Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 22 (29.5.1840)
- Date
- 1840-05-29
- Page
- Seite 189 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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*9. Mai. N? 22. 1840, Israelitische Annalen. E i n Centralblatt Geschichte, Liteentur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herauögegeben von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen ll/a Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Oeffentlicke Schritte zu innern Verbesserungen im Ober - Elsaß. — Ungarische Emanzipationsfrage. — Nachträge betreffend den Vorfall zu Damask. — Nachrichten und Corresponrenzen: Italien; Schreiben aus Böhmen (Schluß); Worms; Dresden; Fürstenthum Birkenfeld: Großherz. Verordnung. — * Briefe über Volksschriften. — Beantwortung. Bürgerliche Angelegenheiten. Oeffentliche Schritte zu innern Verbesserungen im Ober-Elsaß. (Eingesandt.) Der geschichtliche Moment, in welchem wir Israeliten uns befinden, ist ein bedeutungsvoller. Mit schlaffem Dahinschleichen ist es nicht mehr abgethan. Wer nur ein Fünkchen Leben in sich empfindet, nimmt auch an den Fragen Theil, welche die Zeit auswirft, und auf deren Lösung sie dringt. Gleichgültig erscheint nichts mehr, jede kleine Regung des Bewußtseins wird ein Beitrag zur Entwickelung. Der Denkende mustert sie alle und sucht an ihnen zu erkennen, auf welcher Tageshöhe wir sind. Das Mörteln und Streiten über allgemeine Ansichten und Lehren aus alten Zeit gilt wenig mehr; sie stehen fest; aber das Leben fordert seine Rechte, und auf dessen Erscheinungen ist unser Auge gerichtet.; Auf alle Theile der geschichtlichen Fortbildung wirkt jede Gegenwart stark ein, und vergeblich wäre es, an dem Boden des Alterthums haftend, die Wirkungen der Zeit zu verleugnen. Wer nicht vorwärts sehen kann, der kann auch rückwärts nicht schauen, und der Genuß von beidem ist ihm entzogen. Diese Wahrheit ist vielen noch nicht klar geworben, welche meinen, mit allgemeinen Grundsätzen ausgerüstet, fertig dazustehen. Wir werden nicht fertig, und das ist heilsam, es giebt der Thätigkeit ihre Spannkraft, — so in der Wissenschaft wie im äußern Leben. Das ist der Grund, warum wir die Oeffentlichkeit lieben, welche die Thatsachen an's Licht zieht, sie den Stumpfsinnigen vorführt, und ihnen Gelegenheit giebt, zu sehen und zu prüfen, sich zu freuen oder auch Schmerz zu empfinden, denn auch der Schmerz ist wohlthuend; er giebt an, wo das Uebel sitzt. — Wir mögen jetzt des Leidens vielleicht mehr anzuzeigen haben, als der freudigen Wirkungen, doch ist auch das schon tröstlich, daß es Theilnahme findet, und die Zukunft fteundlich herüberwinkt. Jeder Blick auf die gegenwärtigen Zustände weist uns an, was unsers Berufs ist, und so möge nun, wer Kraft hat, ihm nach seiner Stellung und Fähigkeit genügen; nur angefangen, und das Werk geht von selbst! Bereits zeigt sich die Frucht überall, wo von innen heraus die Entfaltung gediehen ist, begünstigt durch die milden Strahlen des aufgegangenen Lichtes. Denn was der Geist erkannt hat. das will er auch schaffen und hinstellen. Eine einzige werkthätige Verbesserung ist mehr werth, als ganze Bände voll Betrachtungen und Streit gegen verhallendes Geschrei. Wird mit Unrecht angeklagt, so richtet sich's von selbst; wo mit Recht, ist Abhülfe nöthig. Was von außen geschehen muß, wird kommen, die Zeit wird's fördern und bringen; — was im Innern geschehen muß. ist unser, und dahin lenken wir unfern Sinn. Was geschehen ist, trete hervor, damit man das Tbun würdigen; auch dies fordert der Moment; jeder soll nicht bloß sich genügen, sondern mit der Außenwelt in Uebereinstimmung treten. Fürchten wir nicht Mißbrauch, wenn Einräumungen gemacht werden. Die Wahrheit bleibt, auch wenn man bas Auge zudrückt. Ein offenes Auge erkennt und bessert, und das verdient Lob und Achtung. Dies bekennen wir gern den Zagenden gegenüber, die nur übertünchen, nicht umbauen mochten. — Zu diesen Bemerkungen leitet uns ein kräftiger Schritt des israelit. Consistoriums im Ober-Elsaß, wodurch im vorigen Jahre eine Wunde aufgerissen worden, die eines scharf-ätzenden Mittels bedarf, um zu vernarben. So ist's recht! Die Wabrbeit