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Israelitische Annalen · 1840-04-03 · Heft 14 (3.4.1840) · p. Seite 128

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 14 (3.4.1840)
Date
1840-04-03
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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Herzigkeit gegen die Armuth aus, wie eS sich von den würdigen Nachkommen und Schülern des hochsel. Menschenfreundes. R. Samuel Löw (ltelin) erwarten läßt. 4) Holeschau. Diese Gemeinde zählt die meisten Thalmudisten und hebräischen Prosaisten in Mähren. Unter diesen verdien! besonders Herr Enoch Honig rühmlicher Erwähnung, dessen Arbeit in Gediegenheit, Fluß und Kunst ganz denen des unvergleichlichen Eiwendaum in Odessa gleichzustellen sind. Es ist hier ein vortrefflich und reich eingerichtetes icmon IT’D dessen Oberrabbi (jetzt auch im Vorschläge als Lokalrabbiner) Herr Salomon Haas, nicht nur Thalmudist, sondern überhaupt ein tüchtiger Kenner der Altlneratur ist. Hier ist auch der Begrabnißort des berühmten -jj#, des klarsten, verläßlichsten und geachtetsteu Commentators des Schulchan Aracli. 5) Trebilsch. Auch diese Gemeinde besitzt bereits, wie Nicolsburg und Proßnitz. eine Gemeinde-Lehranstalt, die aber noch zu jung ist, um über deren Leistungen einen Ausspruch genügender Art zu fällen. Was die gottesdienstlichen Vorträge betrifft, so hat diese Gemeinde schon vor vielen Jahren das Muster einer schönen Rede (freilich nach alter Art) in dem Vera8ell0tll des sel. R. Joachim Deutschmann erhalten. Sein vielseitig gelehrter Schüler und Nachfolger, Hr. Joachim Pollak (aus Treditsch) setzt dieselben in etwas veralteter Form fort, und nimmt sich der Schule, so viel dieß seine schwache Gesundheit gestattet, mit väterlicher Vorsorge an. Hier könnte indeß mehr geschehen. 6) Leipnik. Besteht aus zwei von einander weit entfernten Theilen und bildet die gewandtesten Kämpfer auf dem Felde der rabbinisch - polemischen Wissenschaft. Die Schule des frühem Rabbiners, R. Baroch Frankel (aus der berühmten Famile □’>blNTi) seligen Andenkens, gab dem Thalmud-Studium Mährens, Böhmens und zum Theil auch Ungarns eine geistentwickelnde und seldstthätige Richtung, nach den Vorbildern des R. Jonathan Eibschitzer, und arbeitete so unbewußt der frühem Scholastik entgegen und dem Zeitgeiste in die Hand. Sein Nachfolger ist R. David Kwecz (aus Nicolsburg), ein frommer und sehr gelehrter Rabbi, aber der Zeitrichtung fast ganz fremd und dabei noch jener Prudenz entbehrend, die ihn der Gemeinde anderweitig nützlich machen könnte. Indeß giebt es auch hier schon ein kleines Kränzchen gebildeter und dabei eines wohltätigen Wirkens sich,-befleißender junger Männer, an deren Spitze der wackere Herr Jsak Tauber zu stellen ist. (Schluß folgt.) Literarisch-Kritische Briefe. Gallizien. (Fortsetzung.) — Ueberhaupt läßt sich aus solchen Nachahmungen nichts schließen. Wessely war darum kein Anhänger des italienischen Geschmacks, weil er einmal einem italienischen Sänger, der ihm ein Gedicht sandte, eine gleichartige Erwiderung dichtete, und S. D. Luzzato ist eben so wenig ein Beförderer des arabischen Geschmacks, weil er bisweilen im arabischem Style dichtet; jeder befolgt im Augenblick der Begeisterung dle ihm gerade angemessen scheinende Weise; Ben sew schrieb sogar sein n'S'bü im mittelalterlichen liturgischen Style! — Isaak" Salanow schreibt übrigens in allen andern Werken ziemlich gleich allen seinen andern Zeitgenossen, M. CH. Luzzato hatte ebenfalls, die Psalmen abgerechnet, den Styl seiner Zeit; ja letzterer verdient noch darin den Vorzug, daß er in den Psalmen ganz auf hebräischem Boden steht, und der ächte alte Svrachgeist darin waltet, während I. S. oft nur fremde Pflanzen aufnahm, aus Latein und Deutsch übersetzte, und bei ihm oft ein ganz fremder Geist im hebräischen Mantel einherschreitet. Was soll man nun erst sagen zu seinem Urtheile S. 119? „Ein Jsraelitisch-Slavischer Dichter ist auch S. I. Rapaport. Sein riTTi*1 