Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 1 (3.1.1840)
- Date
- 1840-01-03
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 -en Meistern unsrer Zeit gehört, folgt ein Vorwort, in welchem der Verfasser zwar immer noch sich zu der Ansicht bekennt, es sei die Confirmationsfeier eine von außen her eingedrängte, und als solche nicht so heilsam, als man annimmt, doch aber sich dem Zeitgeiste, fügt und in die zum Bedürftiiß gewordene Feier mindestens den Geist der väter. lichen Religion hauchen will. Ein Geständniß, das ihm zur Ehre gereicht. Aus dieser Nachgiebigkeit, welche der Verfasser selbst als ein „dem Zeitgeiste gebrachtes Opfer" betrachtet, erklärt sich die Ungleichheit der Form der 18 Einsegnungshandlungen, von denen hier die Reben folgen, indem der Verfasser ausdrücklich sich gegen eine formelle Stetigkeit sträubt. Die Reden sind einfach und klar, die Gedanken leicht ausgedrückt und gut geordnet. In den Gebeten der Cvnfirmanben fanden wir etwas zu viel Phantasiebilder, welche die Kindlichkeit verdrängen. Die erste legt dem Confirmanden an's Herz, von nun an alle kindliche Pflichten, Gehorsam, Ergebung, Dankbarkeit, Treue, in höherm Maßstabe dem himmlischen Vater zu leisten. — Die zweite, in welcher der Verf. die Feier in der Einleitung geradezu als biblisch darstellt, (wodurch er darthut, daß seine obige Ansicht nur die Form trifft) macht den Werth der Erinnerung an die frühere Jugend deutlich, und knüpft daran recht herzliche Mahnungen. — In der dritten betrachtet er die Laufbahn des Iünglmgs, und macht besonders auf die Gefahr aufmerksam, sich der Sittenlehre allein ohne religiöse Anschauung zu überlassen; recht gemüthltch und ansprechend. — Die vierte erklärt die gegenwärtige Feier als wohlthuend und nothwendig, wegen der neuen Lebensbahn, in welcher die Natur des Menschen bedenklicher wird, die Verhältnisse sich entwickeln, und die Eltern immer weniger Mitwirken können, daher diese Feier den Willen erkrästigen müsse. Dies mag genug sein, um die Reden ein wenig zu charaktcrisiren. Wir empfehlen sie ganz besonders den angehenden Schulmännern und Predigern auf dem Lande. Die Terte sind meist sehr glücklich gewählt und zweckmäßig behandelt. Kleine Ausstellungen zu machen finden wir hier nicht an seinem Orte, zumal der Verfasser augenscheinlich an der Dikttofi fleißig gefeilt hat. (Schluß folgt.) pm: "HN 'd Ari Nohem. Streitschrift über Echtheit des Sohar und den Werth der Kabbala von Leon Modenese. Nach einer Handschrift zum ersten Mal herausgegeben mit Einleitung, Vorrede, Jnhaltsanzeigen und Anmerkungen versehen von vr. Julius Fürst. Leipzig (C. L. Fritzsche.) 1840. XXXII. und 97 S. 8. (ganz hebräisch; sehr gut ausgestattet.) Jedermann ist wohl jetzt überzeugt, daß der Sohar keinesweges ein Werk aus dem zweiten Jahrhundert nach Zerstörung des Tempels sein könne, sondern einer viel spätem Zeit angchöre. Ueber den eigentlichen Verfasser des Buches herrscht noch mancher Zweifel; wir hoffen aber auch biete bald durch die fleißigen Forschungen des Herrn M. S. Landauer in München, welcher uns darüber eine vorläufige Anzeige hat zukvmmen lassen, ebenfalls zerstreuen zu sehen. Leon da Modena oder Iehuda Arje di Modena, Rabbiner zu Venedig, geb. daselbst, 28 Nisan. 5331. — 23. April 1571, und gest. ebendas. 