Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 34 (23.8.1839)
- Date
- 1839-08-23
- Page
- Seite 265 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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23. August. Ns° 34. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegcben von Dr. I. Dk. Jost« Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Ideen über die Juden in der modernen Poesie. — Briefwechsel über religiöse Zustände. — DaS rationale Judenthum. — Nachrichten und Eorreivondenzen: BreSlau; Warschau; Jamaica (Schluß). — Literatur — Bemerkungen zu vr. Salomonü Bibelwerk. — Nachträglich zu Nr. 32.— Beantwortungen. — Anzeigen. Ideen über die Juden in der modernen Poesie, mit Beziehung auf Czynki's Boi des paysans. Das Schicksal der jüdischen Nation hat einen so wahrhaft poetischen Charakter, daß man sich nicht wundern darf, die zerstreuten Reste derselben, in den Mährchen des Mittelalters und in der Poesie der modernen Völker wiederzufinden, in deren Mitte sie durch die Mitwirkung der Geschichte so eigenthümliche Züge entwickelten. Ja es boten sich hier, so lange der Druck schwer auf ihnen lastete, und Verfolgung und Widerstand immerfort ihre Gefühle, ihre Denk- und Handlungsweise bestimmten, die mannigfachsten Stoffe zu anziehenden Gemälden dar, bald heroische Ergebung oder Erhebung, bald kriechende Schlauheit, bald weitschauender Unternehmungsgeist, bald kleinliche Beschränktheit, bald eine durch Unglück geläuterte Milde, bald ein bis zur höllischen Rache empörtes Gemüth, bald Stolz auf unverdientes Leiden, bald Bitterkeit gegen die Härte des Geschickes, ja selbst zur Satyre gab es hin und wieder, besonders in neuerer Zeit, da die europäische Bildung noch nicht überall gehörig wurzelt, und daher oft carricaturartig angenommen worden, Gelegenheit. In der That haben einige der größten Dichter, namentlich der epischen und dramatischen, ihre Welten auch mit jüdischen Figuren belebt, und je nach der Art der Anschauung, die ihnen zugänglich war, ihre Gestalten gezeichnet. Es wäre eine recht interessante Aufgabe, die hierin wahrzunehmenden Verschiedenheiten der Auffassung, seit dem Wiederaufblühen der edlern Poesie in Europa, etwa von Shakespeare herab, zusammenzuftellen und ihre Gründe aufzusuchen; denn es ist klar, daß die Dickte» selbst nach Völkern und Zeiten und Gelegenheiten sich ihre Begriffe von den Gegenständen bilden. Ein Jude, abgesehen von der Verschiedenheit seiner besonder» Rolle und seines Charakters im Drama oder Epos, ist ein anderes Wesen dem Shakespeare, ein anderes dem W. Scott, ein anderes dem Lessing u. s. f. Während es dem großen Naturdichter darauf ankommt, die innere Geistes- und Gemüthswelt seines dramatischen Charakters in ihrer ganzen Tiefe hervortreien zu lassen, sucht der historische Maler nur die durch innere Eigenheit und äußere Einflüsse gestaltete Figur klar anschaulich und ergötzlich zu schildern, der Philosoph dagegen benutzt den lehrreichen Stoff zu großartigen Betrachtungen, und zur Aussöhnung des Gemüthes mit dem Unbegreiflichen, und der Humorist macht flüchtige, obwohl schlagende und Eindruck hinterlaffende Bemerkungen über das Seltsame und Auffallende! Man gehe die dichterischen Gestalten der Juden in den Roma-