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Israelitische Annalen · 1839-06-28 · Heft 26 (28.6.1839) · p. Seite 201

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 26 (28.6.1839)
Date
1839-06-28
Page
Seite 201 (sequence 1)
Language
German
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1839. S8. Juni. Nw 2«. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen lobl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Tradition und Talmud. — Die neuesten Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft (Fortsetzung.) — Nackrickten und Correspondenzen: St Gallen. — lieber die VerfassungS-Perbältnisse der iSr. Gemeinde zu Dresden (Schluß.) — Literatur. — Erinnerungen von Ur. Salomon :c. — Anzeigen. Tradition nnd Talmud. *) (Gegen den ersten Aufsatz in Nr. 22.) Die jüdische Religion ist nicht blos eine innere, sondern auch eine äußere Religion. Erkenntniß dieser Religion und ihrer Gebräuche ist Jedem nothwendig, wenn er den Endzweck derselben, höchste Heiligkeit und daraus fließende höchste Glückseligkeit erreichen will. Eine solche hinlängliche Erkenntniß konnte die h. Schrift nicht gewähren, da die Israeliten in ihrer damaligen Kindheit und bei ihrem Hang zum Gözzendienfte, welchen sie aus Aegypten mitgebracht hatten, mit besonderer Vorsicht behandelt werden mußten, und ihre Vernunftbegriffe damals noch zu wenig entwickelt und ausgebildet waren, um alle Elemente des Glaubens fassen zu können, die *) Wir theilen den folgenden Aufsatz, welcher die entgegenstehende Ansicht zu vertheidigen sucht, der Unparteilichkeit wegen mit, und enthalten uns aus gleichem Grunde aller Gegenbemerkungen, zu denen insbesondere das Historische Stoff darböte. Unsre Leser mögen so nicht bloß mit der Sache bekannter werden, sondern auch die Kraft der gegenseitigen Argumente würdigen. Wir wünschen jedoch auf diese Angelegenheit nicht zu oft zurückzukommen, und überhaupt über dieselbe nur das in den Annalen aufzunehmen, was neues Licht in die Sache bringen kann. D. H. Schrift daher weder alle Wahrheiten (z. B. Auferstehung, Belohnung und Bestrafung in der andern Welt,) mittheilt und alle Gesetze, noch auch diejenigen Wahrheiten, welche sie wirklich enthält, mit der erforderlichen Deutlichkeit darleget. Es mußten also den Israeliten noch andere Mittel an die Hand gegeben werden, wodurch sie zur umfassenden Erkenntniß ihrer Religion gelangen können. Außer der heil. Schrift kann es kein anderes Mittel geben, als die mündliche Tradition, welche die Religionswahrheiten erläutert, die in der Schrift nur in verhüllten und verschleierten Andeutungen niedergelegt wurden; und nur durch die Tradition kann selbst das Ansehen und der göttliche Ursprung der heil. Bücher, so wie ihr ächter Inhalt ausgemittelt und dargethan werden. Bei mündlichen Traditionen können aber auch mancherlei Zweifel, sowohl ihren Ursprung, als auch ihren wahren Sinn betreffend, obwalten, da in der Länge der Zeit die Quelle der Ucberlieferung getrübt wird und Jrrthümer und Verschiedenheiten in der Ausübung der Gesetze sich einschleichen. Mündliche Traditionen mit der h. S. verbunden können daher nicht immer alle Zweifel über Religionswahrheiten und religiöse Gebräuche heben. Es ist daher noch ein anderes Kennzeichen nöthig, das kann nur der untrügliche Ausspruch der Synagoge sein, dem sich alle Juden zu unterwerfen

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