rvnNE'/ ein Purim-Drama, in vier Akten, ist eins der meisterhaftesten Werke der neuen hebräisch-reli¬ Druck und Verlag von Johann David giöspatriotischen Kunst (?); es ist nicht nur national rc., eS ist die glücklichste Verschmelzung des biblischen, mittelalterlichen und griechischen Elementes zu einem nationalen Ganzen. Das Modell zum Bau des Ganzen ist der neuklassischen deutschen Tragödie entlehnt; selbst die Senarien undDilogien und die Anordnung der Chöre; aber die Gedanken sind originell und die Sprache meisterhaft." Fast jedes Wort ist hier ein Jrrthum. R.'s wahrhafte Meisterschaft und Größe im Felde der Kritik hat den Derf. offenbar verleitet, ihm auch den Dichterkranz aufzusetzen, während seine Dichtungen durchaus nicht diese Höhe behaupten, die ihnen hier zugeschrieben wird; wogegen andere mit angeborenem Dichterlalent sich auf die bewundernswürdigste Weise emporschwangen. Es ist unbegreiflich, wie Dekitsch in R.'s Styl den alten hebräischen Sprachgeist zu vernehmen meint^da vielmehr alle seine Schriften hinlänglich zeigen, daß e^im Allgemeinen mit den übrigen Schriftstellern um serer Zeit Schritt hält, wo man überall Germanismen und -Gallizismen genug antrifft. Was obiges Gedicht anbelangt, welches D. für eine eigene Schöpfung Rap.'s hält, so muß man sich nur wundern, daß er in dem Werke nicht die fast wörtliche Uebersetzung aus Racine erkannt hat. Offenbar bat D. auch nicht die Vorrede gelesen, denn S. 13 sagt der Uebersetzer es ja mit klaren Worten, daß er alles aus Racine genommen habe! Wie kann also D. dies Werk für ein Originalwerk nach deutschem Muster ausgeben? — Wir glauben auch dadurch nicht im Geringsten R.'s Ruhm zu schmälern, wenn wir an dem Ausdruck manches Mangelhafte wahrnehmen, so wenig wie es dem N. Krochmal zum Tadel gereicht, wenn sein Ausdruck hart ist und dem eines Aden Tibbon gleicht; denn wir werden von beiden hinlänglich entschädigt durch Tiefe der Gedanken und lichtvolle Forschungen. — Es eignet sich zur Prosa übrigens wohl der Gebrauch der spätern hebr. Sprache neben der biblischen, in so weit letztere nicht alles ausbrücken kann, was durch die thalmubischen Wörter und Wendungen leichter zu ergänzen ist. Jedenfalls ist dies ein achter und einheimischer Quell, wabrer und angemessener als der fremde Sprachgeist, dem so Viele den einheimischen opfern. — In der Prosa haben die neuern Italiener, namentlich Reggio und Luzzato Ausgezeichnetes geleistet, ihr Styl ist fließend, klar und rein, auch eindringlich, während ihre Poesie öfters dem italienischen Geschmack huldigt. De la Torre schreibt sedr elegante^und kunstreiche Prosa; Girondi mehr nach der Weise der Rabbinen, ohne strenge Correctheit; Almanzi mehr nach Art der neuern Deutschen und Polen, doch auch da nicht als Meister. Um wieder auf Delitzsch zurückzukommen, so irrt er in seiner ganzen Schilderung der Bildungsstufe unserer Brüder in Rußland, und zwar weil er nicht die Werke gelesen, über welche er urtheilt. Wir wollen nur noch einen Augenblick bei ihm verweilen, und bann unfern eigenen Weg gehen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Neuigkeiten. 2tes Heft, Ofen 1839. Kritischer Streifzug in Briefen, von den Herausgebern des ersten Heftes, wider Rapaport und S. D. Luzzato. Wider Ersteren etwas gemäßigt, wider Letztern in Furioso, wie ehedem gegen Reggio. Hierüber hat die Kritik sehr vieles oder gar nichts zu sagen. Die Herausgeber sind, dem Vernehmen nach, noch sehr junge Menschen, und sie werden bei reiferem Alter es selbst einsehen, daß dieser Ton nicht jener der wissenschaftlichen Kritik entsprechende sei. — □WIE' poy eine Broschüre wider Rapaport, von M. Rosenthal. Ofen 1849. So klein diese Schrift ist, so reich an Leere ist sie. Und nur mit Widerwillen seinen Zeitverlust bedauernd, legt der Leser sie zur Seite. Was doch zur Zeit für Leute zu Stimmführern in der hebräischen Literatur sich aufwerfen! M — n. Sauer lg uder in Frankfurt am Main.

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