Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 20 (15.5.1840)
- Date
- 1840-05-15
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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170 auszudrücken. Auf dieser Medaille stehen die drei Tage, welche in der Geschichte unsrer Emanzipation merkwürdig bleiben. Hier ist diese Medaille; nehmen Sie dieselbe freundlich auf, und erlauben Sie uns unsre Freude auszudrücken, daß wir hiermit die Gesinnungen der israelitischen Bevölkerung an den Tag legen. Ich bedauere nur, daß der Auftrag, Ihnen unsre Empfindungen darzuthun, nicht einem gewandttrn Redner anvertraut worden; doch würde wenigstens keiner dessen Werth besser erkannt haben. — Antwort des Herrn Cremieux. M. H. Wenn es wahr ist, daß die auf der mir überreichten Medaille bemerkten Tage in der Geschichte der Juden-Emanzipation merkwürdig sind, so wird der 26. Febr. mir fernerhin ein glorreicher und theurer Tag bleiben. Am 10. Januar, am 1. Juni 1827, und am 31. Decbr. 1839 habe ich von der französischen Obrigkeit, welche alle unsre Freiheiten beschützt, feierliche Entscheidungen erlangt, die in ganz Frankreich, und wir können sagen in der ganzen Welt Anklang fanden; denn die israelitische Nation ist überall verstreut und überall gegenwärtig. Am 26. Febr. empfange ich die angenehmste uud ehrenvollste Belohnung für meine Bemühung, in diesen Beweisen Ihrer Achtung, welchen Sie den Ausdruck des Dankes zu nennen belieben. Das Pariser Consiftorium wird mich entschuldigen, wenn dre Rührung, die ich empfinde, das Wort zurückhält. Ich kann Ihnen nur sagen, m. H., daß in allen Verhältnissen meines Lebens ich dieselbe ernste Theilnahme für die heilige Sache der Emanzipation der Juden zeigen werde, welcher ich stets so warm ergeben bin. Die großen Fortschritte, welche die französischen Juden auf der Bahn der Ehre und der Freiheit gethan haben, sind der unzweideutigste Beweis, daß sie würdig waren, alle ihre Rechte wieder zu erlangen. Von Männern, wie Sie, m. H., geleitet, werden sie bald alle anderen Hindernisse verschwinden sehen. Ihr Patriotismus, ihre Ergebenheit für das geliebte Frankreich, welches sie unter die Zahl seiner Kinder aufgeuommen hat, und für die Regierung, welche ihren Cultus in den Rang der christlichen Culte gestellt hat, werde« auch den Fürsten anderer Länder, den großen Gedanke«, mir welchem Frankreich vorangegangen ist, anempfehlen. Der Tag wird kommen, an welchem Gleichheit der Culte mit gleichen Rechten und Pflichten alle Kinder des einzigen Gottes, alle Mitglieder einer Familie vereinigen wird. Herr Präsident, ich danke Ihnen insbesondere für das, was Sie mir in Ihrem eignen Namen gesagt haben. Sie wissen wohl, wie ich Ihre Achtung werth halte, und zweifeln gewiß nicht, daß ein so herrlicher Beweis derselben mich innigft erfreut. M. H.! Ich werde diesen Schritt des Pariser Consiftoriums stets im Andenken behalten. Drücken sie demselben meinen vollen Dank, meinen innigsten Wunsch aus, des Wohlwollens, das es mir heute iu so hohem Grade dargethan hat, würdig zu sein. Auch das Israelitische Consiftorium zu Marseille hat, unterm 13. Febr., dem Herrn Cremieux in einem ehrenden Schreiben, seine Anerkennung ausgedrückt. _ Der Darmstädter Ahasveros. Unter dem unsterblichen Namen Ahasveros, ressen Bedeutung freilich schon etwas vergriffen und kaum mehr zu erkennen ist, wandert jetzt ein neues Geisteskindlein, zu Darmftadr geboren, in die Welt hinaus, um den Staaten Gesetze zu diktiren. Wir haben diesen neuen Sproß unsrer Zeit, oder besser unsrer Zeitungswelt näher in's Auge gefaßt, um ihn an seinen Früchten zu erkennen, wiewohl er sogleich auf dem Aushängeschild ausdrücklich sagt, daß er dem Auerbach'schen Religionsbuche einen großen Theil seiner Pflege und seines Wachsthumes verdankt, und folglich wenig verspricht. Die Annalen konnten in der That dieses unbedeutenden Produktes, das nicht weit in die Welt kommen wird, unerwähnt lassen, wenn es nicht Pflicht wäre, jede Art des Unkrautes auszujäten. — Der Verfasser dieses Kindleins, ein sonst in der Literatur unsers Wissens nicht vorher bekannter Herr Bender in Darmftadt, wagt sich an eins der schwierigsten Probleme der neuern deutschen Gesetzgebung, mit welchem die erfahrensten Staatsmänner nicht recht zu Stande kommen können, und meint solches mit einigen Federstrichen zu lösen; er will beweisen daß, und zugleich angeben wie die wahre Gleichstellung der Juden nur erst nach deren vollendeten Reformation erfolgen könne. Er bttheuerr uns seinen guten Willen, und wir