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Israelitische Annalen · 1839-04-26 · Heft 17 (26.4.1839) · p. Seite 129

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 17 (26.4.1839)
Date
1839-04-26
Page
Seite 129 (sequence 1)
Language
German
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1839 S«. April. Nr? 17. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. H er a « s g e g e b e n von vr. I. M. Jost. Sebre der Karaiten. — Uebersicht der Neu-Hebräischen Literatur von L. DukeS (Fortsetzung.) — Entstehung de» Synedrium» (Schluß.) — Nachricht« und Earrespondenzcn: Zwei Aktenstücke zur neuesten Geschichte Franks, a. M.; Bingen (Fortsetzung); Oderfranken; Dessau; Triest. — Literatur: lleber vr. Steinheim Meditationen-, von vr. Riesser (Schluß). — Anzeigen. Theologische Studien. Lehre der Karaiten. Von vr. I. M. Zoft. 1. Allgemeine Ansicht (des R. Ahron.) Der Mensch allein ist mit fr e i e m Willen begabt, doch aber mit körperlichen und irdischen Beftandrheilen so verwebt, daß er ohne Anleitung nicht seines Willens sich bewußt wird, sondern jenem unterliegt. Darum ist die Offenbarung, die Quelle des Lebens, ihm zu Theil geworden, damit er stets den rechten Weg erkenne, und der wahren Glückseligkeit theilhaftig werde. Alle Gesetze und Lehren bezwecken die Befestigung des Glaubens und dieErkräftigung der Einsicht und der Vernunft. Darum ist es wichtig, in ihren Sinn einzudringen, und ihn so gründlich, als es die schwachen Kräfte gestatten, zu erforschen; bleibt auch manches noch unergründbar, so ist doch das Streben schon belohnend. Dies Forschen wird aber noch mehr zur Pflicht, wenn man die große Spaltung zwischen den Karaiten und den Rabbaniten betrachtet, welche in der Verschiedenheit der Auslegung der heiligen Lehre ihren Grund hat. Die Rabbaniten behaupten nämlich, sie besäßen die Erklärung der Worte durch Tradition, und geben in der That ganz sprachwidrige Erläuterungen. Wie sollen wir uns aber denken, daß der Dolmetsch des göttlichen Wortes abermals der Verdolmetschung bedürftig sei? Nur in seltenen Fällen, wenn ein Schriftsteller etwas absichtlich zu verhüllen Anlaß findet, deutet er es nur an; aber in Dingen, die offen gesagt werden müssen, um keine Mißdeutungen und Sünden zu veranlassen, wäre es ja seltsam, wenn nur Andeutungen da stünden, die der verschiedenen Auslegung Raum gäben; wobei noch zu bemerken, daß die h. Schr. geradezu alles Zusetzen und Vermindern verbietet. Daher ist es nothwendig, sich mit der h. Schr. selbst zu beschäftigen, und aus ihr allein durch richtige Exegese die Wahrheit zu schöpfen. Erkannt wird die Wahrheit auf dreierlei Weise; entweder durch klare und unwidersprechliche Beweise für einen Lehrsatz; oder durch Entkräftigung des Widerspruchs (negativenBeweis); oder endlich in zweifelhaften Fällen durch Verringerung der Zweifelsgründe nach einer Seite hin (Wahrscheinlichkeit oder Annäherung). Was nun den Zweck der Lehre betrifft, so hat man folgendes zu merken: Wenn schon der erste, in seiner vollendetsten Vollkommenheit geschaffene Mensch der Sünde unterlag, so ist dieß noch weit natürlicher der Fall bei allen den Nachkommen desselben, und müssen diese zur Erreichung der höchsten Seelen-Vollkommenheit erzogen werden. Der Grund allerVernunfterkenntniß liegt zwar in den sinnlichen Wahrnehmungen, und durch ihre Eindrücke auf die Seele wird diese zur Erkenntniß angeleitet, aber sie sind eben so auch andrerseits

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