Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 42 (17.10.1839)
- Date
- 1839-10-17
- Page
- Seite 336 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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336 gar allein von jenen Freunden angefertigt worden sind (vgl. Wolf t. 1. p. 780). Auch ist es nicht denkbar, daß ein so viel beschäftigter Mann ein und dasselbe Werk binnen wenigen Monaten in zwei Sprachen geschrieben und gedruckt (de resurectione 1636, de fragilitate 1642, spes Israelis 1650.) Nur vor der lateinischen, nicht vor der spanischen Edition de fragilitate findet sich das Register mit R. Salomo Iarchi; ein Beweis, daß hier eine andere Feder thätig gewesen. 2) Schabtai weiß in seinem Commentar zu Raschi nichts von Iarchi, auch führt er diese Benennung in seiner Bibliographie (Amsterdam 1680) nirgends anders, als im Verzeichniß der Autoren auf, wo unter der Rubrik „Salomo Iarchi b. Isaac aus Troyes" auf Raschi's Schriften und auf das Leschon limmudim von (dem jüngern) Salomo (b. Abbamare) Iarchi verwiesen wird. Er folgte Burtorf und Bartolocci, aus denen er schöpfte, und in der Meinung, jene beiden Schriftsteller seien eine und dieselbe Person, wußte er sich nicht anders zu helfen, als Laß er Iarchi in den Namen einschob. ' Ohne Zweifel benutzte er auch den Eatalog der Leydener Bibliothek (1674 in 4.), woselbst das Aerzeichniß der hebr. Manuskripte (p. 276) mit R. Salomon Iarchi anhebt. 3) Sal. Ollveyra hat im (Darke noam Amst. 1683 f. 45. b.) folgende Worte: ipiT &npj) uhm ittn b'j'bü rrntsO Offenbar eine Anmerkung, die et halb aus Schabtai's Werk — das er besungen, — halb aus l’Eempereur geschöpft. 4) R. Iechiel hat im historischen Theile des Seder badorot seinen Vorgängern nachgeschrieben, und f. 52. b. aus Schabtai's Register das.Iarchi in den Text gebracht. 5) Asulai hat im Schem hagedolim Tb. 2. f. 76 a. folgendes : „Auch dünkt mich, in einem alten Buch ({cnvij pcip \TN‘T^) gesehen zu haben, daß er Raschi Rabbenu Schelomo Iarchi nennt; so steht auch im Auszuge des Semag f. 38. b. Es scheint, Raschi oder sein Vater war ursprünglich aus Lunel, daher nannten sie ihn Iarchi. Auch heißt er so im Seder hadorot." Diese Aussagen ergeben folgendes Resultat: a) Sämmtliche 5 Zeugen haben nur an einzelnen oder einzigen Stellen Iarchi für Raschi, welches letztere stets herrschend bleibt: b) bei dreien kommt jene Benennung ohne weitere Bemerkung vor, wobei der eine (Menasse) nicht einmal als Urheber zu betrachten ist; e) die zwei andern jener drei (Schabtai, Iechiel) find nur als einer zu betrachten, der christlichen Werken nachgeschrieben; d) die beiden letzten behaupten oder vermuthen, daß Iarchi mit Lunel zusammenhänge, welches der eine gewiß aus Lcmpereur entlehnt, der andere vermuthet hat, da Serachja Levi aus Lunel auch dieserhalb sich des in"!1 bedient, was Asulai selber anderswo (Schem hagedolim Th. 1. f. 20 ic.) bemerkt; e) nur Asulai ist unter Allen derjenige, der zwei ältere Autoritäten anfiihrt; und f) beide haben das berufene Iarchi wiederum nur an einzigen Stellen. In diesem Stadium der Untersuchung fallen bereits einige Behauptungen de Rossi's zu Boden, nämlich: daß Menasse „vielmal" Iarchi hat; daß bieß sich in einem alten „Eoder" (eatal. Mscr. 1.1) finde; daß die „beiden" Bibliographen Raschi mit dieser Benennung bezeichnen, — indem Iarchi nur einmal in einer lateinischen Schrift Menasse's zu finden ist, Asulai sich lediglich eines alten Buches erinnert, und nur wieder auf Seder Hadorot sich beruft, jedoch nicht selber den Autor unter Iarchi aufführt. Ist es nun nicht befremdend, daß das gesammte Alterthum nichts von diesem Iarchi weiß, bis er plötzlich nach einem halben Jahrtausend