Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 36 (6.9.1839)
- Date
- 1839-09-06
- Page
- Seite 281 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6. September. 9t 36. 1839. Israelitische Annalen. gin Centralblatt fir Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. Dt. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Schreiben aus Gallizien. — HöclMdter, Gutachten über Handgclöbniß. — MaimonideS und die Nabdinen der germanischen Welt, von A. Kobn. — Nachrichten und Corresponvenzen: Trier; Hohenems; Hungen; Wien. — Bemerkungen zur Sal. Bibel. Schreiben aus Gallizien. (Vom Vers, des Aufsatzes in No. 22.) (Fortsetzung.) Anlangend den Gegenstand, um den sich's handelt, bin ich um so weniger geneigt, meines Entgegners Ansichten zu bestreiten, als dieselben keineswegs neu und die dagegen zu erhebenden Erinnerungen ebenfalls zur Genüge bekannt sind, unser Raum aber eine ausführliche Controverse nicht gestattet. Meine Absicht geht nur dahin, die ausgestellten Behauptungen, welche jenem ganz grundlos erscheine, zu rechtfertigen. Gesetzt, ich wollte ihm zugeben, daß alle Anordnungen, Einrichtungen und Entscheidungen des Thalmud wirkliche, unveränderte Ueberlieferung wären ohne Zusatz oder Verminderung — was indeß nicht der Fall ist, — so könnte auch dies nicht den Ausspruch entkräften, daß die Quelle dieser Traditionen, wie sie vorliegt, nicht mehr in ihrer Reinheit da ist, indem schon die Mischna, noch che die Vf. der G em ara ihren Commentar dazu machten, Fehler enthielt, auf welche die letztern fußten. Wenn nun diese Commentatoren der Mischna, welche aus jedem Wort derselben unzählige einzelne Bestimmungen entwickelten, nicht einmal die Unrichtigkeiten, welche sie ihren Entwickelungen zum Grunde legten, wahrnahmen, so ist dieß doch wahrlich das vollgültigste Zeugniß, daß sie als Menschen irrten, nicht im heiligen Geist schrieben, sondern mir ihrem Verstände zu Werke gingen, und daher bisweilen falsche Schlüsse zogen! Und sobald erwiesen ist, daß die Mischna nicht mehr fehlerfrei vorliegt, so liegt es ja in der Natur der Sache, daß nicht jedes ihrer Worte als Heiligthum betrachtet werden darf, vielmehr die Kritik aufgefordert werden muß, sie näher zu prüfen und zu beleuchten! Zudem gilt aber auch noch der Grundsatz, daß die Gesetzbeschlüsse (Halachoth) aus der Mischna unmittelbar nicht entnommen werden dürfen! Wir müßten uns also an die Gemara halten. In welchem traurigen kritischen Zustande aber diese sich befindet, weiß jeder Sachkenner. Denn außer den vielen Zusätzen ganzer Stücke, wovon der berühmte Brief des R'. Scherira im Juchasin spricht (wenn das Älavli80r Vitri dieses Zusetzen leugnet, so ist das eine volle Unwahrheit) und außerdem daß spätere Gelehrte noch ihre Hand daran legten (Thosaph ad Chethub. 2) bezeugt auch A su l a i, ein zuverlässiger Litcraturkenncr *), er habe Handschriften des Thalmud gesehen, in denen viele schwierige Stellen fehlten, und folglich herrscht auch hier keine *) S. schein haggdoliro II. Buchst, j Ans. lieber Asulai vergl. De Rcssi diz. stör, und unsere Geschichte der Israeliten.