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Israelitische Annalen · 1840-08-28 · Heft 35 (28.8.1840) · p. Seite 300

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 35 (28.8.1840)
Date
1840-08-28
Page
Seite 300 (sequence 8)
Language
German
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300 Bei der zweiten Periode (S. 22) scheint uns die Frage, wie das Iudenthum in der Uridee sich gestaltet haben möge, selbst nach den angeführten Gründen mit Unrecht übergangen; sie ist, wenn sie ermittelt werden kann, ein sehr wesentliches historisches Moment, zumal die Israeliten beständig beschuldigt werden, der Uridee nicht entsprochen zu haben. Das Werk bleibt durchaus bei der historischen Darstellung des wirklich Geschehenen und der Aufsuchung der nächsten Motive oder Veranlassungen. Sehr merkwürdige Erinnerungen fanden sich bei Erwähnung der zehn Gebote (S. 24), und gewiß vielen interessant ist die Schilderung des Opferdienstes S. 22—33 zum Theil nach der Tradition. Alle Einzelheiten des mosaischen Rituals werden unter gemeinsamen Massen angeführt, und zum Theil auf deren Zwecke hingewiesen, so wie auch manche spätere Abweichungen begründet. Sehr wichtig ist hierbei, zur Vermeidung eines Mißverständnisses, die Bemerkung. S. 45. „Ein mosaisches Verbot hört nicht auf, für die Israeliten verbindlich zu sein, wenn die vermuthete Ursache nicht mehr anwendbar ist, sondern wenn es sich darthun läßt, daß es in enger Verbindung mit dem aufgelösten Nationalverein oder mit dem Tempeldienst steht. Eine Regel, die jedoch cum grano salis angewendet sein will. — Außerdem werden hier die mannichfachen Fragen, welche aus anscheinenden Widersprüchen des Bibeltertes, so wie aus mancher traditionellen Bemerkung entstehen muß, berührt und erledigt. Bei historischen Erörterungen der übernatürlichen Facta bleibt natürlich manches wiederum schwankend, weil der Ausdruck immer gern am Symbol haftet. (S. S. 54.) — Sehr interessant ist die Art der Einlheilung der Deutervnvniums und der daraus resultirenden Vorschriften. Nebenher wird auch die Weglassung der Lehre von der Unsterblichkeit (Seite 62) gerechtfertigt. Hier wäre es doch zweckmäßig gewesen, nachzuweisen, daß der Glaube an Fortdauer wirklich in Israel vorhanden war. — Auch hier drängt übrigens die Fülle des Materials sich so sehr zusammen, daß jeder einzelne Satz eine größere Combination von Gedanken und Erinnerungen darbietet, wenn er nach allen Seiten hin analysirt werden soll. Das gilt auch von der Schilderung der Richterperiode (S. 80—81) und der folgenden Zeit, wobei manche historische Bemerkung (S. 86 — 87) noch eine nähere Erwägung verdient. Die chronologische Seite der Regierung Sauls ist nicht in Betracht genommen, wie denn überhaupt dieser Punkt nicht in den Plan des Werkes gehört. Davids inneres Wirken in religiöser Beziehung ist dagegen mit vieler Umsicht geschildert. Was Salomon betrifft, so sind nur einige Grundlinien gezeichnet, und auch die nur mit Rücksicht auf die Annahme daß die Proverbien, Kvheleth, Hoheslied und Buch der Weisheit diesem Zeitalter angehören. Im Verfolg der Geschichte finden wir wieder kurze, treffende Bemerkungen, welche den Geschichtsschreibern bisher entgangen sind. Die Propheten sind charakterisirt, und vieles, was die Sage über sie berichtet, näher erwogen oder beurtheilt. Ein klares Bild von der Beschaffenheit der religiösen Bildung der Israeliten als Volk ist aus dem Ganzen nicht zu gewinnen; die Nachrichten sind alle zu fragmentarisch, und betreffen auch mehr die öffentliche Leitung, als das innere