Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 19 (10.5.1839)
- Date
- 1839-05-10
- Page
- Seite 145 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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10. Mai. 1839 Nw 19. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. H er a u s g e g eb e n von vr. I. M. Jost. Essäer und Pharisäer. — Briefwechsel über religiöse Zustände (Schluß). — Israelitische Volksbibeln, von Leopold Schott (Schluß). — Verfasser und Schicksale deS Josippon, von Dr. Carm oly. — Nackrichren und Correspondenzen: Trier; Dessau (Schluß); Triest, v. Italienische^ Gottesdienst; Ungarn. — Anzeigen. Historische Aphorismen. *) 2. Die Essäer, ihr Verhältniß zu den Pharisäern, und das Buch Koheleth. Wenn die Pharisäer sich die Aufgabe stellten, das Gesetz zu erforschen, zu erklären und fortzubilden, um als Lehrer und Führer des Volkes zu wirken, und es in der Treue gegen den Gott der Väter zu erhalten**), so war es den Essäern ausschließlich um einen gottseligen Wandel für sich, um die gewissenhafteste und genaueste Beobachtung der göttlichen Vorschriften zu thun. §) Um aber den Lockungen und Versuchungen der Welt ganz zu entgehen, und durch gegenseitige Ermunterung und Unterstützung ihr Vorhaben desto leichter ausführen zu können, zogen sie sich vom öffentlichen Leben zurück, und bildeten unter sich einen engverbundenen Verein, zu dem Niemanden ohne vorgängige lange und strenge Prüfung der Beitritt offen stand, während jene um ihr Ziel zu erreichen, *) S. Annalen. S. 168. **) Welches Streben durch die Begünstigung und Ermunterung der ketzerischen Sadducäer von Seilen der Regenten eine desto entschiedenere und ausgesprochenere Richtung erhielt. §) Sie hielten viel auf Reinigungen und beobachteten den Sabbath strenger als die andern Sekten. Ja, der Name Moseh's war ihnen so heilig, daß sie auf dessen Lästerung Todesstrafe setzten. Zosephus Iüd. Kr. n. 8. öffentlich Auftreten, die Menge an sich zu ziehen und ihr zu imponiren trachten mußten. Mit einem Worte, das Hauptziel der Pharisäer *) als solcher, war das Gesetz zu lehren, und das der Essäer oder Essener**), es auszuüben, und daraus allein lassen sich die verschiedenen Bestrebungen und Richtungen, so wie die Licht- und Schattenseiten beider Pariheien zur Genüge erklären. Was war natürlicher, als daß die Lehre der nach Popularität strebenden Pharisäer den Begriffen und Bedürfnissen des Volkes sich immer mehr anbequemen, dem Aeußern und Ceremoniellen sich vorzüglich zuwenden, und dadurch an Reine und Erhabenheit verlieren mußte? Wie leicht konnte bei Einzelnen, die Pastoralklughcil, das Streben, das Zurrauen *) O'V'ND Erklärer des Gesetzes. So charakterisirt sie Iosephus überall. Wir begreifen gar nicht, wie man dabei an Abgesonderte hat denken können, was auf die Pharisäer unter allen 3 Sekten am wenigsten paßt. Chagigah II. 1. spricht nur von Reinheits-Graden, und hat keine Beziehung auf's Leben. Die Essäer wuschen sich sogar, wenn sie nur von Novizen ihres eigenen Ordens berührt worden. Daß man mit diesem Namen später Ueberfromme oder Frömmler, die sich durch Gaukeleien einen Heiligenschein zu geben suchten, dezeichnete, berührt unsere Sache nicht, da dieß eben erst später geschah, als er nicht mehr Name einer religiösen Parthei war und dabei dachte man an äußerliche Auszeichnung (wie man sie den Pharisäern zur Last zu legen pflegte) und nicht an Absonderung. **) rOTö fcoipy von mit aramäischer For, mation.