Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 43 (25.10.1839)
- Date
- 1839-10-25
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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344 also diese unmosaische und untraditionelle Auslegung? Die äktern Rabbinen waren öfters fanatisch, aber ehrlich und wahrhaft; sie lehrten, was sie für recht anerkannten, nicht ausbiegend und falsche Begriffe unterschiebend, wie dies hier und §. 112 geschieht. Man erlasse uns den verdrießlichen Nachweis! Ist es nicht gar eine Abgeschmacktheit, die Jugend in der Schule zu unterrichten, welchem Verhältnisse der Herrathslustige bei seiner Wahl den Vorzug geben solle? S. 155. Doch wir sind müde, all' die verderblichen Lehren und Lächerlichkeiten aufzuzählen, von denen das Buch wimmelt, und die man der Jugend aufdringen will als Religion! An historischen Unrichtigkeiten fehlt es auch nicht, so wenig wie an nicht angemessenen Belegen. Wir wollten indeß schon dem bessern Sinn des aufwachsenden Geschlechtes vertrauen, welches dies Buch mit Ekel und Unwillen von sich werfen wird, schriebe nur der Vf. logisch verständlich und richtig deutsch zum Gebrauche für Schulen. Aber auch in diesen Beziehungen giedt er sein Werk preis. Man lese §. 4, §. 16, dessen innerer Widerspruch selbst in der Vertheidigung wiederholt wird, §. 2v, S. 17, „Ich will an Gott den Einzigen und an keine andere Kraft (?) glauben"; §. 22 widerspricht dem §. 4 geradezu. §. 25, S. 21, „Grund", eben so §. 32, wo es nach dem angeführten Grunde oben, ganz unlogisch ist, aus der Unendlichkeit Gottes die Hoffnung auf die Ewigkeit des Menschen zu schließen. §. 39. Sich nach Gottes Vorbilde in allen Tugenden vervollkommnen, giebt einen schiefen Sinn. §. 36 heißt es: „Gott hat auch mich erschaffen; denn er hat (im Anfänge) alle Theile gemacht, aus denen ich bestehe, und die Kräfte geschaffen, durch die ich entstanden bin. (Ein euphemistischer Galimathias!) tz. 37. „Da ich sehe, daß Gott auch das geringste Geschöpf liebevoll erhält, so muß ich wohl das Vertrauen zu ihm haben, daß er auch mir ferner geben werde, was zu meiner Erhaltung nöthig ist, wenn ich das Meinige dazu thue." Wie folgt diese Bedingung aus der Prämisse? Er verweist auf §. 74, wo dieselbe Prämisse als falsches Verttauen bezeichnet ist. — §. 42. Seltsame Demonstration in der Engellehre, h. 43 wird, unter andern Fehlern, das Begehrungsvermögen identisch mit Willensfreiheit definirt. §. 44 wird gelehrt: der Mensch erkenne seine Bestimmung aus seinen Eigenschaften; so, 1) „Gott hat mir Vernunft gegeben, so folgt daraus, daß ich dieselbe ausbilben und immer vernünftiger werden soll"; re. Wie? wenn nun das Kind eben so auf Sinnlichkeit, Ehrgeiz, Herrschsucht u. s. w. schließt? — Und so geht es durch das ganze Buch überall, wo der Vf. spricht. Außer der oft ganz verdrehten Sprachconstruction, muß das Kind sich auch gewöhnen, S. 29, die bemüthige Anerkennung der göttlichen Fügung Bescheidenheit zu nennen; (S. 36) die Noth zur geistigen Ausbildung und Besserung benutzen; (Ebendas.) Ergebenheit (statt Ergebung) an den Tag legen. S. 131 liest man, daß zum Zwecke der Blutreinigung (!) alle Blutgefäße ausgeschnitten werden, rc. --- Welchen Einfluß der Mangel an Sprache auf den Sinn habe, giebt folgende Stelle, §. 65, deutlich zu erkennen: „ Der Mensch erreicht seine Bestimmung und empfängt vollkommene Vergeltung nach dem Tode, dadurch daß seine Seele unsterblich ist, d. h. auch nach dem Tode in Ewigkeit fortfährt, zu denken, zu wollen und zu empfinden!" (Eine vollendete Häresie!) Nach diesen, gar nicht geflissentlich ausgesuchten, Proben der Unwahrheit, Mangelhaftigkeit, Ungeschicktheit und sittlichen Schädlichkeit des Inhaltes, wovon wir uns anheischig machen, nöthigenfalls eine noch stärkere Nachlese zu liefern, mochten wir wohl sehen, wer sich noch entschließen dürfte, dies Werk der Jugend als Führer zur Erlangung wahrer Frömmigkeit zu übergeben! Wir unsrerseits, durch eine dreißigjährige Erfahrung im pädagogischen Fache gegen alle imposanten Approbatoren gestählt, können nur, ohne im Mindesten des Radicalisms beschuldigt zu werden, offen und gerade erklären, daß die Einführung eines solchen Buches m Schulen eine Schmach für unsre Zeit wäre, in denen es an guten Büchern nicht fehlt. Sollte übrigens verletzte Eitelkeit oder beeinträchtigter Eigennutz abermals zu falschen Insinuationen oder zur Verdächtigung unseres redlichen, offenen und zur Beförderung alles Ebeln und Guten, welcher Partei es auch angehöre, jederzeit bereitwilligen Strebens, ihre Zuflucht nehmen, so werden wir nicht verfehlen, mit stets gleicher Offenheit allen Versuchen der Lüge würdig entgegenzutreten. Anzeigen. So eben erschien bei den Unterzeichneten und ist in allen Buchhandlungen, in Frankfurt a. M. bei I. D. Sauerländer zu haben, die erste Lieferung von ntpto: min Der Pentateuch oder die fünf Bücher Moses in correctem hebräischen Texte mit worttreuer UebersLtzung, vollständiger Erklärung und erbaulichen u. homiletisch benutzbaren Andeutungen, für Juden und Christen bearbeitet Dr. Salomon Herxlieimer, Herzog!. Landes-Rabbiner zu Anbalt-Bernburg. Das Werk erscheint in 19 Lieferungen, wovon immer 2 einen Band bilden. Der Preis einer jeden Lieferung ist auf 7z Sgr. festgesetzt. — Je monatlich erscheint eine Lieferung, so daß das ganze Werk binnen weniger als Jahresfrist beendigt sein wird. Nach Beendigung des Werkes tritt der Ladenpreis von 3z Rthlr. ein. — Ausführliche Prospecte werben gratis ausgegeben. hewents Verlagsbuchhandlung. Bei C. L. Fritzsche in Leipzig, ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu haben: WL3 31"! ’ oder Briefe eines jüdischen Gelehrten und Rabbinen über das Werk: „min Versuche über Jissroels Pflichten in der Zerstreuung von S. R. Hirsch, Großherz. Oldenburg, Landrabb. Altona 1837." Nebst einer Abhandlung über die Möglichkeit einer Abschaffung bestehender Gebräuche im Judcnthum vom orthodoxen Standpunkte. Herausgegeben durch M. S. Charbona. 8. broch. 6 gr. Druck und Verlag von Johann David Sauerl ander in Frankfurt am Main.