Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-11-29 · Heft 48 (29.11.1839) · p. Seite 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 48 (29.11.1839)
Date
1839-11-29
Page
Seite 384 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133815--0437-3134578
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

384 gesang, der in so weit beibehalten worden, als die Melodie zu den Worten des Textes gehört. Eine kleine Erinnerung an die frühern Störungen des Synagogendienstes genügt, um wahrzunehmen, wie sehr durcb das hier Beschriebene der Kultus sich einer vollenbetern Form angenähert bat, und zu.welchen schönen Hoffnungen dieser, obgleich unscheinbare Fortschritt, Raum giebt. Eine wahrhafte Kultusverbesserung gehört nicht zu den leichten Aufgaben, besonders in zahlreichen Gemeinden. Höchst wichtig ist aber em jeder, auch nur sparsamer Fortschritt einer wirklichen Gemeinde-Synagoge, und weil höher zu veranschlagen, als alle aus Pnvalverewbn hervorgehenden, wenn auch bei weitem kühnern Schöpfungen, wie die Iakobson'schen Versuche hier und die danach entstandenen ähnlichen Versuche in Hamburg, Copenhogen, Wien, Prag und dergleichen, wo jeder Verein sich aus sich selbst bildet, und wodurch am Ende so viel Liturgien entstehen, als es Vereine giebt, so daß an Gleichmäßigkeit nickt mehr zu denken sein durfte, da ein jeder seine Ansichten mit Vorliebe durchsetzen möchte. Was eine Gesammtheit einer Synagogen - Gemeinde schafft und billigt, ist eine feste und sichere Grundlage für die Folgezeit. Desto wehr gebührt dem Vorbeter der hiesigen Gemeinde. Herrn A. Lion, die allgemeine Anerkennung für die unendlichen Mühen und Kämpfe, welche er nicht gesckeuet hat, um eine durchaus verwöhnte, und für geregelte Einrichtungen unempfängliche Masse, mit einem bester» Geiste zu beie--!en, und die Vorurtheile zu beseitigen, welche jeder Verbesserung im Wege standen. Ja nicht bloß die unwissende Menge war eines andern zu belehren, sondern auch wissenschaftlichere Organe ließen sich herbei, in fanatisirenden Erbauungsreben die Zuhörer und Lehrer gegen die edlere Form aufzuregen, sie als Ketzerei zu verschreien, Sündenerlaß und Seligkeit allen zu verheißen, die sich widerseyen, und Untergang und Unheil denen anzubrohen, welche dies unterlassen, oder. Gott bewahre! die Ketzerei begünstigen würden. Wir wissen aus guter Quelle, daß ein solcher übrigens wohlunterrichteter Fanatiker, welcher durch manche Religionsschrift in der Weft bekannt ist, und welcher den kabbalistischen Ideen huldigt, — den genannten Vorderer unter Androhung des Verlustes seiner Seligkeit aufgefordert hat, seine Amtslracht wieder abzulegen, seinen dreikantigen Hut wieder zu tragen, alles Uebrige wieder auf den alten Fuß einzurichten und für das Geschehene durch fleißiges Baden und Fasten Buße zu thun! Solche Züge würden als Privatäußerungen kaum der Erwähnung werth sein, spräche sich nicht darin die Vertretung einer ununterrichteten Masse aus, die durch solche Organe in ihren irrigen Begriffen bestärkt wird! London im Ort. — (Oie sehr verspätete Ankunft unserer Blätter in London, wo sich die größere Theilnahme erst in den letzten Monaten zeigte, nachdem einige wenige Exemplare von Sachkundigen gewürdigt waren, hat auch zur Folge gehabt, daß die von dorther erwarteten Beitrage nicht zeitig eintrafen. Die Verspätung hat bei werthvollen Aktenstücken nicht viel auf sich; wir hoffen indeß, nunmehr alles Interessante frühzeitig mittheilen zu können. Das folgende ist uns im Original zugekommen, und verdient auch jetzt noch seine Stelle in den Annalen.) Rundschreiben vom 5. Mai 5599. Es ist schon lange ein allgemeiner Wunsch der Juden dieses Landes, daß ein Institut gegründet werden möchte, worin bas Studium des göttlichen Gesetzes (Jüdische Theologie) mit den englischen Unrerrichtsgegenständen verbunden würde, welche