Volksleben. (Schluß folgt.) N o t i z. Herr Ca hun, Lehrer in Hagenau, kündigt eine israelitische Iugendbibliothek an, welche in 20 Lieferungen zu 50 Centimes, oder in 5 Bändchen alles das enthalten soll, was gleichsam eine Encyklopädie für die israelitische Jugend in Frankreich bilden möchte, 1) biblische Geschichte, 2) Religivnslehre; 3) methodische hebräische Sprachlehre; 4) Uebungen dazu; 5) Fabeln und Erzählungen zur Bildung sittlicher Gesinnungen. Nach unserm Dafürhalten ist die Einmischung der hebräischen Sprachlehre als grammatische Hebung durchaus nicht am rechten Orte in derartigen Werken. Ohnehin wird aus solchen Büchern die Sprache nicht erlernt. AlS Religionsquelle muß die hebräische Bibel in Auswahl mit gehöriger Analyse durchgelesen werden, und als Hüifsmittel kann man grammatische Schemata lernen lassen; alles Uebrige ist nur Ballast, und so vielfach reproducirt, daß jede von neuem darauf verwendete Mühe verloren ist. Dies bemerken wir auch für unsre deutschen Iugendlehrer, welche seit wenigen Jahren so viele hebräischen Sprachlehren geschrieben haben. Erwiederung. Herr S. I. Cohen aus Hamburg, Verfasser des in unfern Blättern Nr. 28 und 29 beurtheilten hebräischen Geschichtswerkes hat uns eine Erwiederung zugehen lassen, die wir in ihrer ganzen Ausdehnung nicht aufnehmen können, auch schon wegen der allzuvielen verbindlichen Ausdrücke einzurücken uns nicht zu entschließen vermöchten. Der Inhalt ist kurz dieser: Herr Cohen erklärt, daß die Zusammendrängung eines Geschichtswerkes von 9 Bänden auf drei kleine Bändchen sckon genugsam beweise, baß er keinesweges jenes bloß übersetzt habe. Ein bedeutender Tbeil des erschienenen ersten Bandes sei von ihm nach Josephus und nach dem Josippon, zu einer Zeit bearbeitet worden, als der Verfasser der Geschichte der Israeliten noch in die Schule ging, wie dies aus mehreren vor 30 Jahren in der Sulamith veröffentlichten Miltheilungen hervorgehe. Er gestehe gern, daß er im Laufe der spätcrn Geschichte, dem ofterwähnten Originale gefolgt sei, ohne darum wörtlich übersetzt zu haben; wie er denn dessen allzustrengen, schonungslosen anti-rabbinischen Urtheile, gewiß nicht unterschreibe. Uebrigens würde bei den großen Schwierigkeiten einer Uebertragung des .historischen Styles eines deutschen Werkes in die wortarme hebräische Sprache, selbst eine gelungene Uebersetzung schon des Verdienstlichen genug enthalten, um überall auf nachsichtiges Urtheil rechnen zu dürfen. — Der dritte Theil, die neuere Zeit enthaltend, sei nach ganz eigenem Plane bearbeitet. Wir halten dies für genügend, und bemerken nur noch, daß der sehr gelehrte Rec. bei seiner Beurtheilung von derselben Wahrheitsliebe geleitet worben ist, die alle seine Arbeiten charakterisiren. D. H. Anzeige. So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Geschichte der Juden in Sachsen, mit besonderer Rücksicht auf ihre Rechtsverhältnisse. Zum Theil nach archivalischen Quellen bearbeitet von K. Vidori. Mir einer Vorrede vom Professor Fr. Bülau. 8. geh. 21 gr. Holdheim, I)r. S., Rabbiner in Frankfurt a. O. Der religiöse Fortschritt im deutschen Iudenthum. 8. geh. 4gr. Velinpapier5gr. -'n nan Worte Gottes, oder gottesdienstliche Vortrage, gehalten in der Synagoge zu Frankfurt a. O. Heft 1 u. 2. 8. geh. Velinpapier Rthlr. 1. 8. gr. Das dritte Heft, dieser mit so vielem Beifall aufgenommenen Vorträge, befindet sich unter der Presse und erscheint binnen Kurzem. Leipzig, im April 1840. C L. Fritzsche Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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