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Israelitische Annalen · 1840-07-03 · Heft 27 (3.7.1840) · p. Seite 236

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 27 (3.7.1840)
Date
1840-07-03
Page
Seite 236 (sequence 8)
Language
German
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236 so weniger paffend, solche Schilderungen den Unkundigen zum Gespötte preis zu geben. Eine Vengeance ist nun dieses Buch, aber eine höchst unedle Rache, die dem Vf., selbst wenn er den Gegner zerschmetterte, nicht zur Ehre gereicht! Wie soll die Religion an Würde gewinnen, wenn sie zu solchen niedern Mitteln herabsinkt, um sich zu wehren! — Gerade diese AN des Unmuths giebt zu erkennen, daß der Gegner allerdings eine wunde Stelle berührt hatte, die einen Schrei des Schmerzes Kervvrruft. Am Einfachsten würde der Df. der übrigens in der That sehr tadelnswerthen 6orrespondanoe Israelit« durch eine ihm vorgehaltene Schilderung des jetzigen Erziehungswesens, wenn dieses die Probe aushält, — widerlegt werben und steht dieses noch auf der Stufe des vorigen Jahrhunderts, nun dann giebt es nichts weiter zu thun, als einen bessern Zustand vorzubereiten. Leider sehen wir die Ovrrespondance immer weiter fortschreiten, und die Reformationswuth in einem Muthwillen ausarten, den wir dem würdigen Gelehrten am wenigsten zugettauet hätten. Am 30. April ist wieder ein Brief vom 18. deff. erschienen, welcher die religiösen Ceremonien des Passah-Abends analysirt und dem Spotte bloß stellt; wahrlich Eisenmenger und Wagenseil und Schudt konnten nicht mehr thun, um diese unschuldigen Legenden, deren Inhalt wirklich nicht mehr zu den Zeltumständen paßt, als Derrath gegen den Staat und gegen die Menschheit anzuklagen. Und selbst die geachtetsten Namen seiner Glaubensbrüder in Frankreich müssen sich daneben seinen Hohn gefallen lassen, den er an eine mißlungene Uebersetzung jener Legende anknüpft. Allerdings macht er daneben auf manche schwache Seite aufmerksam, und vielleicht giebt er der Sache dadurch mehr Gewicht, daß er als Israelit die Abstellung mancher Mißstände fordert, — aber wozu diese Dinge in den Bier- und Weinhäusern predigen? — Zudem geht er in diesen Reden viel zu weit, und mischt sich in einzelne innere Angelegenheiten der Synagoge, die durch die gesetzlichen Autoritäten auf regelmäßigem Wege entschieden worden sind, und klagt einen Rabbmen öffentlich des Fanatismus an, während die Behörden ausdrücklich erklärt haben, daß er nur seine Pflicht gethan. Ueber den Gegenstand giebt Hr. S. Eahen in den -Irclnves Israelites de France nähere Auskunft. Der Df. der Correspondance behauptet, daß die Gegner Unrecht hätten, zu verlangen, es solle über innere Angelegenheiten nicht so auf offener Straße gesprochen werden. Wir gestehen, daß uns seine Argumente nicht einleuchten. Dadurch entsteht keine besondere Nationalität, daß eine Gesellschaft ihre Institutionen nicht gerne dem großen Haufen, der Unwissenheit und der Mißdeutung ausstelll; es ist nur billig und verständig, daß geistliche Angelegenheiten von denen in Berathung genommen werden, welche sowohl das Gewicht der Fragen verstehen, als auch ihre Erledigung zu bewerkstelligen fähig sind. Zur Reformation der Svnagoge ist der Courrier de la Moselle gewiß nicht geeignet, und wenn er sich dazu hergiebt, seine Feuilletons mit diesen Stoffen zu füllen, so beweist dies große Armuth an Material ober große Liebe zum Skandal; letzterer ist aber eines sonst viel gelesenen Blattes, noch mehr jedoch eines sonst so sehr achtbaren Verfassers unwürdig. Würtemberg. — In folgenden Lehrgegenständen haben die isr. Lehrer und Vorsänger in Würtemberg, bei einer eigens hiezu bestimmten k. Prüfungs-Commission, ihre Anstellungs-Prüfung zu erstehen. A I s L e h r e r. 1) Religion. — 2) Uebersetzen aus dem Hebräischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins Hebräische. — 3) Katechese. — 4) Deutsche Sprachlehre. — 5) Aufsatz. — 6) Arithmetik. — 7) Orthographie. — 8) Calligraphie. — 9) Geschichte. — 10) Musik. — 11) Gesang. — 12) Pädagogik. — 13) Geographie. — 14) Naturgeschichte. — 15) Naturlehre. v. Als Vorsänger. 