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Israelitische Annalen · 1839-06-07 · Heft 23 (7.6.1839) · p. Seite 184

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 23 (7.6.1839)
Date
1839-06-07
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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184 solche hier nicht statt. — Wenn Herr Rabbiner Rosenseld in den kalten Wintermonaten nicht predigt, so geschieht dieß im Willen seiner Gemeinde, wie dieß auch an andern Orten der Fall ist; desto öfter bietet er und sein derzeitiger Assi, stent, der Rabbinatskandidat Klein, in den übrigen Monaten Belehrung und Erbauung durch religiöse Vorträge. In der Synagoge thut und spricht man nicht Alles, „wie in der finstern Vorzeit." Freilich betet man in hiesiger Synagoge noch die eingeführten Gebete und Piutim, jedoch mit zweck- und zeitgemäßen Abänderungen und Weglassungen. Mißbräuche und Uebelstände sind, seitdem Herr Rabbiner R. hier fungirt, mit Ernst aber auch mit Ruhe abgeschafft. Ja, man darf es an Bamberg rühmen, daß vielleicht nirgends so wie hier, die Gemeinde mit ihrem Rabbiner in achtungsvoller Eintracht lebt, daß die Gemeinde gerne entgegen kommt, wo es sowohl bessern Einrichtungen, als zeitgemäßen Abänderungen gilt und baß der Rabbiner als ein Muster der Friedfertigkeit dasteht, dessen Wahlspruch ist, sein Amt sei ein Amt des Friedens, nicht des Habers und Unfriedens. Sogleich nach dem Antritte seines Amtes mußte die früher herrschende Unordnung in der Synagoge einer Synagogenordnung weichen, die vor Allem angemessene Ruhe und Stille und erhebende Andacht zur Grundbedingung machte, und die nach und nach mit Beibülfe der Vorsteher mit Energie durchgeführt auch wirklich ihren Zweck erreichte. Hier zuerst wurden Trauungen mit angemessenen Reden innerhalb der Synagoge vorgenommen, welche Einrichtung von den übrigen Rabbmen gerne nachgeahmt wurde. — Da in früheren Jahren das hiesige Schullehrerseminar von mehreren israel. Individuen besucht wurde, führte der Rabbiner mit Hülfe des Vorsängers und des Religionslehrers nebst dessen Schülern einen geregelten Chor für die Sabbath- und Festtage ein, der bei dem spätern Mangel an Seminaristen und musikalisch gebildeten Chorführern pausiren mußte. Zu all dergleichen Einrichtungen bieten die Vorsteher und Gemeindeglieder bereitwillig die Hand, und giebt es hin und wieder, (wie wohl überall) Einen oder den Andern, dem manche Anordnung nicht nach seinem Geschmacke war ober ist, so verhält er sich doch ruhig und von Aufreizungen oder gar Anklagen bei den Behörden, wie dieß in andern Gemeinden der Fall war, findet sich hier nicht eine Spur, weil der bet weitem größte Theil der Gemeinde friedliebend ist und jede Störung des Gemeinbefriebens sogleich im Keime zu ersticken sucht. — Ein anderer Tadel desselben, der eben so ungerecht ist, trifft die Religionsftbule. — Wenn eine Schule bei der zweimaligen Prüfung im Jahre von der königl. Schulkommission stets mit den belobendsten Ausdrücken zum Fortfahren auf dem betretenen Wege ermuntert wird, wenn der Lehrer in systematischem Gang die Schüler mit den heiligsten Wahrheiten der Religion bekannt macht und ihnen klare Begriffe über Glaubens- und Pflichtenlehren im weitesten Umfange beidringt und dabei durch fleißigen Unterricht im Hebräischen und in der Bibel den Anforderungen auch von Seiten der Eltern zu genügen sucht, wenn die Schule öfters von dem Rabbiner kontrollirt und begutachtet wirb, dann kann man dieselbe wohl nicht „verwahrlost" nennen, dann ist die Behauptung: „daß in keiner Schule weniger geleistet werbe, als hier," nickt sowohl „kühn," als — unbesonnen und invektiv. Daß manches zu wünschen übrig bleibt, liegt, wie überall, an Fehlern der häuslichen Erziehung, welche der Schule in die Hand arbeiten sollte. — Zudem wurde schon vom Herrn Rabbiner, selbst bevor es noch höherer Befehl anordnete, die Feiertagsschule in's Leben gerufen, an welcher nicht bloß kiesige, sondern