Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 34 (21.8.1840)
- Date
- 1840-08-21
- Page
- Seite 285 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr° 34 1840. 21. August. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgcgebcn von vr. I. At. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen ll/2 Bogen; Preis des Jahrganges '3 Rthlr. fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Der neue Ternpelvercin in England. — Zustände der Israeliten in Constantinovel. — Literarische und historische Kontroversen. — Noch ein Wort über das Kalenrcrwesen. — Nachtrag zu den Bemerkungen über vr. Creizenach'S Aufsatz. — Statistik der iSraelit. Bevölkerung im Königreich der Niederlande. — Nachrichten und Correspondenzen: Lemberg; Brüssel; Berlin; Baiern; Würzburg (Schluß.) — Literatur. — Anzeige. Der neue Ternpelvercin in Cngland. London, 25. Juli 1840. Sie haben bereits aus authentischer Quelle über die in einem Theile unserer Gemeinden, namentlich der portugiesischen, entstandene Regung berichtet. Die Sache ist bereits weiter gediehen, als dort mit vielleicht allzugroßer Vorsicht angedeutet worden. Man spricht nicht bloß offen und rückhaltlos darüber, sondern es sind schon Schritte geschehen, um die Gedanken auszuführen. Ohne hier über die Unternehmung zu urtheilen, will Schreiber dieses, ein Unparteiischer, bloß die Tharsache darftellen, damit sie nicht durch feindliche oder unkundige Hand in ein falsches Licht gebracht werde. Die Sehnsucht nach Reform ist ziemlich allgemein. Von den Portugiesen haben viele, und zwar sehr respektable Hausväter, desgleichen einige aus den deutschen Gemeinden, sich Dahin vereinigt, daß eine Aenderung der gottesdienstlichen Angelegenheiten durchaus nothwendig ist, wenn überhaupt die Jugend bei der ihr allgemein gegebenen europäischen Bildung der väterlichen Religion noch erhalten werden soll. Es hat sich nur zu oft gezeigt, daß die Festhaltung gewisser, mit den Zuständen der heutigen Welt durchaus nicht harmonirenden Formen den Erfolg gehabt Hai, daß die Kinder entweder von jeder äußern Bildung zurückgehalten, ganz mittelalterlich erzogen werden müssen, um ihren Eltern eine Bürgschaft zu gewähren, daß sie nicht aus den strengen Regeln der religiösen Satzungen ausschreiten würden, oder in der Wirklichkeit mit ihren Eltern und mit der Religion im Allgemeinen gänzlich in Widerspruch traten. Durch Mangel an Fügsamkeit mußte ein Bruch entstehen, der täglich größer wird. Das Fortschreiten desselben zu verhüten und wo möglich die Wunden unsrer Kirche zu heilen, beabsichtigten die Dissidenten, welche schon zum Theil als Schismatiker verurtheilt werden, durch ihre reformirte Synagoge, welche indeß erst in's Leben treten soll. Die Grundideen, von denen sie geleitet werden, laufen hauptsächlich in die eine Forderung zusammen: Vereinfachung der Lehre und der darauf zu gründenden Uebungen nach dem Göttlichen Gesetze, mit Abweisung aller lästigen und durch keine sichere Autorität feftgestellten Zusätze. So z. B. will man die allzugroße Vermehrung der Gebete auf die ursprüngliche Einfalt zurückführen; die Feier der doppelten Festtage abstellen, da die Ursache zur Einführung des zweiten Tages jetzt nicht mehr vorhanden ist; auch soll alles was gelehrt und geübt wird, durch die Landessprache deutlich und verständlich gemacht werden. Alles dies und was damit weiter in Verbindung stehen dürfte, muß freilich erst von dem Geistlichen, welcher an die Spitze dieser Congregation treten wird, gehörig