1) Ausarbeitung einer Predigt und Dortrag derselben. — 2) Katechese. — 3) Liturgie. Jch'behalte mir vor. Ihnen später auch über die Amts/ obliegen heilen dieser Lehrer und Vorsänger und über ihre äußere Verhältnisse zu berichten. Errcyclopädie der theologischen und literarischen Angelegenheiten. Das in No. 19. näher angedeutete Projekt hat bereits an verschiedenen Orten Anklang gefunden, und mehrere Gelehrte rüsten sich, um zur Gründung einer wohldurchdachten Encyclvpädie geeignete Materialien zu sammeln und zu bearbeiten. Einer unsrer achtbaren Correspondenten äußert sich zunächst dahin, daß zur Vermeidung von Collisionen, so wie auch zur zweckmäßigen Vertheilung der Arbeiten, zunächst eine Angabe der wichtigsten Rubriken erforderlich sein dürfte, aus welchen die respectiven Mitarbeiter sich die jedem am nächsten liegende zu wählen hätte, ohne baß dabei eine avzustrenge Sonderung nöthig wäre, so wie auch ohne anderweitige gründliche, in eine bereits in Beschlag genommene Rubrik einschlagende Arbeiten auszuschließen. Derselbe giebt beispielsweise, auf Ordnung und Erschöpfung der Sache vorläufig keine Ansprüche machend, folgende Fächer als besonders inhaltsreich an: 1) Liturgie, 2) Minhagim, 3) Satzungen, 4) Fest- und Fasttage (deren Feier? oder deren Chronologie?), 5) Literargeschichte, 6) biblische Ethnographie, 7) biblische Topographie, 8) Numismatik und Epigraphik (wir möchten hinzufügen, auch Genealogie); 9) heidnische Kulte, die auf Israel Einfluß übten, 10) Archäologie (ist zu umfassend), 11) Philosophie, 12) häusliche Sitten Israels in verschiedenen Zeiten und Ländern, 13) Poesie, in verschiedenen Zeiten und Ländern, 14) Uranographie und Chronologie, (Naturkunde überhaupt), 15) Rechtslehre. Don andern Seiten sind uns noch folgende Punkte als Rubriken bezeichnet: Prophetie — Messiasbegriffe — Sekten — Rabbinismus — Kadbalah — hebräische Sprache — Gebrauch fremder Sprachen — Musik — Verfolgungen — u. s. f. Wir haben hier diesen Bemerkungen Raum gegeben, um vorläufig darauf aufmerksam zu machen, daß das Gebiet einer solchen Encyclopädte nicht allein sich sehr ausdehnt, sondern eine größere Mannigfaltigkeit darbietet, als im ersten Augenblick die Geschichte einer im Ganzen dem Anscheine nach stationär gebliebenen und in sich gekehrten Religionsparthei zu enthalten scheint. Wir beabsichtigen hierbei vornämlich diejenigen unsrer Gelehrten, welche sich dazu fähig fühlen, zur Entwerfung eines recht vollständigen, den Gegenstand möglichst erschöpfenden Prospektus aufzufordern. Sollten mehrere uns mit einem solchen beehren, so würden wir dieselben, so fern der Raum es zuläßt, hier zur nähern Verständigung mittheilen, oder doch besprechen. Wir hegen das Vertrauen. daß die Gelehrten, welche den Umfang des gelammten israelitischen, theologischen und literarischen Gebietes zum Vorwurf ihrer Studien 'gemacht haben, der Abfassung einer detaillirten Uedersicht gern einige Stunden widmen werden. Selbst wenn die großartige Schöpfung daraus nicht hervorginge, welche der erste Antragsteller im Sinne hatte, würde doch daraus den Studirenden ein unberechenbarer Vvrtheil erwachsen, da es uns bisher noch an einer theoretischen Encyclopädie der jüdischtheologischen Wlssenschaften gänzlich mangelt. Wir bitten daher um Einsenduug derartiger Prospekte. Der Herausgeber dieser Blätter enthält sich vorläufig einer unmittelbaren Mitwirkung, um sich erst selbst durch die mannigfachen Fingerzeige, die ihm wohlwollend gegeben werden, zu orientiren, und wird nachmals nicht verfehlen, nach Maßgabe seiner schwachen Kräfte mit Hand anzulegen. Für jetzt begnügt er sich, über manches Fragliche, privatim zu correspondiren und das, was für die Oeffentlichkeit reif ist, hier zur weitern Berücksichtigung unfern Lesern zu er-- öffnen. Die Red. d. Isr. Annalen. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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