beide nothwendig sind, um die Stubirenben in jeder Hinsicht zu den geistlichen Aemtern der jüdischen Gemeinde zu befähigen. Dies löbliche Vorhaben soll jetzt ausgeführt werben. Zu diesem Zwecke sind bei dem verehrl. Herrn Salomon Hirschel (Rabbiner) die Ehrenbeamten der Synagogen und die Vorsteher des bestehenden Letlilmmiclraseli (Thalmubschule) wiederholentlich zusammengekommen, um Druck und Verlag vorr Johann David über die wirksamsten Mittel zur Gründung einer zeitgemäßen Anstalt gedachter Art zu berathen, und es ist beschlossen worden: Daß eine Hochschule (College) gegründet werden soll, um das Studium des heiligen Gesetzes nach Iosua i. 8. für alle Zeilen festzufteüen. Die wichtigen Vortheile, welche in religiöser Beziehung allen Gemeinden in dem Großbritanischen Königreiche sowohl als in den Colonieen und jedem Mitgliebe der Gemeinde Israels daraus erwachsen muffen, wenn zum geistlichen Stande, wozu man bisher meist Fremde berufen mußte, inländische Jünglinge erzogen werden, sind so augenscheinlich, daß wir darauf die Hoffnung des vollkommensten Erfolges stützen. Indem wir einen Prospectus hierbei veröffentlichen und um Ihren Beistand bitten, halten wir uns versichert, daß diese Aufforderung sich Ihrer Mitwirkung erfreuen werde, da die betreffende Anstalt vorzugsweise dahin adzielt, das geistige Wohl der jüdischen Gemeinde durch Verbreitung der Lehren in englischer Sprache und durch das Studium der hebräischen Literatur in ihrer Reinheit zu befördern. P r o s p e c t u s. Das beabsichtigte Institut soll das alte vetlilmmislrak-ek in sich aufnehmen, und durch freiwillige Beitrage und Subscriptionen, so wie auch durch Schenkungen in der Synagoge unterhalten werden, so daß es eine Hochschule zum Unterricht für jüdische Jünglinge in den heiligen Schriften und den höhern Zweigen theologischer Wissenschaft werde. Zur Erreichung dieser Zwecke sollen geeignete Professoren, vom zeitigen approdirt, angeftellt werden, um die heilige Schrift und die rabbiniscben Schriften zu lehren und zu erklären. Ein englischer Lehrer soll die Studenten in der englischen Literatur unterrichten. Oeffentllche Reden sollen von dazu berufenen Männern gehalten werden. Studenten sollen aus dem Fond des Instituts unterhalten werden, und Beköstigung und Kleidung frei haben. Junge Leute können als Scküler eintreten, gegen Zahlung eines vom Comite festzusetzenden jährlichen Honorars. Das Institut soll unter einem Vorstande und einem Comite stehen, welche von den Beitragenden gewählt werben, und ihnen zur Seite wirken je ein Aufseher aus jeder Synagoge, welche zugleich mit dem Oderrabbi ex-oküeio Mitglieder des Comite sind. Wer 15 Guineen als Schenkung beiträgt, ist dadurch Vorsteher auf Lebenszeit. Der verehrl. Herr S. Hirsche! hat die Unterzeichnung mit 100 Lst. eröffnet. gez. Salomon Cohen, zeit. Präsident. Daß die Subscription bedeutend vorrückt, bedarf kaum einer Erwähnung. Gelegentlich wird ausführlicher darüber berichtet werben. Kingston auf Jamaica, im August 1838. — Die Centralschule der Hauptstadt zahlt gegen'500 Schüler, worunter 160 Israeliten. — Auf der ganzen Insel wohnen etwa 6000, in der Hauptstadt etwa 1600. Die mersten sind wohlunterrichtete Leute, und ihre religiösen Anstalten werben mit Freigebigkeit unterstützt. Erklärung. Eine meinen Chisuk hathorah betreffende Rüge in der Allgem. Zeitung des Judenlbums vom Uten November veranlaßt mich zu der Erklärung, daß ich kein Bedenken trage, den mir nachgewiesenen, übrigens ganz einftußiosen Irrthum als solchen anzuerkennen. Daß ich übrigens nicht durch Oberflächlichkeit in diesen Irrthum gerathen bin, zeigt sowohl das von einer frühern Uebersetzung zurückgebliebene Fürwort seiner, als die S. 128 citirte Stelle aus dem Iad hachasakah. M. Creizenach. Sauerländer in Frankfurt am Main.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.