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Israelitische Annalen · 1839-01-11 · Heft 2 (11.1.1839) · p. Seite 9

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 2 (11.1.1839)
Date
1839-01-11
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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ll. Januar. N^° 2 1839. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgegcben von vr. I. M. Jost. Historische Schilderungen; C. Asser und die holländischen Juden in neuerer Zeit. — Historische Berichte über die Juden in Hamburg. — Nachrichten und Korrespondenzen. — Literarische Anzeigen. Historische Schilderungen. Carl Asser *) mit Beziehung auf die Holländischen Israeliten in den letzten vierzig Jahren. Bon vr. Joseph Dernburg (zur Zeit in Amsterdam). Am Ende des sechszehnten und im Anfang des stebenzehnten Jahrhunderts wanderten die von ihrem Heerde vertriebenen Juden aus Spanien und Portugal in die Niederlande ein, um unter den Feinden Spaniens, in dem Lande, welches kaum das schwer drückende Joch eines finstern und boshaften Tyrannen abgeworfen hatte, ein Obdach zu suchen. Es bestand in ihnen vielleicht eine Sympathie mit den Einwohnern eines Landes, welche aus derselben Quelle den bittern Becher furchtbarer Leiden getrunken hatten, und welche ebenso wie die Juden, im Katholizismus und seinen damaligen Henkern, den Inquisitoren, die Ursache all ihres Unglücks erblickten. In der That feindete man die neuen Christen — denn solche waren es, welche die erste lüdische Bevölkerung Amsterdams ausmachten — zuerst wegen *) Vergl. Jaarboeken voor de Jsraeliten in Nederland Verde Jaargang Nr. VI. Nov. Dec. 1837, woraus wir ein Paar Bemerkungen ergänzend deifügen. Uebrigens werden wir die interessanteren Artikel dieser Zeitschr-ift durch die Annalen auch in Deutschland verbreiten. Anmerk. d. H. Kryptokatholizismus an, und überfiel sie an einem Versöhnungstag, wo man aber aus Zeremonien und Gebetbüchern die Juden erkannte. Die Schätze, welche die Juden mitbrachien, die Aussicht auf die Reichthümer, welche noch folgen würden, die Hoffnung auf die neue Stütze, welche der Seehandel durch Männer erhalten würde, die in den damals berühmtesten Seestädten ihre Brüder und Freunde hatten, machte, daß der junge Staat mit Freuden die Verstoßenen, aufnahm, ihnen seinen Schutz versprach, und — was nicht immer anderswo geschah — sein Versprechen erfüllte. Kaum ein halbes Jahrhundert nachher, als schon die Kunde von der erblühenden Gemeinde nach Deutschland und Polen gelangt war, als man mit Staunen auf den Winkel der Erde hinwies, wo die Kinder Jakobs, nicht ewigen Bedrückungen und Erpressungen ausgesetzt, ruhig ihr Haupt niederlegen konnten, trieben die Judenverfolgungen in den genannten Ländern, auch deutsche und polnische Juden nach Amsterdam, die aber nur Armuth und Elend mitbrachten, nur die letzten Reste zerstörten Glückes mit sich fortschleppten , und mit Wehmuth den Ort aufsuchten, wo man den Gedrückten die Luft zum Athmen und das Brod zur Speise gönnte. Die deutsch-jüdische Gemeinde wuchs kräftig heran, mehrte sich immer mehr von Innen und Außen, und war nach hundert Jahren eine der zahlreichsten der Erde, zahlreicher als jede Andere Europa's. Sie nährten sich vom Handeln und Mäkeln, da ihnen durch die Zünfte jedes Handwerk verboten, durch den Staat jede-

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