auftaucht? Der Verfasser des Semag mit seinen Lehrern, College» und Schülern, sämmtlich französische Juden aus Paris, Coucy, Evreur, Falaise, Pontoise, Sens re. (vergl. meine additamenta im catal. codd. mscr, Lips. ic. p. 315 u. ff.) schreiben stets und unzählige mal rabbenu Schelomo, rabbeou 8obelomo Isaaki, Raschi; und ein einziges Mal fiel jenem ein, Iarchi hinzuzufügen? Wenn irgendwo, dürfte man hier emendiren. Glücklicherweise ist es uns aber erspart, denn im ganzen Semag steht nirgend Iarchi, vielmehr Isaaki (ed. 1547. f. 14. c; ed. 1522. Bogen 2. Bl. 6. c. Verbot 65), folglich auch nicht im hundertvierzigsten Verbot. Nur im Auszuge des Semag ist es zu finden, welcher Auszug nicht, wie Asulai (ib. Th. 1. f. 54 a.) meinte, von R. Moses aus Coucy ist, sondern von — Sebastian Münster (s. Wolf. t. 2. p. 1365), dem man auch Compendien aus Josippon und aus R. Elia Misrachi's Arithmeiik verdankt, und welcher der erste zu sein scheint, der ■>I£n in Iarchi auflöste, siehe seine Uebersetzung von perek schiminuschim (Basel 1527) §§. 5. 9, wo R. Sal. Jarchii statt steht, welches er vielleicht aus dem Yarhii (nmi) des lateinischen Mikne Abram (Vened. 1523) geschöpft. Dort wird nämlich stets mit R. Salomo gegeben, also die "i unübersetzt gelassen, während vi;-pi '1 (der Grammatiker) R. Sal. Darhii lautet. So war es leicht, diese Bezeichnung auf jene Abreviatur zu übertragen, obgleich übersehen worden ist, daß ebendaselbst (strata 26, Bogen 9. Bl. 7) '»pnS*' ir:n, womit der Commentator Raschi bezeichnet' wird, ebenfalls nur durch R. Salomo übertragen wird, folglich das nicht ausgedrückte '■> eben vniT ist. Jetzt bleibt noch das alte Buch» auf das Asulai sich beruft, fast nur als halber Zeuge, wie denn Asulai manches sich nur flüchtig und auf Reisen angemerkt hat. Sehr wahrscheinlich hat er eben das Mikne Abram in Händen gehabt, und da er Raschi und R. Sal. Iarchi auf einem Blatte fand, bestärkte ihn dieß in der Vermuthung, zu Seder Hadorot und Kizzur Semag einen dritten Gewährsmann gefunden zu haben. So verschwinden die alten Autoren und die Bibliographen mit ihrem Raschi-Iarchi, von welchem vor Münster nirgend eine Spur ist; Reuchlin kennt nur Salomo Gallus, oder Trecensis (s. die Anmerkung 2 in Friedländer Beiträge zur Reformationsgeschichte. S. 58), und Capito (mstitutiones hebr., Straßburg 1525. f. 58. a. u. sonst) schreibt: R. Salomon. Aber aus jenem ersten Irrthum entstand ein zweiter: man machte Raschi zum Verfasser des Lechson Limmudim, — meldjeä de Rosst mit Unrecht dem Balmes aufbürdet. Nachdem seit Burtorf der Name Iarchi für Raschi allgemeine Verbreitung gefunden, glaubte Lempereur entdeckt zu haben, daß R. Salomo Cohen -in Lunel (Benjamins Reisen) Raschi sei, und er seinen Namen Iarchi von Lunel habe. Nun wurde Raschi nach Lunel und zugleich in ein späteres Jahrhundert verlegt, wodurch beiläufig bemerkt die Behauptung des Schalscheleth vom Zeitalter Raschi's, und somit dem Verfasser selbst ein unverdientes Ansehen erhielt. Nach dem Iarchi-Lunel-Gerede nannte Basnage Raschi le Lunatique (hist. t. 8. p. 422, t. 9. p. 149), was die allg. Welthistorie (Th. 28. S. 390, 415, 442) zu erzählen bewog, daß Raschi sich selber den Mondsüchtigen genannt habe. So hat R. Salomo nach und nach Namen, Vaterland, Zeitalter und die nächtliche Ruhe eingebüßt. Wem fällt hier nicht das bekannte: eine Sünde führt eine andere herbei, ein? Die den Namen Iarchi führenden Männer gehören der Provence an, und eS wäre Zeit, diese Verfälschung des Namens auf Raschi's Unkosten für immer zu beseitigen. __ Zunz. Zur Nachricht. Antwort auf Herrn vr. Au erb ach's Erklärung folgt in Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main