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Israelitische Annalen · 1839-10-11 · Heft 41 (11.10.1839) · p. Seite 321

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 41 (11.10.1839)
Date
1839-10-11
Page
Seite 321 (sequence 1)
Language
German
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11. October. 41. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur «ud Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost- Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Dar Lembcrger Nabbinat und die Gallizischen Schulen. — Controversen in England. — Bririwechsel über religiöse Zustände (Fortsetzung). — Maimonides und seine Zeitgenossen, von vr. Carmoly (Fortsetzung.) — Nachrichten und CorresponvenzenOrient; Eöln; Ungarn. — Literatur. — Literarisch- Historische Notiz. — Zur Beachtung. — Anzeigen. Das Lemberger Rabbinat und die Gallizischen Schulen. Die Ungeduld thätiger Geister läßt sich oft klagend und tadelnd aus über die Trägheit der Masse, welche sich gleichsam gegen die Wohltharen der bessern Erkenntniß und des ersprießlichem und genußreichem Lebens sträubt, und nicht selten sinkt gerade denen, welche dem Uebel abhelfen könnten, der Muth, weil ihre Arbeiten vergeblich erscheinen. Diese Ungeduld steigert sich in der israelitischen Welt bei denen, welche noch Zeugen der mittelalterlichen Verhältnisse, und noch selbst unter schwerem Drucke seufzend, endlich die ersten Strahlen einer humanen Gesetzgebung sogleich benutzten, um die Augen zu öffnen und nach allen Richtungen sich umzuschauen. Nach drei bis vier Decennien, welche seitdem verstrichen sind, sehen sie sich nicht bloß in andern Umgebungen, sondern auch in eine ganz andere innere Welt versetzt, in welcher sie sich isolirt finden, weil die große Masse nicht mit derselben Eile sich emporschwingen konnte. Wer mit ruhigem Blicke dem Gange der Dinge zuschauet, wird sich indessen überzeugen, daß die Klagen nicht gerecht seien, vielmehr müssen die gethanen Fortschritte weit eher den Muth beleben, als die nichterfüllten Wünsche ihn Niederschlagen. Ein einzelner Mensch durchstiegt in wenigen Jahren die Geschichte einer tausendjährigen Bildung; ein Wilder, welcher heute die amerikanischen Wälder verläßt, steht bei Anwendung der rechten Mittel in einem Jahrzehnt, wenn sonst ihm die Anlagen nicht fehlen, auf der Stufe des gebildetsten Europäers. Der Einzelne überspringt die Hemmungen und Hindernisse, welche die häuslichen, örtlichen, volksthümlichen und herkömmlichen Sitten und Gewohnheiten in den Weg legen, durch die bloße Zuversicht seines bestimmten Willens; nichr so die große Masse eines zahlreichen Volkes, in welcher alle diese wirkenden Kräfte so sehr durchwebt und durchflochten sind, daß wo nicht großartige Anregungen plötzlich mit fortreißen, der Wille gegen ihre Zähigkeit nichts vermag, und erst eine vieljährige Entwickelung dazu gehört, um die Verhältnisse umzugestalten. Genug, wenn nach Verlauf einer nicht gar zu langen Frist sich die Spuren einer innern Veränderung zeigen und ein Gedeihen des bessern Lebens zu hoffen ist. Diese Spuren werden nun jetzt allgemein sichtbar, und treten so deutlich hervor, daß die Krise nicht mehr bezweifelt werden kann. Vor einem halben Jahrhundert schrieben die tüchtigsten Männer unter den Israeliten ganze Werke, um zu beweisen, daß es sehr nützlich sei, die Kinder beider Geschlechter in den ersten Elementen des Wissens zu unterrichten, und es fehlte nicht an starker Opposition, welche nicht etwa vom unwissenden

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