Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 29 (19.7.1839)
- Date
- 1839-07-19
- Page
- Seite 225 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1839 19. Juli. N? 29 Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. I o st. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Angelegenheiten des EulruS; Jakobson und die neuern Richtungen. — Briefwechsel über religiöse Zustände. — Literarische Studien, von S. M eklenb u r g. — Nachrichten und Correspondenzen: Rheinbaiern; Bernburg; Dessau; Orient. — Literatur (Exegese; Streitschr.; Predigten). — Anftage. — Bemerkung aus Dresden. — Anzeigen. Angelegenheiten -es Cultus. Jakobson und die neuern Richtungen. (Dom Herausgeber.) Unter den mancherlei streitigen Punkten, welche in diesem Jahrhundert die Israeliten beschäftigt und oft gar heftige Aufregungen veranlaßt haben, nimmt die Form des Gottesdienstes die erste Stelle ein. Nichts ist natürlicher. Der öffentliche Gottesdienst bildet den Sammelplatz aller Glieder der Gemeinde, und den gemeinsamen Ausdruck der konfessionellen Seite der Religion durch Gebet und Gebräuche; und die mehr oder minder sich ähnlich bleibende Hauptform des Gottesdienstes an verschiedenen Orlen und in verschiedenen Gemeinden bildet die confessionelle Einheit Aller. Keine Dogmen und kein Unterricht tragen so stark bindende Kraft an sich, wie die einem jeden von früher Kindheit an geläufigen liturgischen Formen, welche mit der Zeit unerschütterlich eingewurzelt, eigentlich nicht nach ihrem Inhalte, sondern mehr nach ihrem ceremoniellen Werth beurrheilr und begriffen sein wollen. In diesen wenigen Worten haben wir auch zugleich den innern Grund der ungemeinen Schwierigkeit jeder Abänderung angegeben. Dieser Grund macht sich nämlich nach zwei Richtungen, einer objektiven und einer subjektiven, geltend. Objektiv findet jede Aendcrung ihren Widerstand in der ungemein weiten Verbreitung der Gemeinden über das ganze Erdenrund. Daß in dem Gottesdienste der konfessionelle Inhalt nicht angegriffen werden darf, versteht sich von selbst. Um also zu irgend einer Verbesserung zu gelangen, und deren allmähliche Nachahmung oder mindestens Billigung voraussetzen zu können, muß erst, was sehr schwierig ist, der eigentliche konfessionelle Kern, das Unerläßliche des Inhaltes und der Form ermittelt werden. Von dieser Seite haben die gelehrten Theologen die Sache zu behandeln und sich unter einander zu verständigen. Bis jetzt ist, so viel wir wissen, in dieser Hinsicht noch gar keine klare Untersuchung angestellt worden; alles was geschehen ist, hatte mehr zum Zweck, einzelne kleinere oder größere Veränderungen als zulässig und heilsam zu rechtfertigen. Aber was den eigentlichen Gottesdienst in der Synagoge conftituire, und wo die Gränze zwischen dem Nothwendigen und dem Willkührlichen anzurreffen sei, damit in dem Letzter» die Mängel genauer beleuchtet und dem Bedürfnisse der Zeit mir richtigem Takte entsprochen werden könne; diese Frage ist noch unbeantwortet; wenn gleich das geschichtliche Material zu ihrer Lösung durch die immer tiefer eingehenden Forschungen der neueren Kritiker sich sehr zweckmäßig zu läutern beginnt. Aber auch die äußere Seite des Objektiven hat