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Israelitische Annalen · 1839-06-14 · Heft 24 (14.6.1839) · p. Seite 186

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 24 (14.6.1839)
Date
1839-06-14
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 Hebel im Auge haben, immer nur das physische Dasein zu verbessern beabsichtigen, währendie geistige Verkümmerung so vieler Israeliten, besonders in sehr zahlreichen Gemeinden, wo viel Armuth herrscht, und auf dem Lande, wo es an Gelegenheit zum Unterricht und insbesondere zur Selbftbclehrung fehlt, alle Bessergesinnren auffordern sollte, für die Veredelung der Gesinnung und Erhebung der Sittlichkeit thätig einzuschreiten. Selbst die physischen Leiden sind oft erst eine Folge sittlicher Verwahrlosung. Diese unstreitige Wahrheit hat bei Einsender dieses den Gedanken hervorgerufen, daß es wohl an der Zeit sein mochte, einen Verein zur Verbreitung nützlicher, besonders religiös-fittlicher Schriften unter das Volk, zu gründen, und somit einem recht dringenden Bedürfniß abzuhelfen. Frankfurt am Main dürfte sich am Meisten dazu eignen, das Centrum eines solchen Vereines zu bilden, dessen Verwirklichung nur eine geregelte Thätigkeit, nicht aber große Opfer erfordert. Es ist sicher, daß sich ihm bald eine Menge Filial-Vereine anschlicßen und segenreich auf die Volksbildung wirken würden. Nachschrift des Herausgebers. Wir haben obigen Aufsatz in der sichern Ueberzeugung ausgenommen, daß der darin gemachte Vorschlag allgemeinen Anklang finden werde. Wer die Zustände, welche auf dem Lande und an kleinern Orten jeden Menschenfreund mit Betrübnis erfüllen, näher kennt, muß dem Verfasser bcistimmen, daß sehr viel Elend aus irrigen Begriffen herrührt, aus solchen Vorstellungen von wahrem Lebensglück, von dem, wonach der ächt-religiöse Mensch zu streben habe, von dem, was ohne Verletzung der Religionsgebrauche dennoch im bürgerlichen Leben geschehen kann, um in allerlei Thätigkeiten und Berufsarten eine achtbare Stellung einzunehmen. Die Unwissenheit ist das eigentliche Nebel, und zwar nicht die Unwissenheit in Betreff einiger Schulkcnntnisse, die man bald erwirbt, sondern in den ersten Grundideen des religiös-sittlichen Lebens, welche oft in der Schule nicht Wurzel fassen, oder mit dem Austritt aus der Schule erst den mannichfachen Bestrebungen und Versuchen einer fast ohne Aufsicht und Leitung Heranwachsenden, der Verführung und der eigenen Rohheit leicht verfallenden Jugend, oder wenn diese üderstanden ist, den Sorgen und Anstrengungen Raum machen, welche sich meistens vergeblich abmühen, bis nichts übrig bleibt, als Verzweiflung, Krankheit und Elend — physisches und sittliches zugleich. Diese Verzweiflung rührt eben daher, daß die Mehrzahl immer noch dem Handel zugewendet ist und nur dessen Ideale vor Augen hat. Der ganze Eifer des kleinern Handels besteht nur in dem Streben zu erwerben, nicht in der Freude des Schaffens und Wirkens; daS ganze Ziel besteht in dem Vortbeil, der errungen wird, nicht in dem Werke, daS die Tbaligkeit hervorgedracht hat; der Verdruß deS Mißlingens ist bann um so größer, als gar kein Trost damit verbunden ist, während der ächte Fleiß, selbst in minder günstigen Zeiten, nicht ganz verfällt, auch stets noch auf eigene und fremde Achtung Anspruch machen kann, und immer von neuem beginnt, und durch neue Hoffnung belebt wird. Es muß alles aufgeboten werden, um dem unwissenden Volke diese Begriffe beizubringen, damit alle, denen die Gelegenheit keine Lockung zum Bessern darbietet, durch innere Ueberzeugung sich angeregt und fortwährend bestärkt fühlen, eine edlere Lebensbahn, und böte sie auch nur einfache Nahrung und stille Häuslichkeit dar, zu wählen und in ihr zu beharren, ohne sich blenden zu lassen, und nach Unerreichbarem zu haschen. Es muß namentlich viel gethan werden, um die dienende Classe mit edlern Begriffen von wahrer Sittlichkeit zu erfüllen, und sie mit einer klaren Erkenntniß von ihren künftigen Pflichten für den Fall, daß sie eine gewisse Selbstständigkeit erreichen, auszurüsten; damit sie nicht durch Eitelkeit und mißverstandenen Ehrgeiz weiter hinausstreben, als ihre Verhältnisse gestatten. Alles dies kann, wenn auch nicht ganz, doch theilweise durch Verbreitung nützlicher Volksschriften geschehen; — und wirken diese auch nicht auf alle Individuen, so darf man es für hinlänglich halten, wenn von 10 oder 20 auch nur einer dadurch auf den rechten Weg gebracht wird. Dazu empfehlen wir obigen wohlgemeinten Vorschlag. — Wir halten diese Andeutung vorläufig für genügend, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Sollte es uns gelingen, einen bestimmten Plan zur Ausführung, wozu wir gern ein Eomite bilden möchten, zu erlangen, — und wir bitten Sachkenner um geeignete Mitlheilungen und Erfahrungen — so werden wir seiner Zeit in den Annalen darüber eine kurze Nachricht geben; dagegen sind wir gesonnen,. alles was sonst in dieser Angelegenheit geschieht, Statuten, Sudscriptionen, Fortgang u. s. w. durch ein von Zeit zu Zeit beizulegendes Extrablatt zur Kenntniß der Interessenten zu bringen. Die neuesten Leistungen auf dem Gebiete -er Wissenschaft. (Fortsetzung.) Vor allem müssen wir der thä'tigcn Officin des Herrn M. I. Landau in Prag ehrend gedenken. Sie steht unter der Leitung eines Unternehmers, welcher selbst sich schon einen rühmlichen Namen in dieser Literatur erworben, und erhöhet nun sein Verdienst durch Veröffentlichung der anerkanntesten Werke in guten Ausgaben, so wie durch neuer Geiste spro- I dukte, welche das Feld der Wissenschaft wiederum

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