Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 25 (21.6.1839)
- Date
- 1839-06-21
- Page
- Seite 193 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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SI. Juni 1839 Nr° S5. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegebc» von vr. I. 20*. Zost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen lödl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Die Wabl eines geistlichen Oberhaupts der Amsterdamer Gemeinde. — Nachtrag zu den Verhandlungen über den Bürgernd. — Die neuesten Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft (Fortsetzung.) — Nebersicht der Neu-Hebräischen Literatur weltlichen Inhalts (Fortsetzung). — Historische und literarische Analecren, von vr. Carmoly. — Versuch« einer Nachbildung rc.. von Karl Krafft. — Jüdische Dichtungen von Karl Krafft. — Nachrichten und Correspondenzen: Luxemburg; Pfalz; BreSlau. - lieber die VerfassungS- Verhältnisse der iSr. Gemeinde zu Dresden (Forts.) - Literatur. D i e Wahl eines geistlichen Oberhaupts der Amsterdamer Gemeinde. Das seit Ende vorigen Jahres erledigte Ober- Rabbinat zu Amsterdam ist jetzt ein Gegenstand, welcher die Aufmerksamkeit nicht bloß der Holländer, sondern auch der auswärtigen Israeliten in Anspruch nimmt; die Wahl wird einen Beweis aufftellen, ob die größte israelitische Gemeinde auf der Erde bereits die Anforderungen der Zeit kennt und würdigt oder nicht. Eine in Amsterdam in Umlauf gesetzte anonyme kleine Schrift — Hot Amsterdaamsclie Opper-Rabbiuaat (ohne O. und I.) — sucht in der Form eines Sendschreibens auf die allgemeine Stimmung zu wirken, und insbesondere der Gleichgültigkeit, mit welcher die Entscheidung einer so wichtigen Sache am Ende einigen Wenigen überlassen wird, entgegen zu arbeiten. Wir setzen die Hauptgedanken dieser Schrift hierher; sie sind auch an andern Orten der Beachtung werth. „Die Wahl eines Ober - Rabbiners zu Amsterdam ist für alle holländischen Gemeinden von der höchsten Wichtigkeit. Er ist Vorsitzer des Rabbinats-Collegiums; er hat die Aufsicht über alle isr. Religionsschulen im Lande; er leitet das Seminar, .die Pflanzschule künftiger Geistlichen! Er hat also mittelbar Einfluß auf alle Gemeinden und auf alle ihre innern Angelegenheiten, und dieser ist schon bedeutend durch die übergroße Zahl der Gemeinde, welche unmittelbar unter ihm steht!" „Sie ist aber auch an sich bedeutsam, indem durch sie in einer so großen Gemeinde der Geist sich ausspricht und irgendwohin die Schale neigt. In Amsterdam stehen die Partheien einander sehr schroff gegenüber. Auf der einen Seite herrscht völlige Negation; für eine ziemliche Anzahl von Mitgliedern giebt es eigentlich keine Religion, keinen Gottesdienst, keinen Festtag — theilweise auch keinen Werktag! Alle solche sind in der israelitischen Gemeinde bloß, weil sie keiner Christlichen angehören! Auf der andern Seite ist des Positiven kein Ende. Alles was hier geschieht, erhält eine religiöse Form; außer den schon stark in's Leben eingreifenden Gebrauchen, belastet man sich mir besondcrn Feier- und Festtagen, hält noch abgesonderten Gottesdienst, häuft Gebete auf Gebete. Da har nun der Geistliche, welcher auf beide einwirken, mindestens aber die Achtung aller sich erwerben soll, einen schweren Stand." „Eine vermittelnde Stimme muß hier eintreten, um vor Einseitigkeit zu warnen^und Umtrieben zu begegnen, welche hie und da gemacht worden, um bloßen Privatansichten den Sieg zu verschaffen, oder gar den blinden Eifer der großen Masse anzuregen. Dieß wird hier insbesondere nöthig, da