Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 13 (29.3.1839)
- Date
- 1839-03-29
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SS. März. Nr? 13. 1839. Israelitische Annalen. gilt Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgegeben von vr. I. Nt. Jost. Israelitisches Schulwesen im Großherzogthum Hessen (Fortsetzung). — Briefwechsel über religiöse Zustände (zwischen Herrn Luzzato und Herrn Reggio.) Uebersicht der Neu-Hebräischen Literatur weltlichen Inhalts von L. Dukes (Fortsetzung). — Analecten von Dr. Carmoly: Plagiate Abravanels und MoSkatoS. — Nachrichrcn und Correspondenzen: Frankfurt; Berlin. — Literatur: Herzfeld'« Kohelet, beurtheilt von Dr. Zun;. — Anzeigen. Historische Uebersichten. Das Schulwesen der Israeliten im Großherzogthum Hessen in den letzten 25 Jahren. (Fortsetzung.) 2. Ungeachtet der obwaltenden Mangelhaftigkeit in der Ausführung wäre es jedoch ungerecht zu behaupten, daß die gute Saar ganz ohne Frucht geblieben wäre. Vielmehr ist das bisher, an vielen Orten Gelungene der beste Beweis von dem, was mit Anwendung einiger Energie ausgerichtet werden könnte. Die Eröffnung der Lehrerseminarien auch für jüdische Candidaten mußte natürlich schon darin gut wirken, daß mancher nicht schulmäßig vorbereitete Aspirant, an den man denselben Maßftab legen konnte, nach welchem die Seminaristen beurtheilt wurden, ohne weiteres abgewiesen ward, oder selbst auf einen Wirkungskreis verzichtete, dem er nicht gewachsen war. Sogar einzelne, bereits anderweitig mit Befähigungszeugnissen versehene Lehrer, sahen sich genvthigi, zurück zu treten. Zur Aufnahme in die Seminarien wurden übrigens geeignet befunden, sogleich zu Ostern 1824 einer; dann traten ein je 2 in den Jahren 1825, 1826,1827,1829, je einer 1830 und 1831, 2 im I. 1832, und je einer in den Jahren 34. 36. 38. Zusammen 16. Die Aussicht auf Erlangung zweckmäßig vorbereiteter Jugendlehrer weckte die Thätigkeit mehrerer Gemeinden, denen die Verbesserung des Schulwesens ernstlich am Herzen lag, und denen auch die pekuniären Mittel zur Ausführung zu Gebote standen. Es wurden mehrere gute Anstalten errichret, zunächst in Gießen, Bingen*), Rödelheim, Reichelsheim im Odenwald, nachmals in Bürgel bei Frankfurt am Main, Mainz, Friedberg, zuletzt in Vöhl. Alle diese Schulen erfreuen sich eines gedeihlichen Fortganges, und ihre segenreiche Wirksamkeit ist von kompetenten Behörden sowohl als auch von andern Sachkennern gehörig gewürdigt worden. Die Religionsschulen wurden ebenfalls an mehreren Orten verbessert. Dieser Erfolg muß nun zwar bei einer Bevölkerung von 24000 Seelen noch als unbedeutend *) Seit dem Tode des ordentlich angestellten Lehrers ist die Schule zu Bingen wieder eingegangen, indem die Stadt ihre Beiträge derselben entzogen hat. Doch ist daselbst eine gute Religionsschule errichtet worden. Die Anstalten in Mainz und Friedberg sind nur Privatschulen, aber nichtsdestoweniger sind sie in sehr gutem Stande; sie stehen auch nach der Schulordnung von 1832 unter der Aufsicht der allgemeinen Schulbehörde und des Ortsschulvorstandes. Auch Büdingen hat in neuerer Zeit eine Elementarschule errichtet, sie ist aber so viel wir erfahren, noch nichtzdefinitiv besetzt, was wahrscheinlich darin seinen Grund hat, baß die Gemeinde einen zu unbedeutenden Gehalt damit verbindet. Das ganze Einkommen beträgt 183 Gulden, und dazu hat der Lehrer noch die Dorsängerstrlle mit zu versehen!