Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 23 (7.6.1839)
- Date
- 1839-06-07
- Page
- Seite 177 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133790--0205-3134321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7. Juni. Nro 23. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt Geschichte» Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgegeben von Dr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3Rthlr.; man subscribirt bei allen lödl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Die neuesten Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft. — vr. Holdheim, über den Beruf deS Rabbiners. — Historische und literarische Analecten, von l)r. Carmolv. — Literarische Anfragen von Tsarpbati. — Nachrichten und Korrespondenzen: Berichte an« Holland (Schluß); Paris; Sachsen; Bamberg. — Literatur. Die neuesten Leistungen ans -em Gebiete der Wissenschaft. Wer auf die unzählig vielen Schriften, welche jüdische Autoren seit dem Beginne dieses Jahrhunderts in die Welt schickten, auch nur einen flüchtigen Blick wirft, nimmt bald wahr, daß der größte Theil derselben nur von äußerlichen Zwecken hervorgerufen worden, und sich diesen auf alle Weise anbequemt. Schulbücher, Erbauungsmittel, apologetische Schriften, Kämpfe gegen bestehende Mißverhältnisse oder gegen fremde Unbilden, Übersetzungen nützlicher Schriften der Vorzeit, bald zur Erleichterung der Studien, bald zur Beseitigung unrichtiger Ansichten, das ist ungefähr der Kreis, in welchem sie sich bewegen. Nur sehr wenige andere Werke sind Erzeugnisse des innern, auf dem Gebiete der jüdischen Literatur durchgebildetcn Geistes, der sich gedrungen fühlte, sein ganzes Wesen schöpferisch darzuftellen. Man sieht es auch an der Form fast aller jener Produkte, daß sie nur Nachbildungen dessen sind und sein wollen, was die neuere Gestaltung der europäischen Bildung dem Geschmacke anempfohlcn hat. Wir finden dicß ganz in der Ordnung. Es wäre traurig, wenn der mächtige Umschwung der allgemeinen Geistesthätigkeit, welcher Jahrhunderte lang an den Juden vorüberging, ohne sie mit zu berühren, auch jetzt spurlos vorübergehen sollte. Wir sehen es vielmehr als einen bedeutenden Fortschritt zum Bessern an, daß sie mit dineingezogen wurden in die allgemeine Bewegung, daß die schroffe Absonderung und die lange Erstarrung nachgiebt, und ein wärmeres Leben zu verspüren anfängt, wodurch sie selbst sich des Daseins besser erfreuen, und wiedcr in die Thätigkeit rund umher mit eingreifen und zum allgemeinen Wohl Mitwirken. Ein Ergebniß ist bereits daraus hervorgegangen, welches für die kommende Zeit unberechenbare Folgen verspricht, nämlich die fast durchweg umgestaltete Erziehung der Jugend in allen den Ländern, wo jene Berührung etwas stärkern Eindruck gemacht hat, und insbesondere das Verlangen nach klarer Elementarbildung mit Zurücksetzung der früher» Unterrichtsmittel, welche dem zarten Alter nicht frommten, und eine unverkennbare Tendenz hatten, den Kopf mit unbegreiflichen Stoffen zu füllen, und die einfache, reine Elementarbildung abzuhalten. Der praktische Nutzen, den ein gewisser Grad von Kenntnissen im Betrieb der bürgerlichen Geschäfte gewährt, hat sehr bald auch dem Volke die Ueberzeugung gegeben, daß der neuere Weg zugleich auch die Gesittung befördert und zu einem angenehmeren Leben führt, als welches der beschränkte Jdeenkreis einer in sich abgeschlossenen Gemeinde gewähren kann. Rückgänge hierin sind jetzt unmöglich, und in keiner Art wünschenswerth.