Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 8 (22.2.1839)
- Date
- 1839-02-22
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133775--0077-3134178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Proceß gegen den Patriarchen einleitete, welcher einige Monate dauerte und dem Divan eine schöne Summe Gelbes von beiden Partheien eindrachte. Dieser erließ endlich einen Befehl, welcher ihnen aufgab, sich zu vertragen, und in Frieden neben einander zu leben. (Jew. IutelJ. Fedr. 1838.) Surinam. — Wahrend im Königreiche Holland der Gebrauch der reinen Landessprache, der niederländischen, in der Synagoge, (wie das Predigen überhaupt) zu den Seltenheiten gehört, so daß die Regierung noch neuerdings, unterm 24. Oct. 1838 den israelitischen Schulen bei Verlust des Zuschusses zu ihrem Unterhalte, die Anwendung der reinen Landessprache, mit Ausschließung des deutschen Jargons, ernstlich zur Pflicht zu machen Veranlassung fand, berichtet der Telegraph von Surinam (s. Irmrboeken voor de Isr. 1838) wiederholentlich von den vortrefflichen rein niederländischen Reden des im Jahr 183? nach Paramaribo als Vorsänger der dortigen Nieder!. Portugies. Iäräel. Gemeinde berufenen B. C. Carillon, besonders seiner Antrittsrede am 8. Dec. 1837, und zweier Predigten am Wochenfeste, 30 u. 31. Mai 1838. Die Holländer lassen sich sonach von den Colonieen den Rang ablaufen. Holland. — Unterm 28. Juny v. I. erließ die Hauptcommission für Israelitische Angelegenheiten in Holland ein Programm, als Aufforderung zur Concurrenz in Bearbeitung eines zweckmäßigen kurzgefaßten Handbuches zum Unterricht in der israelitischen Religion für beide Geschlechter. Den Erfolg werden wir seiner Zeit anzeigen. In demselben Monate erschien abseiten des Vorstandes des Nieder!. Israel. Seminars zu Amsterdam (gezeichnet von H. M. Lehren u. S. I. Mulder) ein Bericht über die Fortschritte dieser, erst seit 1836 zu einer allgemeinen Anstalt für alle Niederl. Israeliten erhobenen und mit einem neuen Reglement versehenen Schule für künftige Lehrer. Im Ganzen erscheinen sie befriedigend. Gegenstände des Unterrichts sind hier: die gesammte hebräische Literatur in der weitesten Ausdehnung, ferner die wichtigsten Schulwissen schäften und Homiletik. Die Seminaristen erhalten nach Maßgabe ihrer Fortschritte königliche Stipendien. Ein Wohlthäter (Hr. D. Hollaender) hat der Anstalt 4000 fl. zum Erwerb eines Hauses in Amsterdam geschenkt. (Es gibt doch, trotz der großen Lauheit, noch immer hochherzig Gesinnte, welche der künftigen Generation einen Theil ihres Ueberflusses gerne opfern! Aus Sachsen. — In Sachsen, wo noch fast mittelalterliche Beschränkungen in Bezug auf Juden an der Tagesordnung sind, hatten wir am 7. Januar dieses Jahres ein erhebendes, noch nie dagewesenes Schauspiel des Fortschrittes der Emancipationsfrage, das so wohl in den Annalen Sachsens, als auch in-den Büchern der neueren jüdischen Geschichte nicht unerwähnt bleiben dürfte. Vormittags um 11 Uhr leistete zu Leipzig ein junger Mann, Salomon Veit aus Dresden, in Gegenwart des versammelten Rathes den Bürgereib, die Rechte auf die bekannte, den Eid betreffende Stelle der Tora haltend. Es war der erste Bürgereid, den ein Jude in Sachsen geleistet, da sämmtliche Juden daselbst nur Schutzbürger sind, und sie daher nie einen Bürgereid leisten durften. Es war aber auch das erste Mal, wo eine neue höchst einfache