Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 2 (10.1.1840)
- Date
- 1840-01-10
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133820-3133823--0504-3134651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 20 — in der Fassung LeS Gesetzes nicht deutlicher ausgedrückt worden, dadurch seine Erklärung erhält, daß die Rechte nichtchristlicher Glaubensgenossen in dem Gesetzesentwurfe über das Gemelydebürger- und Besitzrecht außer Betrachtung gelassen und die näheren dießtallsigen Bestimmungen in Beziehung auf die Israeliten dem besonbern Gesetze über die öffentlichen Verhältnisse der letztern Vorbehalten worden sind. Vergleiche Motive zum Entwurf des Bürgerrechtsgesetzes in den Verhandlungen der K. S. A. von 18*%, III., außerordentliches Beilagenheft, S. 49. Verhandlungen der K. S. A. von 1828, Heft ii., S. 28«, 280. Die königlichen Oberämter werden nun beauftragt sich in vorkommenden Fällen hiernach Zu achten. Literatur. Salomo« Pleßncr's 1) C o n fi r m a t i o n s r e d e n für die israelitische Jugend. Im Verlage von G. Eichler in Berlin. 1839. 192 S. in 8. 2) Trauungsreden für Israeliten. Bei demselben. 180 S. in 8. (Schluß.) 2) Nach einem recht hübschen hebräischen Gedichte folgt ein Vorwort, worin der Verfasser sich wegen der Herausgabe solcher Reden entschuldigt. Die Art, wie das hohe Alter der Trauungsreden hier nachgewiesen wird, scheint dem Recensent sehr ungeeignet. Man lese D. VL Es ist in der neuern Zeit Sitte geworden, Ideen der altern Zeit, die nach ihrer Sprache und Denkart einen ganz andern Sinn geben, als wenn man sie deutsch ausbrückt, so in ihrer schaalen Abgeschmacktheit hinzusetzen, und Lesern, welche die Urquelle nicht kennen, zum Besten zu geben! Was kann damit bezweckt werden, als den guten Geschmack bloß zu stellen? Don diesem kleinen Tadel abgesehen, finden wir alles Uedrige in dem Vorworte sehr beachtenswerth. Die Reden selbst halten sich im edlern populären Style und scheinen mehr oder minder auch das Individuelle der Paare im Auge zu haben. Daß Recensent nicht allen hier vorkommenden Gedanken beipflichtet, mag dem Herrn Verfasser keinen Eintrag thun, mdeß darf die Kritik nicht verschweigen, wenn sie bedeutsamere Aeußerungen bedenklich findet. Wir möchten nicht (S. 3 u. 4) die Verwandten-Ehen so unbedingt fast als biblisch empfohlen dahin stellen, (und warum sind denn gewisse Grade verboten?) weil streng genommen ein solcher Grundsatz der bürgerlichen Gesellschaft entgegen ist. Auch sieht man der Durchführung desselben ein starkes Schwanken im Ausdruck an, welcher S. 4. u. 5 (beiderseitige Erkenntniß, st. Bekanntschaft) S. 6 von der Mitte an u. s. w., sich unbestimmt in allgemeinen Phrasen bewegt. Der letzte Theil der Rebe ist besser. Zudem widerspricht das Lob der Ehen aus der Ferne, S. 13, geradezu dem starken Tadel derselben, S. 6. —■ In der zweiten Rede möchte niemand es billigen, daß das Brautpaar als ein Helden paar dargestellt wird, deren Großthaten nicht erwähnt worden und keinem Leser bekannt sind. Sonst hat diese Rede einige rührende Momente (des. S. 17.) — Die dritte Rede, worin der Eintritt in den Ehestand mit dem Einzuge der Israeilten in's heilige Land verglichen wird, hat uns in jeder Beziehung besser zugesagt. Durchaus tadelnswerth finden wir es in der vierten Rede, daß von Reichthum und Hoheit (?) als einem Vorzüge gesprochen ist, welche Gottes Rahe bedingen. Dergleichen Glücksgüter des Besitzes und Standes könnten höchstens erwähnt werden, um zur desto großer» Demuth anzuregen. Leider ist der Eitelkeit auf leidlgen Reichthum schon so viel vorhanden, daß die Religionslehrer wenigstens dieselbe nicht bestärken sollten. Wohl hat Herr P. auch dies S. 37 auSgebrückt, indem