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Israelitische Annalen · 1840-07-10 · Heft 28 (10.7.1840) · p. Seite 244

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 28 (10.7.1840)
Date
1840-07-10
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
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244 den 36 israelitischen Familien zu Wangen sind nur wenige als reich, dagegen ungefähr, fcie Hälfte als mittellos zu bezeichnen, und können sie daher keinen eigenen Radbinen unterhalten. Dagegen besitzen sie eine eigene Elementarschule, aus welcher schon viele recht gut vorbereitete Jünglinge hervvrgegangcn sind, wovon sich*) einer der Jurisprudenz (zu Freidurg), 4 dem Lehrstande (wovon drei bereits angestellt, zwei dem höhern Kausmannsstande (zu Mannheim und Ankona), und zehen dem Handwerke gewidmet haben (3 Schuster, zwei Schneider, zwei Weber, 1 Färber, ein Grobschmied, 1 Seifensieder). Der derzeitige Lehrer, ein gedorner Wangener, steht auch in solcher Ächtung, daß ihm gegenwärtig auch an der vakanten christlichen Schule, bis zu deren Wiederdesetzung, der gesammte Unterricht, versteht sich mit Ausnahme des religiösen, anvertram ist, was aber nickt bloß ihm, sondern auch und neck vielmehr dem wohlwollenden Zutrauen des Sckulvorstanbes, an dessen Spitze der katholische Ortsgeistliche steht und der Toleranz beS betreffenden Bezirksschulvisitators zum größten Ruhme gereicht. Geschickte tsraelitiscke Lehrer sind sicherlich keine Seltenheit mehr, wohl aber solche vorurtheilsfteie und ausgezeichnete Anerkennung, die oft an größern auf den Ruhm der Bildung ansprechenden Orten am allerwenigsten gefunden wird. — Auch die vor ungefähr 15 Jahren dicht am Ufer des Bvdensees im einfachen Styl erbaute fteundliche Synagoge bietet dem demüthigen Gotlesverehrer ein schönes Bild von Ordnung, Ruhe und Andacht dar (wie man auch dieses in größern Gemeinden meistens vergeblich sucht) und man wird hier, ohne Gepränge, durch die feierliche Stille, welche den andächtigen Vortrag des Vorbeiers umgiedt, zur innigsten Andacht und heiligsten Erhebung zu Gott hingerissen. Alle diese herrlichen Resultate sind aber vorzüglich dem derzeitigen Vorsteher Samuel Wolf zu verdanken. Dieser treffliche Mann vereinigt in sich die innige israelitische Frömmigkeit der vergangenen Zeit mit der feinen Bildung unserer Generationen. Er hat an seinem Orte bas Gute so zu sagen erschaffen. Er ist durch Wort und That der Vater und Wohlthäter sei¬ *) Diese vier sind die Söhne des Handelsmanns Saiomvn Naphtali, dessen Leitung als vormaligem Vorsteher, der Neubau einer Synagoge und der Besitz eines eigenen Gottesackers zu verdanken ist. ner Gemeinde, die er nicht nur mit einer seltenen Fürsorge und Pünktlichkeit verwaltet, sondern auch mit mehr alS Pftichtmäßigkeit, mit Eifer und Liebe für edlere Gesinnung zu wecken und zu stärken sucht. Diese Bemühung weiß er auch vorzüglich durch sein eigenes schönes Beispiel zu unterstützen. so wie nicht weniger durch eine ausgewählte kleine Sammlung hebräischer und deutscher Schriften, die er seine Untergeordneten gerne benutzen laßt. Möge er noch lange die Zierde und der gerechte Stolz seiner Gemeinde bleiben und möge sein Beispiel recht viel Nachahmung finden. Leopold Schott, Rabbiner in Randegg. Frankfurt. — Am verwichenen Sabbakh ward der hiesigen israelitischen Gemeinde der hohe geistige Genuß, in der großen Synagoge eine von unserm vortrefflichen Landsmann H. vr. Geiger gehaltene deutsche Predigt;u hören. Form und Inhalt der Rede waren in gleichem Grade geeignet, das ungemein zahlreiche Auditorium auf's tiefste zu ergreifen und für die mit allem Nachdruck einer glänzenden Beredsamkeit zuströmenben Belehrungen empfänglich zu machen. Mit seltener homilelischer Gewandtheit knüpfte der gelehrte Redner an die Stelle I. Kön. 19. 