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Israelitische Annalen · 1839-03-15 · Heft 11 (15.3.1839) · p. Seite 81

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 11 (15.3.1839)
Date
1839-03-15
Page
Seite 81 (sequence 1)
Language
German
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5. März. Nl» 11. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultnr -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Theologische Studien: Lehre der Karaiten. — Neubebr. Literatur von L. Dukes. —Literatur: Königskrone. —Literarisch-historische Notizen von Reggio. Analecten von 1)r. Carmoly, über R. Levi B. Gerson. — Nachrichten und Correspondenzen: Heidelbberg: Bericht der Ges. für Studirende. Italien (Schluß.) — Erklärung von vr. Creizenach. — Anzeigen. Theologische Studien. Lehre der Karaiten und ihr Kampf gegen die Rabbinische Tradition. Von Vr. I. M. I o ft. Einleitung. Fast abgeschieden von den civilisirten Ländern Europa's fteht in einem Winkel des russischen Reiches, welchen von allen Seiten das Meer bespült, auf dem taurischen Chersones, bis auf die neuere Zeit Wohnsitz tartarischer Horden, der Hauptftamm der Karaiten, einer Secte, welche vor etwa einhundert Jahren, fast gleichzeitig mit der großen Kirchenspaltung der Christenheit, in Asien sich von den jüdischen Brüdern losriß, und seitdem meist nach Europa übergesiedelt, eine eigne Gemeinde bildet. Klein an Zahl — vielleicht in allem mit den schwachen Tochtergemeinden nicht über 12000 Köpfe betragend — aber stark durch ein inneres Lebensprincip, beharrt diese Secte bei ihrer Lehre, ihrer Sitte, und ihrer eigenthümlichen Lebensweise mit einer bewundernswürdigen Unerschütterlichkeir. Wir kennen*) ihre, im Ganzen sowohl unter Russischer *) Geschichte der Israeliten, B. vm. Allgem. Gesch. des Israel. Volkes II. — Eine Anzahl uns später zugekommene Aktenstücke in russischer und polnischer Sprache werden wir, gehörig beleuchtet, durch die Annalen veröffentlichen. als unter Oefterreichischer Obhut sehr günstige gesetzliche Stellung, ihre sich auf wenige Ereignisse beschränkende Geschichte, ihre Sitten und Ansichten, so wie den Grundzug ihrer Lehre, welcher vornämlich in einer gänzlichen Protestation gegen die rabbinische Tradition besteht, an deren Stelle sie die Interpretation der heil. Schrift setzen; endlich auch eine große Zahl ihrer Schriftwerke, *) welche weit mehr Aufmerksamkeit verdienen, als ihnen bisher zu Theil wurde, und ihrer Seltenheit und Schwierigkeit wegen, zu Theil werden konnte. Die Zuversichtlichkeit, mit welcher sich diese Gemeinde conftituirte, und die Dauerhaftigkeit, welche sie zu erringen wußte, darf den Geschichtsfreund nicht befremden. Kirchen werden viel leichter erbaut als zerstört; sie sind ein Erzeugniß der Geiftesentwicklung, stehen auf geistigem Boden, und werden durch irdische Stürme nicht entwurzelt; sind sie nicht aus dem ewigen Geiste hervorgegangen, sondern nur aus einer einseitigen Aufwallung, so vergehen sie mit dem Erlöschen ihrer endlichen Kraft. Der Menschenwitz sollte sich daher nicht abmühen, fremde Kirchen zu bekämpfen. Weder äußere Ge- *) Ein Verzeichniß derselben lieferten wir im Intelligenz, blatt zur Höllischen, Allg. Lit. Zeitung, Sept. 1830. Seitdem aber hat die Literaturkunde noch einen bedeutenden Zuwachs erhalten, und wir sehen noch wichtigem Mittheilungen von unfern karaitischen Correspondenten entgegen.

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