er spricht: „Glauben Sie nur, der Ewige prüft uns stärker durch günstige als durch unfreundliche Schicksale" rc.; aber wir meinen doch, die ganze Rede lege gar zu großes Gewicht auf den Reichthum. — Sehr schön und zweckmäßig ist die fünfte Rede, welche Fleiß, Frieden und Gottesfurcht als Stützen des Ehestandes empfiehlt. Eben so die sechste, welche über den Ehestand angemessene Betrachtungen anstellt und den Trauhimmel symbolisirt. Wir haben alle Uebrigen mit gleicher Theilnahme burchgesehen, und trotz mancher unvermeidlichen Wiederholungen doch viel Originalttät gefunden, so daß wir dieselbe den minder gewandten Anfängern oder den stark beschäftigten Landgeistlichen, welchen es öfters schwer wird, die treffenden Gedanken in Worte zu kleiden und dem Zwecke gemäß zu ordnen, alS Muster und Materialsammlung empfehlen können. Der Titel empfiehlt diese zwei Bände als passende Geschenke 1) für die Confirmanben, 2) für die Neuvermählten. Wir glauben, daß sie sowohl durch die schöne Ausstattung als durch den größten Theil des Inhalts sich dazu eignen. Es ist viel Stoff zur Erbauung darin, und mindestens kein particuläres Streben in denselben bemerkbar, so daß sie den Frommen aller Farben fruchtbare religiöse Betrachtungen darbieten. Wir knüpfen hieran noch die Anzeige eines andern Vortrags: Die wichtigsten Pflichten des Israeliten, von L. Schott, Rabbiner zu Randegg. Donaueschingen. 1839. 32 S. kl. 8. Dieser hat zum Zweck, den Israeliten das Erlernen eineSHandwerks und des Ackerbaues recht eindringlich an's Herz zu legen. Wir müssen solche praktische Vorträge ganz besonders auSzeichnen, weil sie den wahren Keim zur Besserung einpflanzen. Alle gemüthliche Betrachtungen haben ihren Werth für Erbauung, aber das Volk vergißt dergleichen nur zu bald, wenn es nicht zur geregelten Thatigkeit angehalten wird, und die Geistlichen ihnen nicht den rechten bürgerlichen Fleiß in seiner ganzen Achtbarkeit darstellen. Dringt erst dessen volle Anerkennung in den Volksgeist ein, dann wurzelt auch die Religion, sonst bleibt sie nur eine müßige Träumerei. Mögen die Rabbinen vorzüglich von dieser Seite auf das Volk wirken, so werden sie am besten der Religion von innen und außen die höchste Achtung sichern. rvoK Die Sprüche der Vater, das älteste Denkmal der neuhebräischen Literatur. In der Ursprache zum Behufe akademischer Vorlesungen herausgegeben von vr Julius Fürst. Leipzig. (C. L. Fritz sche). 26 Seiten schön gedruckter punktirter Text. Es genügt diese Anzeige, um darauf hinzuweisen, daß Herr vr. Fürst die Sprüche der Väter zu seinen Dorlefungen benutzt. Sie enthalten in der That reichen Stoff zu belehrenden Anmerkungen über historische antiquarische, rituelle und andere israelitische Angelegenheiten. Wir können, da wir einmal mit Freuden wahrnehmen, daß den rabbinischen Wissenschaften ein Lehrstuhl eingeräumt worden, von welchem aus für die gründliche Erkenntniß mehr geleistet werben kann, als bisher auf irgend einer Universität geschehen ist, den Wunsch nicht unterdrücken, daß Herr vr. Fürstauch eine Encyclopädie Behufs einer übersichtlichen Vorlesung verfassen möge, denn daran fehlt eS in der That. Andere Universitäten werden hoffentlich, von der Nützlichkeit des gegebenen Beispiels überzeugt, ähnliche Lehrstühle errichten, und dann wird eine gute Encyclopäbte das erste Bedürfniß sein. Uebrigens wäre es wünschenswerth, daß ein Lehrer dieses Faches in jeder größern Universitätsstadt die Genehmigung und resp. Unterstützung erhielte, solche Vorlesungen für angehende jüdische Theologen und Lehrer zu halten; dadurch wäre dem Bedürfnisse der Wissenschaft und der Schule hinlänglich abgeholfen. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.