11 — 12 ernste Betrachtungen über die religiösen Wirren, welche die neuere Zeit in Israel herbeigeführt, und zeigte, wie das Interesse unserer ehrwürdigen Religion, es erheische, daß der Meinungskampf nicht unterdrückt, sondern mit leidenschaftsloser Wahrheitsliebe fortgesetzt werde, bis die Wahrheit auf welcher Seile sie auch sei, aus dem sie umhüllenden Nebel leuchtend hervortrete, daß des Kampfes ungeachtet, die uns so nökhige Eintracht gar wohl bestehen könne, vorausgesetzt, daß jeder gerecht genug sei, seine Gegner zu ehren und Niemand sich herausnehme, die. welche anders als er denken, für Ketzer oder für Finsterlinge zu erklären. An diese so deherzigenswerthen Ermahnungen reihte er mit prophetischem Feuer idealische Hoffnungen für die Zukunft in Israel überhaupt und der hiesigen Gemeinde insbesondere. Die 'Begeisterung, welche jetzt in die Seelen aller Zuhörer drang, läßt sich nicht wohl mit Worten schildern; sie war so mächtig. baß sie unmöglich ihre Wirkung gänzlich verfehlen kann. Möge Herr vr. Geiger in seinem neuen Wirkungskreis als zweiter Rabbiner in Breslau Gelegenheit finden, mir seinen ausgezeichneten Fähigkeiten und mit seiner ausgebreiteten theologischen und thalmudischen Gelehrsamkeit so viel Gutes zu wirken, als er selbst wünscht. h. Anzeigen. Bei L. Fernbach jun. in Berlin ist so eben erschienen und bei I. D. Sauerländer in Frankfurt am Main so wie in allen andern Buchhandlungen zu haben: Ueber den Ursprung der wider die Juden erhobenen Beschuldigung, bei der Feier ihres Osterfestes sich des Blutes zu bedienen, nebst vollständiger Darstellung des jüdischen Rituals in Beziehung auf den Genuß des Blutes. Historisch kritischer Versuch, von vr. K. I. Corve. Preis 6 gr. 36 kr. Der Verfasser dieses Merkchens hat sich durch gründliche und vollständige Lösung eines religiösen und historischen Problems um die Sache der Aufklärung und Civilisativn ein nicht genug zu lobendes Verdienst erworben. Die Gewandtheit, womit er in den engen Raum weniger Bogen ein unermeßliches Material zu bemeistern gewußt hat, erregt wahrhafte Bewunderung, und es dürfte wohl wenige Flugschriften geben, worin eine so profunde Gelehrsamkeit mit so zierlicher Darstellung vereint wäre. Gelehrte vom Fache wie jeder Gebildete überhaupt, werden dem Herrn Verfasser Dank wissen, daß sie endlich über einen so bedenklichen vielfach besprochenen Gegenstand sich vollkommen »u fait gesetzt sehen. In unserm Verlage erschien so eben: Auswahl historischer Stücke aus hebräischen Schriftstellern vom zweite« Jahrhundert bis auf die Gegenwart. Mit vvkalisirtem Tepte, deutscher Uebersetzung und Anmerkungen. Für Theologen und Historiker, so wie zum Gebrauch in höheren Lehranstalten; gr. 8. geh. 19 Bogen. Velinpapier Rthlr. l'/4. Berlin, Juni 1840. Beit # Comp. Druck und Verlag von Johann David Sauerla'nder in Frankfurt am Main.

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