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Israelitische Annalen · 1840-05-29 · Heft 22 (29.5.1840) · p. Seite 192

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 22 (29.5.1840)
Date
1840-05-29
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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192 Auf diese Art könnt ihr diesem eingewurzelten Uebel -es Wuchers einen Damm setzen, indem ihr dasselbe an der Wurzel angreift und die Quelle der Wuchermakelei verstopft, welche unsere höchste Mißbilligung und Verachtung verdient. Um riesen Zweck zu erreichen, wird das Consistorium eine Versammlung berufen, welche aus den Mitgliedern der provisorischen Commission und aus den Abgeordneten der israelitischen Gemeinden des Oberrheins bestehen soll, um das Budget jeder Gemeinde zu bestimmen. Zu dem Ende haben Sie eine Ortscommission zu ernennen, bestehend aus fünf Mitgliedern, welche nach Vorschrift der Generalversammlung der Abgeordneten und der Mitglieder unserer Commission die Repartition und den Ansatz zu machen haben wird. Sie werden demnach aus Ihrer Commission einen Abgeordneten ernennen, welcher der Versammlung beizuwohnen har, die später vom Consiftorium anberaumt werden wird. Die eingesammelten Gelder werden in die Hände der Commission abgeliefert, welche von der Gcneralcommission der Unterzeichner, sobald' das Ergebniß der Subscription bekannt ist, ernannt werden wird. Ihre Lokalcommission hat sich mit der Centralcommission zu Colmar in Beziehung zu setzen, deren Amt sie in Ihrer Gemeinde ausüben und welche in dem Kreise ihrer Obliegenheiten sie leiten wird. Sobald der Gang der Verwaltung einmal gehörig eingerichtet ist, hoffen wir, daß die Unterzeichnungen und die freiwilligen Gaben bald die Summe, deren wir zur Ausführung unsers Vorhabens benöthigt sind, erreichen werden. Wenn ohngeachret unserer gerechten Erwartung Ihre Gemeinde eine von denjenigen wäre, welche, statt uns zu unterstützen, uns Hindernisse in den Weg zu legen suchte, oder sich auch nur gleichgültig zeigte für ein so edles Unternehmen, so sind wir ermächtigt zu erklären, daß jede Widersetzlichkeit vergeblich sein würde, daß das Consiftorium alle Mittel amvenden und von Seiten der Regierung, welche, wie Sie wissen, uns beobachtet, die zweckdienlichsten Maßregel erlangen würde, um jeden zu zwingen, nach Verhaltniß seines Vermögens und seiner Lage an diesem menschenfreundlichen Werke Antheil zu nehmen. In der Ueberzeugung, daß unsere Aufforderung an Menschen gerichtet ist, welche alle unsere Ansichten theilen, haben wir Ursache zu hoffen, daß unser Unternehmen bald ausgeführt und mit dem besten Erfolg gekrönt sein wird. In dieser Hoffnung haben wir die Ehre zu sein mit aller Hochachtung Eure ergebenen Religionsgenossen gez. L. Werth, Präsident. M. Levy, V.Präsident. S. Manheimer, Secr. L. See. I. See. Gerson See. Constant Piquard. S. H. Mannheimer. Isidor Widal. I. Picard. I. Lang. Ungarische Emanzipationsfrage. Am 10. Mai ward dem ungarischen Landtage die königliche Resolution betreffend die beantragte in vielen Stücken modificirte Emanzipation der Israeliten eröffnet. Sie gestattet nunmehr derselben im ganzen Königreiche Ungarn—nur die königlichen Bergstädte ausgenommen — sich anzusiedeln, alle Gewerbe nach gehöriger Erlernung und nach Ausweis der erforderlichen Mittel, zu betreiben und in die Innungen einzutreten, überall Grundstücke zu pachten. Wegen Ankaufs von Häusern und Gütern soll erst nach Einholung der Gutachten der ungarischen Landesstellen eine bestimmte Entscheidung erfolgen. Somit treten denn die ungarischen Israeliten, wenn gleich unter manchen Beschränkungen, doch in den Bürgerverband ein, und ihre bisherige höchst prekäre Stellung ist beendet. Wir zweifeln nicht, daß die Betheiligten nicht bloß mit Dank das Erlangte anerkennen, sondern in diesem bedeutenden Schritt zum Bessern ein Unterpfand der humanen Gesinnung sehen werden, welche die Spuren ehemaliger Bedrückungen zu vertilgen, und zu mehreren Concessionen die Wege zu bahnen, beabsichtigt, deren die wackern Israeliten in Ungarn, bei ihrer muntern Strebsamkeit und ihrem, aller noch bestehenden Hindernisse ungeachtet, unermüdlichen Eifer sich würdig zu machen nicht verfehlen werden. Schon haben sie in den letzten Jahren der bessern Erziehung der Jugend ihre ernste Fürsorge zugewendet, und wir dürfen nach diesen erfreulichen Vorgängen neue und kräftige Anstalten erwarten!

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