Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 12 (22.3.1839)
- Date
- 1839-03-22
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133779--0106-3134211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1839 22, März. Sftro is. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Heraus ge geben von Dr. I. M. Jost. Israelitische- Schulwesen im Großherzogthum Hessen. —Nachweisung einer historischen Quelle von 21. Adler. — Bemerkungen zur Salomon'schen DolkSbibel von MoseS Heß. — Analecten von vr. Carmoly: Zosel Loanz. — Nachrichten und Correspondenzen: Breslau; Hamburg; Copenhagen. — Bemerkungen über daS ProSbol von M. B. Friedenthal. — 2lnzcigen. Historische Ueberfichten. Das Schulwesen der Israeliten im Großherzogthum Hessen in den letzten 25 Jahren. Von S. L. Vorwort des Herausgebers. Wir geben hiermit unfern Lesern die Arbeit eines durch seine Beiträge zur Darmstädter Allgemeinen Schulzeitung bereits in diesem Fache bekannten, mit den Lokalverhältnissen besonders vertrauten jungen Candidaten, welcher außerdem Behufs der Ausarbeitung der folgenden Uebersicht mit allen nöthigen Quellen versehen worden. Die ganze Darstellung ist als das Resultat der bestimmtesten Sachkenntniß zu betrachten, und dessen Gediegenheit ist uns sowohl durch eigene Ansicht der Belege, als durch anderweitige Bestätigung verbürgt. — 1. Es dürfte überflüssig erscheinen, der folgenden Darstellung einen geschichtlichen Rückblick auf vorherige Zustände vorauszuschicken; die Zeit, welche wir in's Auge fassen, begränzte sich in ihrem Beginne so scharf, daß die vorgängige Geschichte von da ab ganz ohne Einfluß blieb. Die traurigen Verhältnisse, welche in den meisten Fällen einer fortschreitenden Gesetzgebung viele Hindernisse in den Weg legen, konnten hier, wo es darauf ankam, der neuen Generation bessere Bildungsanftalren zu geben, leichter außer Acht gelassen werden. Auch waren sie in der That durch die unmittelbar vorher eingetretenen Ereignisse großentheils abgestellt und in bei weitem bessere verwandelt worden. Der engherzige Zunftgeist verschwand, menschenfreundlichere Gesinnungen begannen zu wurzeln, Bedrückung und Ausschließung wurden nicht mehr gm geheißen, die Israeliten wurden als Mitbürger betrachtet und behandelt. Sie selbst erlangten ein erkräftigendes Bewußtsein ihrer Menschenwürde und strebten nunmehr ernstlich darnach, in alle Menschenrechte einzutreten, sich dem Allgemeinen anzuschließen, und in dem bürgerlichen Verbände nach Kräften zum Ganzen mitzuwirken; und andrerseits erkannte man von Seiten des Staates diese Bestrebungen gerne an und suchte ihre neuern zum Theil noch auf schwankendem Herkommen beruhenden Verhältnisse auf gesetzliche Normen zu basiren. Seit dem Ende des letzten Krieges wurden daher die Angelegenheiten der Israeliten vielfach besprochen und in öffentlichen Schriften beleuchtet und entwickelt; das allgemeine Ergebniß war immer für sie ein günsiiges, und ist auch noch nicht überall die so sehr wünschenswerthe vollständige Einbürgerung erfolgt, fo sind doch vorbereitende Schritte zu diesem Behufe geschehen, und der endliche Erfolg ist fast keinem Zweifel mehr unterworfen. Die zu solchem Zwecke eingeschlagenen Mittel und Wege sind nach Ansichten und Umständen verschieden; darüber war man jedoch überall einig, daß eine vollkommene Reform der Israeliten in bürgerlicher Hinsicht jedenfalls nur durch eine gründliche Ver-