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Israelitische Annalen · 1840-07-31 · Heft 31 (31.7.1840) · p. Seite 261

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 31 (31.7.1840)
Date
1840-07-31
Page
Seite 261 (sequence 1)
Language
German
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31. Juli. Nw 31. 184«. Israelitische Annalen. Ein C e n t r a l b l.a t t für Geschichte, Literatur und Gultnr der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. Z. M. I 0 ft* Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen ll/2 Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen^Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. GerrcucS Bild von der Beschaffenheit der Israeliten in Podlesin, Lithauen und Reußen. — Bemerkungen zu den legislativen Verhältnissen'in Preußen (Fortsetzung.) — Die lllotbwendigkeit einer Bearbeitung des Thalmuds vom orthodoxen Standpunkte aus, von vr. H eilbut. — Nachrichten und Corrcspondcnzen: London (Schluß); Berlin; Münster; Karlsruhe; Sinsheim. — Kurze Anzeige. — Bitte an die geehrten Leser. — Anzeigen. Getreues Bild der Beschaffenheit der Israeliten in Podlesin, Lithauen und Reußen. Von einem Einheimischen. Auf meiner Reise der russischen Gränze entlang zwischen Brody und Radzivil, nach Lithauen zu, über eine Strecke von etwa 4 Graden nördlicher Breite, habe ich folgende getreue Notizen gesammelt, welche ich der Mittheilung werth achte. Die Geistesbildung der hier zerstreuten Gemeinden näher ins Auge fassend, kam es mir vor, als stiege ich von einer Höhe immer tiefer hinab, und erst späterhin ging es wieder aufwärts. — Ich besuchte, Radzivil, Luzk, Dubno, wo sehr viele Israeliten wohnen, und je weiter man vorwärts kommt, desto mehr findet man kabbalistische Pietisten, und desto weniger Freunde der biblischen Studien und der Wissenschaft. Kolk ist ganz und gar von Pietisten angefüllt, und nur einige Arme gehören noch der alten Synagoge an; so ist es auch in allen Gemeinden von Dubno an über Kolk bis Lubeschew und weiter, und zu beiden Seiten auf dem ganzen Strich. Ueberall wird ein rabbinisch Gelehrter nicht gern gesehen, ein wissenschaftlich Gebildeter aber verachtet. Das wenige Licht, welches ihnen einst der Urheber dieser Sekte in der Ukraine, vor etwa 80 Jahren, anzündete , ist langst verlöscht. Sie haben sämmtlich die Schale ihrer Lehre behalten und die Frucht weggeworfen; von vernünftiger Ueberlegung wollen sie nichts Mssen, sie schweben in phantastischem Dunkel. Lube- ^.^chew *) ist die Kreisstadt von P o d l e si n (Waldland im Polnischen). Dort gehen die israelitischen Frauenzimmer mit verhülltem Haupte, thcils wie in Lrthauen, theils wie in Galizien, und zwar nach der ftrengern Sitte beider. Zwischen Lubeschew und Pinsk sind nur Dörfer mit christlichen Landleuren, darunter wenige Israeliten, welche mit ihnen in brüderlicher Eintracht leben. Ueberhaupl giebt es zwischen Kolk und Pinsk keine große Gemeinde, und die vereinzelt Wohnenden sind im höchsten Grade unwissend. Pinsk mit dem naheliegenden Karlin zählt gegen 2000 israelitische Familien, aber sehr wenige Christen. Auch hier herrscht die Pietisten-Sekte, doch weht hier schon der bessere Geist aus Lithauen herüber, tüchtige Gelehrte im Fache den rabbinischen Studien werden von vielen hochgeschätzt und in Ehren gehalten, und nur einen anerkannten Mann setzen sie als Geistlichen an. So ist jetzt R. Jakob, Rabbiner *) Uns scheint hier ein Schreibefehler obzuwalten. — Vielleicht Brzecz? D. H.

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