und würdige Eidesformel dem alten Grauen erregenden Formulare Platz machte, und in dieser Weise auch für immer, laut höherer Versicherung, vorgeschrieben bleibt. Bei Gelegenheit dieser Eidesleistung fungirte Dr. Julius Fürst zum ersten Male als beglaubigter Assistent, in welcher Eigenschaft er auch bei dem Stadt-, Criminal- und Handelsgericht vom Rathe in Leipzig für beständig gewählt würde. Wer die Aengstlichkeit der sächsischen Behörden in Bezug auf Juden kennt, wird gewiß einen solchen Fortschritt zu würdigen wissen, zumal derselbe, wie es heißt, noch glänzendere Resultate der allgemeinen Bildung nach sich ziehen wird. Denn eine hoffnungsreiche Beweglichkeit und ein Streben nach einer regelmäßigen Constituirung der innem jüdischen Verhältnisse zeigt sich gegenwärtig bei dem kleinen Häuflein der sächsischen Israeliten (es sind deren blos 848 in Sachsen), wie noch nie, und in einem constitutjonellen Staate belohnt sich ein solches Streben immer. Die Leipziger kleine Gemeinde hat einen Platz am Pichhofe vom Rathe angewiesen bekommen, um die beabsichtigte allgemeine Synagoge für alle Meßfremde hinzubaüen, und selbst der Kanon, welchen ohne Unterschied alle Grundstücke entrichten müssen, ist ihr gegen ein Geringes erlassen worden. Durch einen Conflikt zwischen der jüdischen Beerdigungsgesellschaft und dem Rathe, wegen des Nachlasses eines hier verstorbenen Meßfremden, (wobei der Rath das Vermögen ohne Abziehung der Beerdigungskosten den Erben aufdewahrt), sieht sich^die Leipziger Gemeinde gezwungen, Statuten zu entwerfen,' um in Zukunft solches zu vermeiden; und dieses ist der erste Fall, wo diese Gemeinde den Mangel an Statuten einsieht. Der Bau der Synagoge in Dresden ist fast zur äußeren Vollendung gediehen, und wie dieser Bau zu den schönen öffentlichen Bauten gehört, so gibt er ein treffendes Bild von dem harmonischen Aufblühen der Dresdner Gemeinde. Zu Pfingsten soll die feierliche Einweihung statt finden, und somit die letzten Spuren des Zwiespaltes verschwinden. Der Zustand der Dresdner Gemeinde ist gegenwärtig besser als je, der Handwerksstand vermehrt sich täglich, in dem Maße sich der Trödelhanbel vermindert, und in Kurzem wird Dresden bald dreißig jüdische Meister haben, ein Fortschritt, an den früher nicht zu denken war. Aber auch Kunst und Wissenschaften bleiben von sächsischen Juden nicht unangedaut, und für jedes Fach, sogar für Jurisprudenz und jüdische Theologie finden sich strebsame junge Männer, die auf den Hochschulen Deutschlands studiren, wo sie Nichts an den derzeitigen Mangel der Emancipativn mahnt. A....i. Anzeigen. Im Verlage von I. D. Sauerländer in Frankfurt a. M. ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu erhalten: .rmaj? pe6 *pm rwnpn ted Elernentarbuch, oder gründlicher grammatikalischer Unterricht im Lesen und in der Flexion in der hebräischen Sprache. Von L. Presburger, Lehrer an der israelitischen Bürger- und Realschule zu Frankfurt am Main. Mit einem Vor»vorte von Dr. I. M. Jost. Bei demselben Verleger erscheint zur Jubilate-Messe 1839 die Dritte umgearbeitete und vermehrte Auflage der hebräischen Fidel ■nap rwnp . d. i. erster Unterricht iry Hebräisch -Lesen und Uebersetzen, nach grammatischen Grundsätzen bearbeitet von L. Presburger, Lehrer an der israelitischen Bürger- und Realschule zu Frankfurt am Main. 6 gr. 24 kr. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main