Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 38 (20.9.1839)
- Date
- 1839-09-20
- Page
- Seite 297 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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20. September. 38. 183N. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegcben von Dr. I. Nt. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Der Zelotismus und seine Gegner. — Gesänge zur Einleitung deS Persöbnungsrages. — Literarische Studien, von S. Mcktenburg. — Beantwortungen von vr. Carmoly. — Nachrichten und Correspondcnzcn: HohenemS (Schluß). — Großherzogthum Hessen; Wien (Fortsetzung); Prag; Venedig; Altona. Wvblthätigkeit. Zur Geschichte unsrer Zeit. Der Zelotismus und seine Gegner. Jeder Menschenfreund wird mit tiefer Wehmuth vernommen haben, welche Anklagen vor längerer Zeit gegen einen der würdigsten Rabbinen in Deutschland von einer zelotischen Parthei erhoben worden, und zu welcher wahrhaft betrübenden Entscheidung dieselben geführt haben/ weil eben alle derartige Versuche des Privathaffes und anderer verwerflichen Beweggründe sich hinter Gewissensscrupel verstecken, welche durch Vorschiebung bestehender Observanzen und sonstiger kirchlichen Stützpfeiler als wohlbegründet erscheinen und die Gerechtigkeit selber irre machen. Inzwischen sind solche Erscheinungen heutiges Tages nur Seltenheiten, nur kleine Rückfälle nach der fast wohlüberstandenen Krise, einer unverkennbaren Entwickelung zum Bessern. Selbst diese Rückfälle wirken .wohlthätig, sie ermahnen zur Vorsicht und Selbftbeachtung. Ein stärkeres Beispiel von Zelotismus liegt jetzt vor, aber der Verfolg desselben zeigt zugleich den Fortschritt unserer Zeit und die Hoffnungen, zu welchen dieser berechtigt. Wir berichten nur kurz, indem wir unsere Leser auf ein im Juli in Hamburg erschienenes, im April a. c. erlassenes Sendschreiben des Herrn vr. Z. Frankel, Oberrabbiners zu Dresden, an Herrn M. Sopher, Oberrabbiner zu Preßburg, über dessen Verfahren gegen einen Rabbinen in Ungarn (Hrn. I. Alexandersohn in Csaba) verweisen. Dieses im edelsten Ton verfaßte, eine Apellation an die von den Rabbinen bisher gewöhnlich gering geachtete, und von einigen jüngern Zeloten abermals sehr verschmähete, öffentliche Meinung und Gerechtigkeit enthaltende Sendschreiben, nebst Beilagen, giebt uns die Thatsachen folgendermaßen an: Jonathan Alexander so hn ward zu Csaba, einem Flecken unweit Sz anro in Ungarn, als Rabbiner ausgenommen. Die Stellung solcher Männer in kleinern Gemeinden Ungarns ist eine sehr abhängige, besonders stehen sie unter dem Einflüsse der größer» Rabbinen. Da er sich in einer Ehescheidungssache um Rath an den Rabbiner zu S z a n t o wendete, antwortete dieser (im Jan. 1834) ausweichend, ihm andeutend, er billige es nicht, aus Gründen, die er für sich behalte, Ehescheidungen an solchen Orten vorzunehmen, wo solches noch nie ftattgefunden habe! Zwei andere Amtsbrüder (zu Temesvar und St. Peter) stimmten für die Zulässigkeit, und die Ehescheidung ward vollzogen. Die Widersacher der letzter» suchten nun Herrn Alexandersohn's Orthodoxie zu verdächtigen, und man fand Creaturen, welche sich nicht scheueren, mit den kleinlichsten, erbärmlichsten, den Menschenverstand entehrenden Beschuldigungen aufzutreten, und einige allerdings erheb-