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Israelitische Annalen · 1839-03-01 · Heft 9 (1.3.1839) · p. Seite 65

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 9 (1.3.1839)
Date
1839-03-01
Page
Seite 65 (sequence 1)
Language
German
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1. März. Nw S. 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Zur Würdigung unsrer Zeitverhältniffe. — Uebersicht der Neu-Hebräischcn Literatur. Bon C. Dukes. — Beitrag zur historischen Kritik der Psalmen. Bon 3S. R e g g i o. — Notizen: Wissenschaftliche Kenntnisse der Rabbinen. — Nachrichten und Correspondenzen: Bedenken über die Nachricht von Juden in Afrika. — Literatur. — Anzeigen. Zur Würdigung unsrer Zeitverhältniffe. (Eing esandt.) Je beifälliger ras Wort zur Verständigung in Nr. 1 der Annalen ausgenommen worden, desto mehr hält es Schreiber dieses für Pflicht, freimüthig einige Bemerkungen dagegen zu machen, welchen die Annalen, wenn sie wirklich unpartheiisch erscheinen wollen, und nicht in einer schwankenden Halbheit allen oder keinen genügen mögen, nothwendigcr Weise einen Platz gönnen werden. Gewiß ist es löblich, die obschwebenden Lebensfragen nicht sogleich mit anmaßender Entschiedenheit zu beantworten, und dadurch sie entweder ganz niederzuschlagen oder die Gemüther für und wider aufzuregen. Es sei auch zugeftanden, daß viele Veränderungen zum Guten in neuerer Zeit fast in allen Dingen einen bessern Zustand erwarten lassen. Aber darum wird doch nicht jeder ohne weiteres in so unbedingtes Lob einstimmen; und noch immer stellen sich Seiten heraus, die nicht so gar glänzend aussehen und an denen noch viel zu feilen sein dürfte. Erlauben Sie mir, mich deutlicher zu erklären, ich werde es möglichst vorsichtig thun, weil Sie doch einmal das Entschiedene von sich weisen; und nirgend gerne anstoßen. Meinetwegen! Ich unterwerfe mich Ihren Ansichten, die in mancher Beziehung wohl richtig sein mögen. Ich schreibe ja letzt für Ihre Annalen, und Ihnen steht es zu, den Ton derselben zu bestimmen. Also im Sinne der rechten Mitte. Ist die Zeit wirklich so ruhmwürdig, wie Sie solche in gedachtem Vorwort beschreiben? Es mag nicht geleugnet werden, daß die Gesetzgebung fast überall das Rechte sucht, daß sie mit der wägenden Gerechtigkeit eine und dieselbe sein möchte. Allein noch decken sich diese zwei Begriffe nicht, und wir müssen darunter leiden. Welche weitere Abhülfe haben wir nun zu erwarten, außer indem wir öffentliche Organe benutzen? Freilich wäre es billig, daß jede Gemeinde sich unmittelbar an diejenige Behörde wendete, welcher es zunächst obliegt, Unbilden abzuschaffen, allein einer fehlt der Murh, einer die Theilnahme, einer die Luft, etwas zu thun, und so schleichen die Uebel von Vater auf Sohn und Enkel fort. Ein Organ, wie die Annalen, eignet sich aber dazu, manche unsrer Beschwerden zur Diskussion zu bringen. Das weckt die Aufmerksamkeit bei den Unkundigen und bringt auch für die Kundigen Licht in die Sache. Wozu immer zurückhalten? Der Israelit — oder Jude — oder Hebräer — er heiße wie er wolle, leidet noch sehr viel der Religion wegen, von den Rückständen alter, zum Theil auch von neuern Anordnungen. Von Ausschliessungen unh Nichibefähigungen mag ich nicht reden, obgleich manchmal das Herz darüber blutet. Im Kriegsdienst besonders sind die Opfer jedes Soldaten gleich groß, und muß es tief schmerzen wenn wir unsers Bekenntnisses wegen der Ehren des Avancements oder der Vortheile des Invaliden nicht werth befunden werden. Die Religion hält gewiß keinen Juden ab, wenn er kann, das Vaterland zu retten, und die jüdischen Soldaten und

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