Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 15 (12.4.1839)
- Date
- 1839-04-12
- Page
- Seite 113 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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12. April. Nr? 15. 1839. Israelitische Annalen. E i n C e n t r a l.b l a t t für Geschichte, Literatue und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. H er au s g e g eb en von vr. I. M. Jost. Tie FaculrätSfrage (Schluß.) — Wobltbätige Anstalten in Stuttgart. — Nachrichten und Eorrespondenzen: Sachsen ^Ministerial-Verordnung); Bingen; Preßbnrg. — Literatur: lieber Ur. Steinheim's Meditationen, von Dr. Niesser. — Erwiederung an Hirsch, von L. Stein. Die Facnltätsfrage. (Schluß). Vorausgesetzt aber, daß bestimmte Grundsätze hierüber feftgeftellt sind, und daß eine deutsche Regierung wohlwollend deren Unterstützung und Aufrcchihallung übernimmt, so ist darum noch lange nicht alles geschehen, um den contribuirenden Gemeinden die Hoffnung zu gewähren, daß ihnen aus der also errichteten Anstalt gewünschte Volkslehrer zu Theil werden. Kann man nicht eigene Convicte gründen — welches das einzige Mittel wäre, um alle Anstände zu beseitigen, aber auch bei einiger Frequenz ein enormes Capital nöthig machen würde — so hängt wiederum sehr viel davon ab, an welchem Universirätsorte, und ein solcher muß es wohl sein, die Anstalt errichtet werden solle? Für angehende israelitische Theologen und Pädagogen, welchen meist keine bedeutenden Mittel zu Gebote stehen, sind eigentlich nur solche Städte als Studien-Orte geeignet, wo etwas zahlreichere Gemeinden bestehen, damit die jungen Leute einerseits während der Studienjahre eher Unterstützung oder Beschäftigung, andrerseits nach vollbrachten Studien Annehmer und Gönner finden. Durch diese Rücksichten aber werden nur wenige Städte angemessen erscheinen; und es frägt sich dann, ob deren Lage und anderweitige Verhältm'ffe nicht von der Art sind, daß dadurch der Mehrzahl der den andern deutschen Staaten angehörigen Jünglinge unübersteigliche Hindernisse erwachsen; denn die Kosten werden mit der Entfernung theilweise sehr gesteigert, und es würde vielen Studirenden der entfernter» Länder, welche alle übrigen Bildungsgegenftände in der Nähe sich erwerben können, sehr schwer oder unmöglich sein, um der viele Jahre erfordernden rabbinischen Studien und sonstigen Vorbereitung willen, den Facultätsort auf längere Zeit zu besuchen. Schon deshalb muß es wünschenswerther erscheinen, die Gelegenheit zu diesen Studien in mehreren deutschen Staaten vorzufinden, was in der That mit geringern Opfern zu erreichen wäre, wenn an verschiedenen Universitätsortcn tüchtige Lehrer des Faches entweder von Seiten der Staaten, oder von zusammentrctenden Gemeinden für gewisse Länder und Bezirke, ohne Ausschließung anderer, angeftellt würden. Dies würde dem Zwecke in so fern um so bestimmter entsprechen, als hiernach jedem angehenden Rabbinen oder Volkslehrer, neben dem Besuche der Landesuniversitär der der eingerichteten Curse des jüdisch-theologischen Faches zur Pflicht, und die Approbation der anerkannten Lehrer zur Bedingung gemacht werden kann. Aber auch noch einem andern Nebel würde dadurch vorgebeugr, dem der Einseitigkeit und der daraus leicht entstehenden Verwirrungen. Ist nämlich nur eine solche Anstalt vorhanden, so wird Diese einen unausweichlichen Einfluß auf Besetzung der Rabbinate und Anstellung und Abweisung der Candidaten gewinnen, und entweder eine Despotie üben, welche den Gemeinden am Ende lästig wird, oder einen Widerstand hervorru-