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Israelitische Annalen · 1840-06-05 · Heft 23 (5.6.1840) · p. Seite 204

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 23 (5.6.1840)
Date
1840-06-05
Page
Seite 204 (sequence 8)
Language
German
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204 Briefe über Volksschriften. 2. Rnsslsche Gränze, März 1840. -Gelehrte Werke sind allerdings Bedürfnis, und zwar für die fortschreitende Erkenntnis unentbehrlich, das weiß Jeder. Die altern Werke stehen theilweise nicht auf dem rechten Standpunkt, thcils sagt ihre Form nicht mehr zu, und theils werden ste selbst mißverstanden und bedürfen, um nicht verkannt zu werden, der Erläuterung. — Aber damit kommt das eigentliche Volk nicht weiters Wie sollen die Ungelehrten, die Frauenzimmer, und alle die nicht die hebräische Sprache verstehen, ihre Begriffe aufklären und berichtigen? Soven sie ganz in der Finsternis verschmachten? Wahrlich diejenigen, welche nicht selbst im Stande sind sich zu bewegen, haben weit größer» Anspruch an unfern Beistand, als die Glücklichen, die mit eigenen Augen sehen und die rechten Mittel finden. Ja wäre es nicht die Menschenliebe, die es geböte, so würde die Selbstliebe cs dringlich anrathen. Leider wird ja nach der Beschaffenheit der Mehrzahl über uns geurtheilt, denn die Mehrzahl ist ja diejenige, welche nicht bloß am häufigsten unter die Augen tritt, sondern auch die, welche am wenigsten sich selbst achtet, immer nur dem blinden Triebe folgt, sich überall andrängt, wo sie Geschäftigkeit findet, und auf solche Weise alle Ruhigern, Bescheidnem, Verständigern, in Vergessenheit bringt, so daß die Fehler und Gebrechen der Menge gleichsam dem Ganzen inhärirend erscheinen, während es nicht so sich verhalt, indem die ächten Vertreter der Gesammtheit die reinste Sittlichkeit zu repräsentiren streben, durchweg die höchste Achtung verdienen, und sogar von der richtig fühlenden Menge nur darum zu Vertretern gewählt werden! — Aber das kümmert die Beunheiler nicht, weil sie beständig Beispiele vor sich haben, um ihre ungünstigen Aeußerungen zu belegen! — Aus doppeltem Grunde haben wir also uns des niedern Volkes anzunehmen, und insbesondere für frühzeitige, und daher unvertilgbare Jugendeinbrücke Sorge zu tragen. Jugendschriften sind dringendes Bedürfniß. Ich preise die cbeln Schriftsteller unter den Christen, welche gern auf den Ruhm der tiefen Forschung verzichtet haben, um dieses herrliche Feld anzubauen, und der Welt praktisch nützlich zu werden. In unfern Gegenden wäre es sehr verdienstlich, den jüdischen Bewohnern, die meist bas Deutsche mit hebräischen Lettern lesen, in dieser Form Jugend- und Volksbücher zu übergeben; damit gemeinnützige Kenntniß verbreitet und der vielfältige Unsinn, der die Geister umstrickt, in seiner Blöße erkannt werde. Namentlich ist es nöthig, dem Volke die Scheinheiligkeit aufzudecken, welche sich in so viele mystische Gewänder hüllt, und die Lüge, die unter allerlei Gestalten die Einfalt berückt, zu zermalmen. Und solche Schriften müssen verschiedene Formen darbieten, bald Lieder und Gedichte, bald ernste und scherzhafte Schilderung, bald erschütternde und rührende Gemälde und Darstellungen. Viele anziehende Erzählungen können aus deutschen Vorbildern genommen werden, besonders sind Reisebeschreibungen sehr nützlich. Solche Bücher, welche die Seelenkräfte entwickeln und ausbilden, wären dann zugleich ein Gegengift gegen die vielen abergläubischen und unsittlichen Ausgeburten der diesseitigen Phantasten, wo nichts zu finden als Albernheit, Geistererscheinungen, Gespenstergeschichten, und Wunberthätereien, womit das arme Volk bethört wird! — Sehr verdienstlich ist bahxr der in dieser Beziehung schon gemachte Anfang, und wir zweifeln nicht, daß tüchtige Männer fortfahren werden, dem Volke eine bessere Literatur zu geben. (Schluß folgt.) A n z e In der And r eä ischen Buchhandlung in Frankfurta.M. ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: I. Iohlson: Biblisch - hebräisches Wörterbuch. Mit Angabe der entsprechenden Synonyme. Nebst Anhang: Erklärung der in rabbinischen Schriften üblichen Abbreviaturen. Rthlr. 1. 12 ggr. sächs. fl. 2. 42 kr. rhein. So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Geschichte der Juden in Sachsen, mit besonderer Rücksicht auf ihre Rechtsverhältnisse. Zum Theil nach archivalischen Quellen bearbeitet von K. Sidori. Mit einer Vorrede vom Professor Fr. Bülau. 8. geh. 21 gr. Holdheirn, Dr. S., Rabbiner in Frankfurt a. O. Der religiöse Fortschritt im deutschen Judcnthum. 8. geh. 4 gr. Velinpapier5gr. -n:n Worte Gottes, oder gottesdienstliche Vorträge, gehalten in der i g e n. Synagoge zu Frankfurt a. O. Heft 1 u. 3. 8. geh. Velinp. Rthlr. 1. 8 gr. Das dritte Heft, dieser mit so vielem Beifall aufgenommcnen Vorträge, befindet sich unter der Presse und erscheint binnen Kurzem. Leipzig, im April 1840. C. L. Fritzsche. Do eben ist erschienen und in allen deutschen Buchhandlungen durch G. P. Aderholz in Breslau, und den Verfasser in Myslowitz Oberschlesien zu haben: □maw rrun Hagadah oder Vortrag für die ersten beiden Peßach-Abende. Hebräischer Text, neu übersetzt (in deutschen Lettern) mit Erklärungen des Ceremoniels und Anmerkungen versehen. (Ein Festgeschenk für Israels Söhne und Töchter) von I. Jacobson. In elegantem Umschläge broch. 10 ggr. rroN y® Pirke Aboth oder rabbinische Gnomologie, hebräischer Text mit neuer Uebersetzung (in deutschen Lettern) mit einem deutschen Kommentar und einer biographischen Skizze des Verfassers der Mischna, zum Schul- und Privatgebrauche bearbeitet von I. Jacobson; elegant broch. 14 ggr. Druck und Verlag von Johann D-avid Sanerländer in Frankfurt am Main.

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