1648, war ein ausgezeichneter Schriftsteller und seine Darstellung der jüdischen Riten und Gebräuche sind allgemein bekannt. Als Gegner der Kabbala, die in seiner Zeit viele Anhänger fand, schrieb er im Jahr 1638 das hier genannte Werk, das bisher nicht im Druck erschienen ist. In der hebräisch-verfaßten Einleitung giebt Herr l)r. Julius Fürst, dessen Verdienste um die Hebung der neuhebräischen Literatur sehr anerkannt werden müssen, und von dessen Leistungen als Lehrer an der Leipziger Universität sehr schöne wissenschaftliche Erfolge zu erwarten sind, — eine kurze Nachricht von der Handschrift, welche ihm Hr. S. L Golbenberg, der Herausgeber der vortrefflichen Sammlung, Lerem 6hemed, (bis jetzt 4 Bände) behufs der Veröffentlichung überlassen hat; und eine Uebersetzung des Kapitels über die Kabbale aus Zunz gottesdienstl. Vorträgen (einem Werke, das nicht, genug anempfohlen werden kann), worauf eine Nachricht über verschiedene Werke desselben Verfassers aus einer andern Handschrift desselben entnommen. Eine Vorrede folgt. Der Anonymus zeigt den außerordentlichen Nutzen dieses Werkes zur Belehrung der Pietisten-Sekten in Polen und Rußland, welche durch die kabbalistischen Lehren entstanden sind und eine so bedauerliche Geistesrichtung genommen haben. Von dem Verf. dieser Vorrede ist auch ein ausführliches Inhaltsverzeichniß der 31 Abschnitte des ganzen Werkes vorangestellt, und am Schluß des Ganzen eine Anzahl werthvoller Anmerkungen hinzugefügt. Was nun das Werk selbst betrifft, so geht es, wie natürlich, vom streng orthodoxem Standpunkte aus, um zu zeigen, wie die ganze vorgebliche „Wissenschaft der Wahrheit" oder „höhere Theosophie" der Kabbalisten auf Hirngespinnsten beruhe. Kritik und Literärgeschichte werden auf alle Weise angewendet, um gründliche Beweise zu liefern, daß das Buch Sohar mindestens 800 Jahre später verfaßt sei, als es vorgiebt, und folglich auch keinen traditionellen Werth habe. Im Ganzen wird man dem Ari Nohem mehr literarisch historische, als wissenschaftliche Wichtigkeit zuschreiben müssen; aber auch in jener Beziehung allein wird jeder Freund der Literatur es dem Herausgeber danken, daß er eine so interessante Schrift allgemein zugänglich gemacht hat. Beantwortung. Auf die vielfachen Gesuche um Empfehlung zu vacanten Stellen dient im Allgemeinen zur Erwiederung, daß der Herausgeber durch Berufspflichten zu sehr in Anspruch genommen ist, um denselben direkt entsprechen zu können, was auch in andern Hinsichten zweckwidrig sein dürfte. Dagegen ist er gern bereit, alle Meldungen mit deren Belegen zu notiren und auf eingehende Anfragen gewissenhaft Auskunft zu ertheilen, und das Weitere zu veranlassen. Mehrere sehr interessante historische Materialien sind uns zugegangen, welche erst benutzt werden können, wenn deren nöthige Ergänzungen eingetroffen sein werden. — Wir rechnen hierzu namentlich von Herrn Birkenthal uns übergebene Manuscripte; einem Gallizier, welcher sich mit Sammlung wichtiger Notizen zu einem großartigen Werke über die Israeliten in Europa beschäftigt, von Seiten der ausgezeichnetsten Männer als zu den freudigsten Hoffnungen einer gedeihlichen Wirksamkeit berechtigend, empfohlen ist, und dessen gemeinnützigen Bestrebungen wir ebenfalls einen recht fruchtbaren Erfolg wünschen. Schreib- und Druckfehler (im Iahrg. 1839.) S. 228. Zeile 18. st. Gemeindenamen, lies: Gemeinnamen. S. 301 Lit. 5. statt die Abfassung, lies: der Abfasser. Daselbst Lit. 7 sind die zwei letzten Zeilen zu streichen und dafür so zu stellen: In einigen Schriften (R. G. A. des Jesaja I. bei Azulai Fp)'» 1. 16 b; 'cnn -yn zu Kidduschin f. 43 b; Jakob Landau in Agur f. 5 a. 53 a ed. Offenb.) kommt auch ein „R. Salomo Ha-Iatom" vor. Dies möchte, falls dieser kein Abkömmling von Joseph b. Avitur ist. uns zur Annahme um so mehr berechtigen, daß letzterer den Zunamen „die Waise" blos als Familiennamen erhalten habe. S. 340 b. A. Zeile 3 st. arabischer, lies: ebräischer. Sam. Meklenburg. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.