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Israelitische Annalen · 1839-09-13 · Heft 37 (13.9.1839) · p. Seite 290

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 37 (13.9.1839)
Date
1839-09-13
Page
Seite 290 (sequence 2)
Language
German
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290 Das sind der Freiheit wüth'ge Flammen, Don Westen glühen sie herauf; Palläste stürzt die Gluth zusammen. Nichts hemmet ihren wilden Lauf. Oie alten Mauern, stark wie Felsen, Wirft sie dahin mit Schreckenshand- Auch Zakobs harte Fesseln schmelzen Und rinnen in den glüh'nden Sand. Und an der mächt'gen Gluth entbrannte Die Kriegcsfackel furienwild Und leuchtete von Land zu Lande Bis in's germanische Gefild. Doch an der Kriegesfackel zündet Das deutsche Volk die Leuchte an; Sieh', zum Befreiungskrieg verbündet Die deutschen Reih'n, Ein Herz, Ein Mann! Und in die deutschen Bruderreihen Tritt Jakobs Jugend, muthentbrannt. Das Heimathland mit zu befreien, Daß es ihr werde Vaterland! Da blutet auf den deutschen Gauen Der Sohn vom alten Kammerknecht; Doch auf den wieder blüh'nden Auen Erblüht auch Iuda's Menschenrecht. — Hin war ein halbes Menschenalter *) Geschwunden schon in Krieg und Noth, Da führte Gott, der güt'ge Walter, Herauf des Friedens Morgenroth. Wie regt sich nun die Kraft ohn' Ende! Kunst und Gewerb' erblüht, gedeiht — Auch Israels gebund'ne Hände, Sie rühren sich, vom Band befreit. Und Israel, der Freiheit Mündel, Fühlt sich erglüh'n von heißer Hast; Und seine Jugend läßt den Bündel, Die alte, grambeschwerte Last: Dem Meister sitzet sie zu Füßen; Neigt horchend sich dem Lehrer hin; Die Kunst als Herrin zu begrüßen. Beugt sie den fteigewordnen Sinn. O frisches Dasein! — und das Leben Umfängt so mütterlich den Sohn, Und zeigt dem jugendlichen Streben Des Bürgerglückes süßen Lohn. Gezogen von dem mächt'gen Drange Sinkt er dem Leben an die Brust — Doch, ach, mit des Gesetzes Zwange Läßt er zugleich des Glaubens Lust. Da schallt es strafend uns entgegen: „Wo irrt ihr hin, vom Ziele fern? Wohl zog der Tag herauf voll Segen, Wie leuchtet er dem Volk des Herrn?- Der aufgeklärte Himmelsbogen Wird ihm von Gottes Lichtern leer; Und mitten in den Lebenswogen Sieht es den Lcitestern nicht mehr. Wo bist du hin, des Glaubens Walten? Du stiller Gottesgeist, wohin? Die Herzen Israels erkalten. Wärmst du sie nimmer, frommer Sinn? O kehre wieder, froher Glaube! O wärme wieder, Gottesgluth! Religion, du treue Taube, Bring' uns das Oelblatt aus der Fluth! So ruft die Sehnsucht, neu geboren In des Jahrhunderts letzter Zeit; Laut predigt sie an allen Thoren, Und manches Herz ist ihr geweiht. Neu füllen sich die Gotteshallen, Das Wort des Herrn erschallt voll Kraft. Wie heiß die Herzen wieder wallen. Der Geist am Werk des Lichtes schafft! Ein neuer Geist, ja, ist erstanden Und ist in Jakob auferwacht; In allen Orten, allen Landen Regt sich der frische Geist mit Macht. Bei'm alten Glauben will er schwören. Und doch der jungen Zeit ein Freund; Der reinen Lehre angehören. Dem Leugnen und der Lüge Feind. So hat ein Kampf wohl frisch begonnen. Doch Wahrheit ist sein Losungs-Wort; Diel junge Kämpfer sind gewonnen. Die Werbung geht von Ort zu Ort. Die Bundeslade Gottes ziehet Mit unfern treuen Schaaren aus; Des Lügengeistes Schaar entfliehet. Die Wahrheit zieht voll Sieg nach Haus.- O Moses! Licht voll Lieb' und Segen Bei des Jahrhunderts Anbeginn! O leuchte uns auf unfern Wegen Zum hohen, heil'gen Ziele hin! Wahrheit und Frieden möchte finden Einst für die Menschheit Jakobs Rest — — Jahrhunderte entsteh'», verschwinden. Doch unser Ziel steht ewig fest. Leopold Stein (Rabbiner zu Burgkundstadt.) *) 1790—1815.

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