet wird, selbst das Legendenarlige, ist mit angeführt; bisweilen etwas zu kurz, wie S 230 unten, wo die Beine? kung des R. Simon nicht genügend erscheint, um eine Verfolgung zu veranlassen, während die Ausdrücke des Originals eine solche wohl begründen. Am Schlüsse dieses Abschnittes folgt noch ein Theil. des Briefes des R. Scherira Gaon und einige Bemerkungen dazu. Eine Gesammtcharakteristik des ganzen Zeitraumes wäre sehr wünschenswerth gewesen. Statt dessen finden wir in dem Beginne der 4ten Periode eine nähere Erörterung des Schulweiens, wie es zur Zeit der Mischna-Abfaffung war und sich weiter entwickelte. Dabei wird der betreffende Theil des Briefes des Scherira wieder in Erwägung gezogen, lieber die babylonischen und palästinischen Schulen, deren gegenseitiges Verhältnis. und den Geist der Lehre und der Lehrmethode, zugleich über das neuere Kalenderwesen ist hier genügende Auskunft. Der Geist des Thalmuds, bis zu dessen Redaction die Geschichte hier verfolgt ist, giebt sich in verschiedeneu, freilich nur kurzen Proben zu erkennen. Wenn man die Art, sowohl der Hermeneutik als der asketischen und moralischen Ausdrucksweise zu würdigen im Stande sein will, muß man freilich den Geist der Kirchenväter der Christen kennen, welcher, wie geschieden auch nach Inhalt, doch in Methode jenem sehr gleicht. Der Total-Eindruck des Werkes, welches in ungemeiner Kürze eine große Mannichfaltigkeit darbietet, und in welchem selbst Gelehrte vom Fache hier viel Neues und Eigenthümliches antreffen, kann nur der sein, daß der Leser die starre Consequenz der Tradition in derjenigen äußern Form, welche