Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 35 (30.8.1839)
- Date
- 1839-08-30
- Page
- Seite 280 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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280 Literatur. minn pim oder dringlich gewordene Befestigung -er mosaischen Lehre durch die Reformen des jüdischen Ritualwesens. Von vr. M. Creizenach. Frankfurt a. M. 1839. Andreäische Buchhandlung. VI. u. 215 S. 8. Dieses Werk, welches auch als dritter Theil des 8eKuIchan Aruch desselben Vers, erscheint, behandelt mit der unserm Autor eigenen Gediegenheit des Ausdrucks und umsichtigen Gelehrsamkeit eine große Anzahl wichtiger Fragen, welche heutiges Tages unsere theologische Welt eben so sehr beschäftigen, als sie durch ihren Einfluß auf religiöses Leben jedem sachkundigen Laien von hoher Bedeutsamkeit sind. Die jüngsten Verordnungen in Laiern, so wie manche Maßregel in andern Ländern machen es nothwendig, den Begriff der sogenannten Neologie genauer zu untersuchen, und falsche Ansichten, welche man in die Gesetzgebung einzubrängen sich bemühet, sorgfältig zu beleuchten; die reformatorischen Versuche und Vorschläge erfordern eine gewissenhafte Prüfung von verschiedenen Standpunkten aus; Prinzipien zu richtigem Verfahren müssen aufgesucht werden, die Gränzen sind abzustecken, um Willkühr zu vermeiden; eine wissenschaftliche Würdigung der ältern Religionswerke war dabei unvermeidlich, und dasjenige, was etwa einer allgemeinen Annahme werth sein möchte, war mit möglichster Bestimmtheit vorzutragen. Dieser großen Arbeit, welche nur durch eine weit ausgebreitete Belesenheit, verbunden mit erfahrenem praktischem Blick, und einem auf Widerspruch gefaßten Muth, zu bewerkstelligen ist, hat sich Herr vr. Cr. in vorliegender Schrift unterzogen, und wir dürfen behaupten, daß sie auch denen, welche theilweise oder ganz die Ergebnisse seiner Forschungen bestreiten, mannigfache Belehrung und interessantes Material darbieten werde. Ein Urtheil darüber zu fällen, steht uns hier noch nicht zu; inzwischen hegen wir den Wunsch, daß diese Schrift recht sehr verbreitet, und deren Inhalt nach allen Seiten hin geprüft und gewürdigt werden möge. ' Nekrolog. In der Mittagsstunde des 14. dieses Monats verließ unser sehr geliebter Rabbiner Jonathan Ellinger das diesseitige Leben in einem Alter von 67 Jahren, zum größten Leidwesen seiner ihn mit der größten Hochachtung und Liebe stets verehrenden Gemeinde, welches sich noch steigerte durch den Umstand, daß sein Hinübergang auf eine so schnelle und plötzliche Weise erfolgte. Es waren kaum drei Tage, als wir ihn noch rüstig und in seiner vollen Gesundheit sein Amt verwalten sahen, ohne auch nur eine Ahnung von dem uns so bald ereilenden traurigen Schicksale zu haben. In einer Unterhaltung mit einigen Freunden wurde er plötzlich vom Schlage gelähmt; kein Laut entfuhr mehr seinen Lippen, bis es dem Herrn gefiel, unfern verehrten Lehrer nach mehrtägigem jammervollen Leiden in ein besseres Leben abzurufen. Groß ist der Verlust unserer Gemeinde. Achtzehn Jahre lang hat er derselben mit Würde vorgestanden, die Liebe und Achtung eines Jeden gewinnend, der nur ihn einigermaßen kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Seine hohen Tugenden waren es besonders, die ihn seiner Gemeinde so werth und theuer machten. Obgleich der alten Zeit angehörend und allen Neuerungen abhold, trat er dennoch den bei hiesigem Gottesdienste eingeführten Verbesserungen nicht feindlich entgegen. Der Friede seiner Gemeinde lag ihm zu sehr am Herzen, als daß er durch hartnäckiges Widerstreben gegen noththuende Umänderungen denselben hätte stören wollen, obgleich es ihm, seiner Ansicht nach, lieb gewesen wäre, dieselben nicht Hervorrufen zu sehen. Sehr viele, theils schon Rabbinate verwaltende, theils noch ohne Anstellung lebende jüdische Theologen verdanken ihm ihre Kenntnisse des Talmuds, den er seinen Zuhörern mit dem erstaunlichsten Scharfsinne, den er in einem so reichen Maße neben einem sehr starken Gedächtnisse und einem gründlichen Wissen besaß, vortrug. Er hinterläßt viele Manuskripte, von denen manche vielleicht zum Drucke nicht ungeeignet wären. Bingen, den 18. August 1839. Ben Israel, ein Schüler des scl. Ellinger. Anzeigen. So eben ist erschienen und durch alle guten Buchhandlungen zu erhalten: .am rrrto (Dalalat al Ilaiirin.) Zurechtweisung der Verirrten, ins Deutsche übersetzt mit Zuziehung zweier arabischen Manuskripte und mit Anmerkungen begleitet von vr Simon Scheyer. Frankfurt a. M. in Commission der Jäaer'schen Buch-, Papier- und Landkartenhandlung, fl. 4. 30 kr. Rthlr. 2. 12 gr. Dieses unter dem Namen voetor perplexorum der gelehrten Welt bekannte Werk von Maimonides bedarf wohl hier keiner Empfehlung. Uebcr seinen hohen Werth für Bibelkunde, Religionsgeschichte und Philosophie hat die Stimme von sechs Jahrhunderten entschieden. — Eine deutsche Bearbeitung des Werkes war daher schon längst ein tief gefühltes Bedürfniß; diesem konnte aber, da das arabische Original bisher unzugänglich war, erst jetzt abgeholfen werden. — Die angezeigle Bearbeitung des wegen seiner praktischen Richtung zuerst erschienenen dritten Theils hat in den jüdischen Annalen No. 6 von dem rühmlichst bekannten Herrn vr. Creizenach seine Würdigung erhalten und ist von dem Publikum beifällig aufgenommen worden. — Diesem dritten Theile werden der erste und zweite Theik, unmittelbar aus dem arabischen Originale übersetzt, in Kürze folgen. Der Unterzeichnete besitzt eine bedeutende Sammlung hebräischer und rabbinischer Schriften jeder Gattung zum Verkaufe. Freunde dieser Literatur sind ersucht sich wegen ihres Bedarfs an ihn zu wenden. Auch kauft und tauscht derselbe alte und neue Werke gern ein. Dr. 3» Heinemann in Berlin, neue Friedrichsstraße No. 102. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.