Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 5 (1.2.1839)
- Date
- 1839-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 i nach Einziehung und Vernichtung aller hebräischer Gesetzsammlungen *) — neue Auflagen derselben zu veranstalten, worin alles Anstößige gestrichen worden. Die Berathung darüber geschieht von einer rabbinischen Commission in Gegenwart des kaiserlichen Commissar. Das macht natürlich mancherlei Verlegenheit. Was die Elementarbildung betrifft, so nimmt sie gemächlich zu. Die Kronschulen, welche durch die ungemeine Umsicht und Thäligkeik des gegenwärtigen Ministeriums für den Unterricht seit 5 Jahren immer besser aufblühen, lassen überall Hebräer und Karaiten zu, und diese fangen an, davon Gebrauch zu machen. Da Sie an der Central-Bibliothek für Pädagogik von Pr. Brzoska Mitarbeiten, so verdient der diesjährige (1838) Bericht des Ministeriums über das Unterrichlswesen in Rußland im I. 183? (gedruckt Petersburg 1838) ohnehin Ihre Aufmerksamkeit, oder doch die der Rcdaction. Sie finden darin S. 99 das Gesagte bestätigt. Von unseru Schulen kann dieser nichts enthalten; ick werde Ihnen später darüber berichten. Interessant ist aber aus demselben noch die Angabe der literarischen Thätigkeit der Hebräer in Rußland. Im I. 1835 wurden 47 hebräische Werke, im I. 1836 dagegen 98, zusammen 2808 Bogen, aber 1837 nur 40, mit 542 Bogen gedruckt. Die Verschiedenheit hat äußere Ursachen. Ueder Werth und Censur der hebräischen Literatur, über Schulwesen rc. behalte ich mir noch vor. Ihnen genügende Relationen zu senden. Anhalt-Bcrnburg. — Wie klein auch der Wir-. kungskreis der im Ganzen nicht sehr zahlreichen israelitischen , Gemeinden dieses Landes ist, und wie wenig daher auch hier zur allgemeinen Entwickelung beigetragen werden kann, so macht cs mir doch Freude, Ihnen berichten zu können, daß seit der Anstellung des Herrn vr. Herrheim er als Rabbiner in Bernburg, alles einen guten Fortgang hat. Vielerlei Mißbräuche sind abgestellt und die verschiedensten Ansichten versöhnt und ausgeglichen, und dem Anscheine nach ist man allgemein zuftieden. Wenn von der einen Seite ein richtiges Maßhalten und einsichtsvolles Verfahren des Herrn Rabbiners anerkannt werden muß, so scheint es mir doch auch nicht minder wichtig, und für Ihre Annalen wohl der Bemerkung werth, baß die Theilnahme, welche unsre erlauchte Regierung der Wohlfahrt ihrer israelitischen Unterthanen widmet, sehr viel zum Gedeihen des Bessern beiträgt. Es ist Ihnen bekannt, daß der Herr Lanbrabbiner aus der Staatskasse die Hälfte seines Gehaltes bezieht, und somit sowohl in dieser Beziehung als auch durch die ehrenvollen Functionen, welche ihm überwiesen sind, als.Beamter des Staates angesehen wird. Solch eine Stellung ist, wenn auch nicht immer glänzend, doch geeignet, dem Wirken Energie *) Alle vorhandenen hebräischen Bücher in Rußland sind gestempelt. Die Einführung neuer ist streng verpönt. Daher kann die Maßregel im Großen durchgesührt werden. Freilich bleiben die Eremplare dann verstümmelt, und Pie Wissenschaft büßt dabei vieles ein. Anm. b. H. zu geben. Unsre Regierung erkennt den Erfolg mit Genugthuung, und hat dieß jüngst durch neue Concessionen dargethan. Als es nämlich hieß, daß Hr. vr. H. einen anderweitigen Ruf anzunehmen willens sei, ward ihm von Seiten des Staates eine verhältnißmäßig bedeutende Gehaltszulage bewilligt, und der Vorstand der Gemeinde noch besonders aufgefordert, seine Einkommensverhältnisse zu verbessern, welchem Verlangen, wenn ich nicht irre, entsprochen worden ist. Ich glaube, daß eine gleiche Theilnahme in anderen Staaten für das löbliche Bestreben der jetzt an so vielen Orten angestellten, kenntnißreichen und den Fortschritt begünstigenden Rabbinen, Ihren Gemeinden überall mehr nützen würbe, als alle Kritiken und Vorschriften. Literarische Anzeige. Co n firm and en-Unterricht für Israeliten. Von E. Grünebaum, Bezirks-Rabbiner in Landau. Neustadt. 1838. Die in den spätern Zeiten herkömmlich gewordene Ceremonie, bei der Einführung jedes dreizehnjährigen Knaben in die Religionsgemeinde (nViD *D), mußte bei veränderter Erziehungsweise und gestiegener Geistesbildung sich immer unerbaulicher und unzweckmäßiger, ja dem gesunden Verstände widerstrebender erweisen. Man hat daher in vielen Gemeinden dieser religiösen Handlung liefern Sinn, so wie größere Weihe und Feierlichkeit gegeben, indem man mehrere Knaben, die das dreizehnte Jahr zurückgelegt hatten, vereinigte und an die Stelle des Ablesens oder vielmehr Absingens des wöchentlichen Bibelabschnittes, die feierliche Ablegung des Glaubensbekenntnisses nach vorhergegangenem Conflrmanden-Unterrichte, setzte. Zugleich wurde diese religiöse Feierlichkeit, den Geist der Religion und der europäischen Sitte.gemäß, auch auf das weibliche Geschlecht ausgedehnt. Seitdem sind nun mehrere Hilfsmittel für diese Confirmation erschienen. Unter denselben nimmt das Werkchen des Hrn. Rabbiners Grünebaum — der sich viele Verdienste um die Verbesserung der Schulen in seinem Bezirke erworben — eine der ersten Stellen ein. Derselbe hat, mit Benutzung der besten Lehrbücher, die Grundlage der mosaischen Religions- und Pflichtenlehre in einer concisen und edlen Darstellung in einen Umfang zusammengedrängt, wie es der Dauer dieser Handlung angemessen ist. Dem denkenden Lehrer ist ein reichhaltiger Stoff gegeben, an welchem er, je nach besondern Verhältnissen, einen mehr oder minder ausgedehnten Unterricht ankämpfen kann, während die Confirmation das auf allen Bildungsstufen Rothwenbige umfaßt. Die Punkte, über welche die Meinungen so sehr divergiren, hat der Verfasser auf eine Weise behandelt, die, ohne Anstoß zu geben, der Wahrheit nicht zu nahe tritt. I vr. M. Heß. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main