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Israelitische Annalen · 1839-05-31 · Heft 22 (31.5.1839) · p. Seite 169

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 22 (31.5.1839)
Date
1839-05-31
Page
Seite 169 (sequence 1)
Language
German
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31, Mai. Nr.o 22. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Jsraelite« aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Der gegenwärtige Streit zwiscben Autorität und Kritik. — Nachrichten und Eorreipondenzen: BreSlau, Nieder-Ungarn; Hamburg; Zustande in der Pfalj (Schluß); Nicderrhein; Säckst'cheS Regulativ über Unterricht (Fortsetzung). — Literatur. — Beantwortung und Bitte. Der gegenwärtige Streit zwischen Autorität und Kritik. (Eingesandt.)*) Seit längerer Zeit gehe ich mit dem Gedanken um, durch Veröffentlichung einiger Ansichten über die ganz Israel betreffenden Angelegenheiten mein Scherflein zum allgemeinen Besten beizurragen; ich benutze dazu mit Vergnügen die israelitischen Annalen, und wünsche nur dadurch unseren Glaubensbrüdern wahrhaft zu dienen. Alles hat seine Zeit, sprach der Weiseste aller Menschen, es giebt eine Zeit einzureißen und eine Zeit zu bauen. Unsere ist eine solche, in welcher manches Eingerissene wieder neugebaut werden muß. In unsere Zeit hat die Sonne der Erkennlniß begonnen auf die dunkeln Pfade der Gewohnheit ihre Strahlen zu werfen, Wissenschaft und Scharfsinn arbeiten emsig, um Verborgenes hervorzuziehen und neue Einsicht zu verbreiten; da hat man auch im Weinberge des Herrn Auswüchse und Unkraut die Menge entdeckt, welches durch die Nachlässigkeit der Hüter überhand genommen hat, so daß fleißig gejätet und weggeschnitten werden muß, *) Aus Gallizien vom 7. Mai 1839. Das Schreiben ist in überaus schönem Hebräisch verfaßt, und erscheint hier in freier, doch sinngetreuer Uebersetzung. will man hoffen, gute Früchte reifen zu sehen und schöne Trauben zu sammeln. Ohne Bild! .die heilige Lehre liegt vor uns, wie sie durch Mose uns gegeben ist. Wer wagt es, an ihr zu kritteln und ihre Wahrhaftigkeit zu bezweifeln? Wer möchte deren Göttlichkeit in Abrede stellen? Wer sieht nicht, daß der göttliche Geist sie durchweht? Die Reinheit der Sprache, die Klarheit und Erhabenheit ihrer Lehren, so wie ihre Schilderungen, welche alles, was andere alte Nationen in ihren Mythen aufzuweisen haben, bei weitem hinter sich lassen, überzeugen selbst den gemeinen Verstand von dem Gottesgciste, der sich darin offenbart! Hält man daran die uns zugänglichen Quellen der sogenannten mündlichen Lehre, welche die Ergänzung des mosaischen Gesetzes bilden soll, so muß jeder Sachkenner, welcher sie unbefangen prüft, sich sogleich sagen, daß ihre Ausdrucksweise und Abfassung überhaupt nur das Werk ftaubgeborner Menschen ist, dem Jrrthum unterworfen. Sie steht indeß da als eine Autorität, und umgiebt die reine Lehre gleich einer eisernen Wand, um jeden Lichtstrahl abzuhallen. Statt aber derselben als Schutz und Bollwerk zu dienen, verfällt durch sie die Lehre im Innern, weil der Kritik kein Zutritt gestattet ward. Hiermit will ich durchaus mich nicht vermessen, unsere Weisen der Vorzeit zu tadeln, noch viel weniger ihre Lehre verwerfen, und gar mich den Ka-

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