Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 14 (3.4.1840)
- Date
- 1840-04-03
- Page
- Seite 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1840, 3. April. Nro 14. Israelitische Annalen. E in Centralblatt für Geschichte, Literatirr «n- Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Hrransgegeben von 0r. I. M. Iofi. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen V/2 Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. ff. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. L>Uck auf den Thalmud, von I. Reggio (Fortsetzung.) — Die EmanziparionSfrage in Ungarn. — Repliken betreffend die Cremieur'sche Rede. — Jahrzahlen, von Ur. L. Zunz (Schluß.) — Nachrichten und Korrespondenzen-. Frankreich; Karlsruhe; Heidelberg; Niederrhein; Berichte aus Mähren (Fortsetzung). — Literarisch-Kritische Briefe (Fortsetzung). — Literarische Neuigkeiten. Blick auf den Thalmud. Von I. Reggio. (Fortsetzung.) Diese Betrachtungen dürfen aber nicht etwa zu dem Gedanken Anlaß geben, man habe dadurch über den ganzen Thalmud den Stab brechen wollen, da sie hingegen nur dem forschenden Geiste zur Anregung dienen sollen, auf welche Punkte er bei dieser Untersuchung hauptsächlich seine Aufmerksamkeit zu lenken habe. Besonders aber möge der Verdacht fern bleiben, als wolle man dadurch dem Thalmud jede traditionelle Grundlage durchaus absprechen. Zwar bleibt einmal der Grundsatz fest, daß überall, wo eine Verschiedenheit der Meinungen sich kund gibt, an keine Ueberlieferung mehr gedacht werden könne, da Tradition und Streitigkeit zwei Begriffe sind, die sich einander aufheben, und wechselseitig negiren. Auch da, wo von Gegenständen, Gebräuchen und sonstigen Modificationen die Rede ist, die sammtlich erst in einer nachmosaischen Zeit entstanden sind, wird wohl Niemanden einfallen, etwas Ueberliefertes antreffen zu wollen. Gleichwohl erübriget man, selbst nach Abzug dieser zwei Gattungen, noch eine gewisse Anzahl*) Sätze, denen man einen traditio¬ *) In der ganzen Mischnah zählt man nur sechs Perakön, in denen keine Streitigkeit vorkommt. nellen Ursprung zuschreiben kann, und die sodann den Kern des sogenannten mündlichen Gesetzes ausmachen werden. Allein auch hier die Goldkörner von den damit vermengten Sandkörnern abzusondern ist ein sehr schwieriges Geschäft. Abgesehen davon, daß ihr Wesen nicht die erforderlichen Merkmale darbietet, wodurch ihre göttliche Abstammung über jeden Zweifel und Bedenklichkeit sich nachweifen ließe, haben auch die Thalmudiften selbst bei'm Vortragen derselben es immer an der gehörigen Belehrung und Andeutung ihres höheren Ursprungs fehlen lassen. Wenigstens hat der Sammler beide Arten so untereinander gemischt, daß sie nicht leicht zu unterscheiden sind. Zudem kommt auch im Thalmud nicht selten der Fall vor, daß Jemand einen gewissen Satz als einen von seinem Lehrer vernommenen, der ihn wiederum von früheren Lehrern bis von Sinai her ererbt hatte, angiebt, und doch läuft am Ende die Entscheidung dieser als traditionell vorgebrachten Meinung zuwider. Unerweislich bleibt daher die eben so allgemein verbreittte als oft wiederholte Ansicht, vermöge welcher die Aufbewahrung und Kundmachung aller überlieferten Lehren einziger Zweck der Thalmudiften gewesen wäre. Aber nicht minder unbegründet ergiebt sich auch die andere Ansicht, daß jene mündlichen Diskussionen den unbedingten Gehorsam aller künftigen Geschlechter in Anspruch genommen hätten. Eine solche Autorität konnte, nach den