Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 30 (24.7.1840)
- Date
- 1840-07-24
- Page
- Seite 253 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1840 24. Juli. Nr° 30. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte» Literatur ««- Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen 1V2 Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Bemerkungen zu den legislativen Verhältnissen in Preußen. — Flugschriften über daS Ereigniß von Dama-Zk (Schluß.) — Literarisch-Kritische Briefe. — Abriß der Theologie der Pietisten in der Provinz Reußen, von Ra siel. — Nachrichten und Eorresponvenzen: London; Haag. — Kurze Anzeige. — Literarische Anzeigen. Bemerkungen zu den legislativen Verhältnissen in Preußen. Von einem Preußen. Wie sehr der gegenwärtige Augenblick sich eigne, manche Verhältnisse der Gesetzgebung, welche seit dem Frieden zu vielfältig beschäftigt war, um alles Einzelne völlig und genügend zu erledigen, nunmehr näher tn's Auge zu fassen und zu beleuchten, sieht jeder leicht ein, und die Preußische Regierung gestattet nicht bloß den Betheiligten gern ein offenes Wort, sie hat es sogar von jeher gewünscht, und wie im Innern der Intelligenz den unmittelbaren Vorsitz, so in Fällen, die der öffentlichen Meinung angehören, auch dieser einiges Anrecht gern zugestanden. Dies ermuthigt uns in unfern Angelegenheiten, mit derjenigen Rücksicht jedoch, welche überhaupt der Staarsautorität gebührt, unsre Hoffnungen und Wünsche durch die öffentlichen Organe kund zu geben, so lange direkte Schritte nicht geschehen können, um auf pemionärem Wege diejenigen Beschwerden vorzubringen, welche zunächst das Leben der Israeliten drücken und dem Staate zugleich eine Menge nützlicher Kräfte entziehen. Schon begleiten uns die Wünsche unsrer deutschen Mitbrüder in den anderweitigen Organen, welche die eben so freimüthigen als kräftigen Worte des vr. H o l d h e i m, Rabbinen in Frankfurt a. O., aus seiner am 23. Juni in der Synagoge gehaltenen Gedächtnißrede auf den hochseligen König gern mittheilten und in die weitesten Kreise verbreiteten. Wir können die Wünsche und Hoffnungen, in ihrer Allgemeinheit gefaßt, nicht besser ausdrücken, und setzen sie ebenfalls hieher, als angemessene Einleileitung zu dem, was wir noch einzeln anzumerken gesonnen sind: „Auch wir Israeliten!" ruft der Redner, „dürfen uns der freudigen Hoffnung hingeben, daß unser König im Geiste der Weisheit und Gerechtigkeit seines verstorbenen Vaters, uns als seine-treuen Unterthanen anerkennen und uns im Besitze der Rechte lassen wird, deren Zugeständnis aus jener denkwürdigen Epoche herrührt, in welcher der Staat in edler Verjüngung sich erkrästigte, und mit dem Großen und Rühmlichen zusammenhängt, was jene Zeit des edeln Aufschwunges geistiger Kraft kennzeichnet. Sein geschärfter Blick wird wohl erkennen, daß wir uns seitdem der königlichen Wohlthaten nicht unwürdig bezeigten, und seine menschenfreundliche Milde, die das Verdienst in jedem Unterthan ehrend anerkennt, wird die Grenzen jener Befugnisse allmählig erweitern, damit wir, durch freie Entfaltung unserer bestem Kräfte, uns einem größer» Gemeinwesen nützlich machen ünd dem Ziel eines veredelten Bürgerthums uns immer mehr annähem. Denn es strebt der wohlgesittete Mensch im gebildeten Zustande nach freier, ungehemmter Entwickelung seiner innern Kraft; es will die Begabung, wie sie Gott in des Menschen Brust gelegt, ftei und ungehindert dem Herzenszuge folgen in alle Kreise menschlichen ThunS und Strebens, m alle Bahnen freien Wirkens und Schaffens.