Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 35 (30.8.1839)
- Date
- 1839-08-30
- Page
- Seite 273 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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30. August. Nw 35. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt * für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. I o st. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Religionsunterricht. Frage an die Rabbinen Württembergs. — Schreiben aus Gallizien. — Briefwechsel über religiöse Zustände. — -MaimonideS und die Rabbinen der germanischen Welt, von A. Kohn. — Nachrichten und Eorrespondenzen: AuS d.R.B.Koblenz; Aus Schwaben; Amsterdam.— Bemerkung zu unsrer Note S. 211.— Literatur. — Nekrolog. — Anzeigen. Religionsunterricht. Frage an die Rabbinen Württembergs. (Von einem Rabbiner.) Ueber den religiösen Glauben an einen Messias, der übrigens im Judenthume eine sehr untergeordnete Rolle spielt, und mir Recht von A lbo für keine Grund lehre (-ipy) anerkannt wird, gibt es bekanntlich heutzutage unter uns zwei verschiedene Ansichten. Nach der neuern, mehr rationaliftischen, enthält dieses Dogma nichts Anders, als die von den Propheten mit so lebhaften Farben geschilderte trostreiche und erhebende Verheißung, daß einst wahre Gotteserkenntniß und Gottesverehrung auf der ganzen Erde verbreitet seyn, und in Folge derselben Frieden und Liebe unter den Menschen allgemein herrschen werden. Daß dem gesammten Israel dann auch das ihm so lange vorenthaltene Recht wieder werden, daß diese allgemeine Wohlthar es, von dem das Licht ausgegangen und weiter ausgehen soll, mit einer besonder« Glorie umgeben wird, verstehet sich dabei von selbst, und bildet das eigenthümliche erhöhere israelitische Interesse an dieser Verheißung. Von einem persönlichen Messias, den Israel zu erwarten hätte, ist da keine Rede, was Niemand als eine Ketzerei betrachten darf, da R. Hillel im Thalmud (Sanhedrin f. 99, a.) gleicher Meinung ist, und der viel später lebende R. Joseph gegen ihn nur Zach. 9 geltend macht, welches Kapitel schon von alten Kommentatoren auf die Haschmonäischen Helden gedeutet wird. Sehr begreiflich ist es dagegen, wenn in den Zeiten des Druckes der mehr separatistische, am Buchstaben vieler Prophetenftellen sich haltende Glaube in der Synagoge Wurzel faßte, vermöge dessen wir einen eigenen König aus dem Hause Davids, einen Maschiach, Gesalbten Gottes, als Erlöser zu erwarten hätten, der ganz Israel in das Land seiner Väter wieder versammeln, und durch eine höchst weise und milde Regierung nach dem mosaischen Grundgesetze beglücken werde. Der Vorwurf des Materialismus und Egoismus, der dieser Glaubenslehre von christlicher Seite gemacht wurde, ist völlig grundlos, da die glänzende Wiederherstellung Israels von den Höherstehenden nie als das höchste Gut, als Selbstzweck, betrachtet wurde, sondern nur als Mittel, damit es fortan treuer und reiner dem Einigeinzigen diene, und seine Erkenntniß und Verehrung auf Erden fördern könne, wie sich Maimonides (crata C. 11,19, u. a. a. O.) deutlich darüber ausspricht, und dabei erklärt, daß der Messias durch kein Wunder seine Sendung zu dokumentiren brauche.