Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 16 (19.4.1839)
- Date
- 1839-04-19
- Page
- Seite 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1889, 19. April. 16. Israelitische Annalen. Ein Eentralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Angelegenheiten der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. — DaS Schulwesen der Israeliten im Großberzogthum Hessen (Schluß.) — Nachrichten und Korrespondenzen: Sachsen ^Ministerial-Verordnung); Bingen.—Literatur: Uebrr vr. Steinheim'S Meditationen-, von vr. Riesser. — JohlsonS Lehrbuch.der Mos. Religion. — Anzeigen. Angelegenheiten der isr. Gemeinde zu Frankfurt a. M. Die in Folge des Regulativs über die Verwaltung der hiesigen israelitischen Gemeinde bevorstehende Wahl des Gemeindeausschusses giebt Veranlassung zu Betrachtungen und Wünschen, zu deren Organ die israelitischen Annalen wohl geeignet sein möchten. Seit dem Anfänge dieses Jahrhunderts hat sich die hiesige Gemeinde aus dem traurigen Zustande, in welchen sie durch innere Gebrechen nicht minder, als durch äußere Hemmnisse versunken war, zu einer Stufe der bürgerlichen, socialen und wissenschaftlichen Bildung erhoben, von welcher man vor einem halben Jahrhundert kaum eine Ahnung hatte. Diesen so raschen und erfreulichen Aufschwung verdankt sie der regen Empfänglichkeit, mit welcher die Mehrheit ihrer Glieder den edlen Bestrebungen entgegenkamen, denen vorgeschrittene und von einem . löblichen Gemeingeiste beseelte Männer ihre Kräfte widmeten, der Begeisterung, von welcher die Vorwärtsstrebenden erfüllt waren und an welcher die Gegenwirkungen und Machinationen der starren Anhänger verjährter Mißbräuche scheiterten.- So ist es unserer Gemeinde gelungen, tiefgewurzelte Vorurtheile gegen ihre Glaubensgenossen, als seien sie unfähig, sich an europäische Bildung und Sitte anzuschließe», durch die offenkundige Thatsache zu zerstören- und wenn auch keine völlige Gleichftcllung, doch die sicherste Grundlage derselben, die zu heitern Aussichten in die Zukunft berechtigt: die Achtung und das Wohlwollen ihrer Mitbürger, zu erwerben. In dem ungestörten Besitze und erhebenden Gefühle dieser so rühmlich errungenen Fortschritte schien es, als sei alle Gefahr des Rückschreitens beseitigt und als dürfe man sich der Zuversicht hingeben , daß die nächste Zukunft auch diejenigen Verbesserungen in's Leben rufen .werde, die zur Vollendung und dauernden Begründung der neuen Gestaltung unserer Gemeinde noch wünschenswerth sind, und als bedürfe es fernerhin keines weitern Kampfes, keiner weitern Anstrengungen. Neuere Vorgänge in mehrern Gemeinden haben jedoch gezeigt, daß die Freunde des Lichtes und des Fortschrittes sich in diese Sicherheit nicht einwiegen, in ihrer Thätigkeit und Wachsamkeit nicht Nachlassen dürfen. Diese Wahrnehmung macht es den Mitgliedern der Frankfurter Gemeinde zur unerläßlichen Pflicht, der gegenwärtigen Wahl ihre volle und ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden, um nicht durch Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit die edelsten Früchte einer vieljährigen Thätigkeit der Verkümmerung preis zu geben. Die neue Gemeindeordnung überträgt dem zu wählenden Ausschuß eine solche Theilnahme und Mitwirkung bei den wichtigsten Gemeindeangelegenheiten, daß von der Beschaffenheit desselben die Wohlfahrt der Gemeinde abhängr. Alles kommt darauf an, daß zu den Mitgliedern derselben nur solche Männer gewählt werden, die mit der erforderliche« Einsicht und Bildung einen achtungswerthen Charak-