auch alle fremden Schüler, die hiesige Institute besuchen, Antheil nehmen müssen. Auch ertbeilt der Rabbiner nach einer vor Kurzem getroffenen Anordnung im Sommersemester noch eigens vor dem Abendgvttesdienste an Sabbathen Unterricht in der Synagoge. Eben so ist die Confirmation hier zuerst in Baiern eingeführt, die im Schullokale, in Gegenwart Vieler vorgenommen, immer einen rührenden, hcrzerhebenden Akt bildet. Was endlich die Klage über das tobte (!) Judenthum betrifft, so ist auch hier die Wahrheit nicht gesagt worden. Die Ordnung des Leichenkondukts ist diese: Vor dem Leichenwagen geht der Lehrer mit der Schuljugend, paarweise gereiht, und zunächst dem Wagen der Rabbiner im Ornate, ihm zur Seite die Gemeindeältesten; hinter dem Wagen die Leidtragenden und die begleitenden Gemeindeglieber in anständiger Kleidung zu dreien gereiht; der schwarze Wagen ist mit einer schwarzen Decke behängt, die auf beiden Seiten den Vers Pred. 13, 7. zur Aufschrift hat. Nirgends vernimmt man dabei Gespött, im Gegentheil bezeigen die Vorübergehenden durch Hutabnehmen ihre Achtung. Daß die hiesige Gemeinde keinen eigenen Friedhof besitzt, daran hat nicht „Geiz, Eigensinn und Aberglauben" (!) Schuld, sondern die zur Zett noch übergroßen Lasten und lang verjährte Gemeindeschulben, deren Abtragung sie sich angelegen sein läßt, gestatten noch nicht einen so bedeutenden Kostenaufwand, während bei unumgänglich Nothwendigem kein Opfer gescheut wird. Der Berichterstatter hätte auch nicht urpgehen sollen, daß in hiesiger Gemeinde schon seit mehreren Jahren von der königl. Regierung bestätigte Statuten eingeführt sind, die die Ordnung und Eintracht erhalten, daß die private Mildthätigkeit hier keine Schranken kennt, daß die einheimischen Armen, deren es viele giebt, wöchentliche, so wie andere Hülfsbedürfkige angemessene Unterstützung finden, daß jährlich durch milde Beiträge den Armen Holz für den Winter verabreicht wird, und des Guten recht viel geschieht. — Literatur. Dnpy '□ Grund- und Glaubenslehren der mosaischen Religion, von R. Joseph Albo. Nach den ältesten und correctesten Ausgaben in's Deutsche übertragen und mit Anmerkungen begleitet von W. u. L. Schlesinger. Zweites Heft. Frankfurt a. M. 1839. Mit Vergnügen sehen wir die Fortsetzung der vor zwei Jahren begonnenen Arbeit erscheinen, und können die Vollendung des Ganzen nunmehr bald erwarten. Das Werk ist berühmt genug, um auch in weitern Kreisen bekannt zu werden. Es dient mindestens als Beweis, daß die innere Religionslehre, selbst in finstern Zeiten des Druckes und der,Verfolgungen nicht bloß ihre Bearbeiter, sondern auch ihre Leser fand, welche sich nickt mit der äußern Schale ritueller Formen begnügten, sondern über das Wesen ihres Glaubens dachten, und mit dem Licht ihrer Zeit dasselbe zu beleuchten suchten. Wir sagen wohlbedacht, mit dem Lichte ihrer Zeit, denn das ganze Colorit der arabisch-spanischen Bildung, gemischt mit apologetischem Streben gegen bas immer stärker andringenbe Christenthum, liegt über dem ganzen Werke Aldo's ausgebreitet. Vielleicht ist diese Eigenthümlichkeit und die scholastische Methode des Raisonnements und so manche andere Eigenheit ein Reiz mehr für diejenigen, welche der Gegenstand als solcher weniger interessirt. Die Uebersetzung hält sich (vielleicht etwas zu ängstlich) an das Original, und giebt so viel wie möglich einen getreuen Abdruck desselben; dieß muß man im Allgemeinen billigen. Ausstellungen an einer Arbeit dieser Art lassen sich wohl überall leicht machen; wir entsagen aber gerne einer genauem kritischen Sichtung des Ausdrucks im Einzelnen, da wir im Ganzen den Sinn einfach und verständlich wiedergegeben sehen. Es ist zu wünschen, daß die Herren Verfasser in ihren nützlichen Bestrebungen gerechter Anerkennung begegnen und sich zum weitern Anbau dieser Literatur aufgHordert finden mögen. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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