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Israelitische Annalen · 1839-05-03 · Heft 18 (3.5.1839) · p. Seite 140

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 18 (3.5.1839)
Date
1839-05-03
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 wenigstens in Bezug auf mich, nicht geringe Vortheile verspreche. — Erlauben Sie also, würdiger Freund, daß ich Ihnen vorläufig meine Ansicht über die vorliegende Frage im Allgemeinen mittheile; vielleicht daß es uns, indem wir den Gegenstand nach allen Seiten wenden, und aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten, mit der Zeit gelingen wird, unsere gegenwärtig von einander so abweichenden Meinungen zu einer Annäherung zu bringen.» Für's erste kann ich Ihnen meine Befremdung darüber nicht verhehlen, daß Sie, wie ich sehe, den heut zu Tage zwischen den alten und neuen Anhängern des Iuder.tbums obwaltenden Zwiespalt so ohne weiteres einen Streit zwischen Rationalismus und Supernaturalismus benennen wollen. Es scheint mir, daß Sie sich selbst dadurch den wahren Gesichtspunkt verrücken, und den Gegenstand in einem Felde zu sehen glauben, wo er gar nicht anzutreffcn ist; daher Ihre Waffen, wie gut auch gehandhabt, nicht das Objekt selbst, sondern nur den Schatten und das leere Bild desselben berühren. Sehen wir nun einmal, ob durch eine genaue Erklärung der drei Wörter: Rationalismus, Supernaturalismus und Judaismus sich nicht einiges Licht in diese Materie streuen läßt. Wenn man einen gewissen Satz als wahr annimmt, so geschieht dieß entweder auf den Ausspruch der Vernunft als höchster Instanz, oder auf eine außer unserer Vernunft liegende Autorität. Mit andern Worten: Man erkennt eine Sache als wahr, entweder weil man sie mit den Grundgesetzen des menschlichen Verstandes übereinstimmend findet, oder weil eine göttliche Offenbarung gebietet, sie für wahr zu halten. Die erstere Art des Verfahrens bezeichnet die Grenzen des Rationalismus, und die andere die des Supernaturalismus. Es wurde viel gekämpft und wird noch gekämpft von den Partheigängern jeder positiven Religion zu Gunsten des einen oder des andern dieser Systeme, und es dünkt mich, daß die Entscheidung einer solchen Streitsache sich nicht, wie Sie sagen, mit der Schwächung beider Partheien oder mit einer freundschaftlichen Ausgleichung endigen kann; wohl aber mit dem vollständigen Siege der einen und mit der gänzlichen Niederlage der andern. Wer nur das Wesen des im Streite liegenden Gegenstandes einer aufmerksamen Untersuchung unterzieht, muß zu dem Schlüsse gelangen, daß jeder Versuch zwei schnurstracks einander entgegenlaufende'Prinzipien, wie es die besprochenen sind, mit einander zu vereinigen, nichts anders als erfolglos seyn kann. Man wird entweder durch eine sonderbare Verdrehung dem Hauptpunkte der Untersuchung auszuweichen suchen, ober mit einem tadelnswerthen Syncretismus sich gegenseitig zu willkührlichen Concessionen herbeilassen. Wer der Fahne der Vernunft treu folgt, der wird jederzeit mit Unwillen den Vorschlag, sich einer außerhalb ihm sich erhebenden Autorität zu unterwerfen zurückweisen, und wer die letztere anerkennt, wird sich jederzeit als einen aus der Vormundschaft der Vernunft entlassenen ansehen. -r- Wir aber, geliebter Freund, müssen es den unerforschlichen Rathschlüssen der göttlichen Vorsehung Dank wissen, daß sie uns auf ernen erhabeneren Punkt hat stellen wollen, auS welchem wir mit ruhigem und sorglosem Blicke auf den Ausgang dieses hartnäckigen Kampfes herabsehen können. Das Iudenthum enthält, nach dem Begriffe, den ich mir davon gemacht, in der That kein einziges Dogma, welches unserer Vernunft zuwiderliese oder außer derselben läge, und daher meine ich, derjenige kenne das Judenthum nicht, der seinen Anhängern den Namen „Supernaturalisten" beilegt. Wir sind nicht verpflichtet irgend eine Lehre anzunehmen, welche nicht in voller Uebereinstimmung mit unserer Vernunft wäre; wir laffen kein widersinniges oder unbegreifliches Dogma, als unausweichliche Bedingung zur Erlangung der ewigen Glückseligkeit, zu. Mit einem Worte, wir haben nicht die Verpflichtung etwas einzig und allein auf das Ansehen eines Andern uns stützend als wahr anzunehmen. (Schluß f.) Israelitische Dolksbibeln. (Zweiter Artikel.) Von Leopold Schott *), Rabbi»» zu Randegg. NH TU "jem TU *fCn „Suche in demselben, du findest Alles darin!" (Kehre sie und wende sie (die Gesetzlehre) von allen Seiten, denn Alles ist darin enthalten. Iost's Uebersetzung). — Die Anerkennung dieses Lodspruches (Aboth 5, 22) auf die heilige Schrift, hat Herrn Nr-. Salomon bewogen (s. dessen Ankündigung) eine wohlfeile deutsche Volks- und Schulbibel für Israeliten herauszugeben, welche, ,.a us(?) dem Massoretischen Terte sammt dem rezipirten Akzentuationssysteme, mit gewissenhafter Zuratheziehung der Kommentare Raschi, Kimchi, Abenesra, Sephvrnv, Raschbam, Nachmanides **) Sadia u. a. übersetzt, „für die Schule, so wie für das Haus; für die Jugend, so wie für das Volk; für die Meister, so wie für die Jünger; für die Lehrer, so wie für die Gemeinden; ja, nicht nur den Freunden und Verehrern der Schrift genügend, sondern auch kraft innerer Gediegenheit und äußerer Form geeignet sein sollte, Hunger und Durst, das Wort Gottes zu hören, auch in denen zu erregen, die gegen dasselbe dis jetzt gleichgültig und lau sich zeigen." — Zugleich sprach auch der Herr Herausgeber seine Uebcrzeugung aus, „daß man dem Genius der morgenländischen Sprachen huldigen könne, ohne sich gegen den Genius der Abendländischen aufzulehnen," womit allerdings dem versprochenen Bibelwerke die Krone aufgesetzt würde. Schreiber dieses war gewiß nicht der wenigst Begeisterte *) Wir liefern die Bemerkungen des Herrn Recensenten nur im gedrängtesten Auszuge. D. H. **) Warum sagt man nicht Ra mb an, so gut als Raschi und Raschbam? — warum auch redet Herr vr. Salomon nur von den Forschungen und neuern Fortschritten christlicher Gelehrten? haben wir den Israeliten Wessely, Benseed, Heidenheim, Zunz, Ravpoport, Luzzato, Fürst u. 2L keine Fortschritte in den Semitischen Sprachen zu verdanken? —

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