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Israelitische Annalen · 1839-07-05 · Heft 27 (5.7.1839) · p. Seite 209

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 27 (5.7.1839)
Date
1839-07-05
Page
Seite 209 (sequence 1)
Language
German
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s. Juli. Nr° 27. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. At. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Stabilität und Reform. — Uebcr dar Verbalten bei Sterbenden. — Die neuesten Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft (Fortsetzung.) — Briefwechsel über religiöse Zustände. — Nachrichten und Correspondenzen: Gropherzvgthum Weimar; Sachsen-Meiningen; Rbeingegend; Königreich Würtemberg; Großherzogtbum Baden; vom Neckar; St. Gallen (Schluß). — Erinnerungen von vr. S a l o m o n rc. (Forts.) — Beantwortungen:c. Stabilität und Reform. (Von einem Rabbinen aus Würtemberg.) Diese beiden Begriffe stehen gegenwärtig einander gegenüber, und zwar nicht mehr bloß im Leben, als eine starre Gewohnheit einerseits und Verwerfung derselben zu Gunsten einer freier» Entwickelung andrerseits, sondern vielmehr als ein mit Bewußtsein auf beiden Seiten vertheidigter Gegensatz, als ein wirklicher Geifteskampf. Dieser scheinbare Zwiespalt ist weder niederschlagend noch betrübend; ja man könnte sagen, er müßte entstehen, wenn in dem innern religiösen Leben eine kräftige jugendliche Frische erwartet werden, nicht alles in Mattigkeit und Erschlaffung hinfterben sollte. Ohne einen kleinen Kampf erkaltet der Eifer und sinkt der Enthusiasmus für das Gute. Die Polemik von Seiten der ftrengern Anhänger der Stabilität darf man sogar als eine dankenswerthe Erscheinung begrüßen. Ohne eine solche öffentlich kundgegebene Aufregung hätte man leicht dem Wahne Raum gegeben, die Rabbinen fühlten sich in ihrem System so sicher und unerschütterlich, daß sie von dem Streben und den Arbeiten der jüngern Gelehrten gar keine Notiz nehmen, daß ihnen die literarische Auferstehung unserer klassischen Periode, die edlere Kritik, welche sich von der scholastischen Spitzfindigkeit vergangener Zeiten frei hält, gleichgültig bleibe, daß sie alle Erscheinungen der Gegenwart mit vornehmem Lächeln überblicken, und mit Zuversicht auf deren baldiges Verschwinden rechnen; daß sie in den Kämpfen der jüngern Forscher nichts weiter wahrnehmen, als ein jugendliches Aufbrausen, welches man nur austoben lassen müsse. Durch ihr Hervortreten aber haben sie die Notiznahme thatsächlich bewiesen; sie thun bar, daß die Sache größere Aufmerksamkeit verdiene, und finden es für nörhig, nicht mit Verachtung zuzusehen, sondern mir Gründen und Beweisen ihre Sache zu vertheidigen. Gegenseitige Achtung giebt dem Streite eine höhere Bedeutung und ein edleres Ansehen, beide Theile müssen sich gelehrten Widerspruch und literarische Argumentationen gefallen lassen. Beide sehen sich zu grünblicherm Arbeiten gezwungen. Dabei gewinnen offenbar die Partheien sowohl als die unpartheiischen Zuschauer an Einsicht und Klarheit, und die kleinen, dabei vorfallenden und fast unvermeidlichen Ungebührlichkeiten werden gern übersehen. Indessen ist es wünschenswerth, daß der Streit sich nicht, wie es leider bereits geschieht, in unbedeutende Kleinigkeiten verliere und die Welt mir Kindereien behellige, denen kein vernünftiger Mensch einen Werth beilegen mag, deren ernste Behandlung aber manchen Befangenen noch mehr umstrickt. Insbesondere muß es getadelt werden, wenn danach gestrebt wird, die gesuchtesten Meinungen als allgemein geltend auf-

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